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Anter Hattungsblatt

zur Neuen Hessischen Zeitung.

,4« 22. Sonntag, Inn 26. November. 1848.

Altenglische Feste *).

Von K. König.

Dasfröhliche Alt-England" ist sprichwörtlich ge­worden, seitdem es wörtlich kein solches mehr ist, sondern ein neues confortables und in vielen Stücken ein neu- mißbehagliches. Für Festlichkeiten, wie sie unter der Königin Elisabeth noch volksthümlich waren, und in deren Lust und Lust der junge Shakspeare zum größten Dichter erwuchs, haben die Lords den Humor nicht mehr, und sind die Frauen zu zimperlich geworden; zu solchen Festen haben die Fabrikherren keine Zeit und das Volk keine Feierstunden. Das Volk hat ja nicht einmal einen rechten Sonntag mehr, sondern nur einen Sabbath. So lieben die Puritaner den Sonntag zu nennen. Und die Puritaner haben diese Feste vertrieben. Sie freuen sich darüber diese Frommen, nicht nur, weil solche Feste auö der katholischen Zeit des Landes herrührten, sondern zum Theil noch ältern, heidnischen Ursprungs waren. Ja, diese Puritaner haben das Volksleben purificirt, die üppigen Pulse gedämpft, das Singen und Lachen, die tollen Sprünge und Verkleidungen des Landes ver­wiesen. Was sind die Ladys jetzt so »finished«, und die Fabrikantenfrauen so »ladylike« geworden!

Andere Genüsse, andere Tollheiten sind dafür auf­gekommen. Nun ja! Welche freie und kraftvolle Nation könnte ohne Ueppigkeit und Tollheit bleiben? Und auch für diese neue Richtung hat die Nation wie für jene ältere an Shakspeare einen poetischen Repräsentanten an Byron; an jenem, der sich mit dem Auge voll »schönen Wahnsinns" am Leben freut und erhebt, und an diesem, der mit wildem Dichterauge sich am Leben verzweifelnd aufreibt. Die Kritik, die ein schönes Dichterwerk so gern auseinander reißt, um seine Be­standtheile zu untersuchen, könnte einmal jene beiden ganzen Dichter analysiren, um die Bestandtheile und

*) Vergl. Shakspeare and his times. By N. Drake.

die eigenthümliche Mischung der so verschiedenen Zeiten beider Dichter aus deren Werken heraus zu setzen und nachzuweisen. Wir überlassen dies einem Andern, und wollen hier nur von einigen Bestandtheilen jener Zeit, aus welcher Shakspeare gewachsen ist, erzählen. ES ist die Zeit der Königin Elisabeth, die mitten in einem so poetischen Jahrhunderte, wie das ihrige war, den Grundstein zur politischen Größe ihres Landes gelegt hat. Wir erzählen von den Festen jener Zeit, die zu­gleich Kirchen- und Volksfeste waren, und beginnen, dem Laufe des Kalenderjahres nach, mit dem

N e u j a h r s f e st e.

Das Neujahr war ein allgemeines Fest, das seinen Jubel in allen Ständen verbreitete. Auf dem Lande zogen junge Frauenspersonen von Haus zu Hans, fan­gen Glückwünsche ab, und schenkten den Nachbarn Würz­bier aus einem großen Napfe ein. Diese heitre Freund­lichkeit wurde mit kleinen, freundlichen Geschenken er­widert. Junge Leute tauschten dabei im Uebermuth der Fröhlichkeit ihre Kleider aus, und zogen in solcher Vermummung singend und tanzend bei den Nachbarn umher, auf die sie ihre eigne lustige Stimmung ver­breiteten. Daß solche Verwechselung männlicher und weiblicher Anzüge nicht ohne üppigen Muthwillen ab­gelaufen sein wird, läßt sich leicht denken. Denn die jugendliche Neigung zu solchem Spiel scheint überhaupt nur aus einer augenblicklich lebhafteren Empfindung deS Geschlechtöunterschiedes hervor zu gehen, wenn gleich man an manchen Orten von einem recht tobend-lustigen Menschen zu sagen pflegt, er wisse nicht mehr, ob er ein Bübchen oder ein Mädchen sei.

Wie jene, ursprünglich ländliche Sitte sich nach den Städten verbreitete, nahm die gemüthliche Fröhlichkeit Glückwünsche zu wechseln und einen Festtruuk mit einer Festgabe zu erwiedrn, nach nnd nach, einen ernstlicher gemeinten Aufwand an. Man schenkte, um beschenkt zu werden. Auch dieser gesteigerte Austausch geschah, wie jener einfache, früh Morgens mit Jubel und Gesang.