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edelsten Sinne sich hingeben, weil die kriegerischen Lor­beeren, die unsere Väter sich erwarben, fast überall zugleich zu einer Bürgerkrone für menschlich-edleS Wohl- verhalten sich verschlungen haben.

Besonders reich ist die Geschichte der französischen Revolutions-Kriege an solchen Beispielen edlen Wohl- vcrbaltenS unserer hessischen Krieger und deS ihnen hierfür zu Theil gewordenen Dankes der Landbewohner.

So u. a.^ward daS hessische Leibregiment als cS während der^Schlacht bei Tourcoin (17. Mai 1794) zur Besetzung deS Städtchens Lannoy detaschirt worden, von den Einwohnern, nachdem diese kaum die hessischen Uniformen erkannt hatten, frohlockend begrüßt, aber auch händeringend um Schutz gegen die Unthaten eines Schwarmes englischer Marodeurs und Troßgesindelö angefleht, denen eine Abtheilung britischer KönigSgarde bisher ruhig zu gesehen hatte. Der Kommandeur, Oberst v. Eschwege, ließ auch sogleich nachdrücklich gegen jene Plünderer einschreiten und solche aus der Stadt ver­jagen, waS die Einwohner dadurch lohnten, daß sie nicht nur, so viel in ihren Kräften stand, die Mannschaft anf's beste bewirtheten, sondern auch, als am anderen Tage das Städtchen nach Heldenmüthigem Wider­stände jenes Regiments von den Franzosen erstürmt wurde, vielen Soldaten, selbst mit größter Lebensgefahr, Beihülse zumIEntkommen auf Scitenpfaden leisteten oder ihnen sichere Verstecke nachwnscn.

So auch war es den Grenadieren eine freudige Ueberraschung, als solche während einer erstarrenden Kälte in ihrem, zum wahren Httngerlager gewordenen Bivouac an der Waal, am Sylvester-Abend des Jahres 1794, plötzlich sich von einer Deputation des Magi­strats des rückwärts belegenen, von ihnen noch nie be­tretenen Städtchens Kuckenburg, im Geleite von 5 großen Wagen mit Lebensmitteln, heimgesucht fanden. Diese Gabe aber war jder Dank dafür, daß eine am 18. Dezember nach Kuckenburg verlegte Abtheilung hessischer Leibdragoner (des jetzigen ersten Hnsarenregimcnts) den Ausschweifungen der durchziehenden englischen Trup­pen ein Ziel gesteckt hatte.

Hierdurch, sowie durch daS musterhafte Verhalten jener Dragoner-Abtheilung überhaupt, fühlten sich die Bewohner Kuckenburgs so sehr zum Tanke gegen die hessischen Truppen verpflichtet, daß sie, als sie von

der Noth jener Vorposten Kunde erhielten, alsbald sich entschlossen, ungeachtet der hiermit verknüpften Fährlich- keiten und des eigenen Nothstandes, ihnen jene Bei­hülfe zuzusenden. Jene Grenadiere aber fanden gar bald Gelegenheit, auch ihrer ScitS wieder hierfür den Bewohnern Hollands dadurch ihren Dank zu bezeugen, daß, als die Norksche Armee in der Nacht zum 10. Ja­nuar 1795 die Stellung am Leck verließ und die Eng­länder vor ihrem Abmarsche in dem Städtchen Burren zwei Mal Feuer anlegten, die, die äußerste Nachhut bil­denden Grenadier-Bataillons von Lelong und Wnrmb, den Einwohnern die thätigste Hülfe beim Löschen lei­steten, und erst dann ihren Rückzug fortsetzten, nachdem man deS Feuers vollständig Meister geworden war.

Nicht minder darf auch die Einfalt deS orthodoxen katholischen Seelsorgers zu Hobocke bei Antwerpen und seiner gläubigen Gemeinde als ein Ehrenzcugniß des WohlverhaltenS unserer Krieger Erwähnung finden. Als nämlich das Regiment von Kospoth (daS heutige zweite Bataillon deS zweiten Infanterieregiments) im Jnli 1794 nach kurzem Aufenthalte von dort abmar- schirte, ward der Mannschaft nicht nur eine reichliche Spende von Lebensmittel aller Art mitgegeben, sondern jener geistliche Hirte fügte auch noch die tröstende Ver­sicherung Hinzn, daß er in der Gemeinde ein dreitägiges Gebet und Fasten angeordnet habe, um Gott zu bitten, so vortrefflichen Ketzern, als die Hessen-Kasseler feien, ausnahmsweise die ewige Verba mmuiß zu erlassen.

Diese kriegerische, sowie diese sittliche Tugend des althessischen Heeres hatte ihre stärkste Pfahlwurzel aber in der unnachsichtlichen Handhabung einer strengen Dis­ziplin, sowie denn auch der Ruhm des WohlverhaltenS und der auszeichneuden Wohlan stäudigkcit deS Benehmens, welchen die kurhessischen Truppen eben erst zu wiederholten Malen aus dem Badenerlande mit zurückgebracht haben, nicht minder als ein Ergebniß jener im hessischen Heere auch heute noch vorherrschen­den ernsten Dienststrenge zu bezeichnen ist. Ohne rö­mische Kriegszucht hätte es nimmer mehr Römcrthaten gegeben, und eben so würde daS vaterländische Kriegs­herr der Gegenwart und Zukunft ohne Erhaltung und Uebung strenger Kriegszucht nimmermehr den Ruhm der Väter zu bewahren, noch neu zu verherrlichen ver-