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dannen fürbaß, wie die Juden durch die Wüste, die Alte als Wolke voran, der Hausknecht als Kameel hinterdrein. Sie erkannten mich auf den ersten Blick; ich hingegen that nicht dergleichen, sondern fragte in höflicher Unschuld, ob sie vielleicht nach dem Dampf­schiffe wollten?

»Yes, Sir!«

She is just gone, Sir.

» Who is gone, Sir?!«

The steamer, Sir.

»For Heidelburg?!?«

For Heidelburg.

Eine Reihe von Salzsäulen, in absteigender Linie, stund vor mir. So Etwas beschreibt sich nicht, das muß man fühlen, sehen muß man eS. Sie sperrten alle die Mäuler auf, der Bär, die Bärin, alle Bärlein, der Pseudo-Seetiger, sogar der Nachtsack, den Bärchen Benjamin vor Schreck hatte in den Sand kollern lassen. Ich faßte, quite a gentleman, an meinen Hut , wünschte eine glückliche Reise nud ging davon. Wahrscheinlich hat mich als ihr Fatum die gestimmte Familie unisono verflucht; ich hörte sie noch lange hinter mir her wehklagen. Sie setzte sich darauf, von der Brücke ans fah ich's, wie die Vorfahren, an die Wasser von Babylon, hing ihre Sitzkissen an die Weiden und weinete. Wäre Bendemann da, oder Mendelsohn am Leben gewesen, sie würde unsterblich geworden sein.

In frischer Morgenstunde ging cs von Heilbronn aus, wiederum mit der Eisenbahn, nach Stuttgart. Der Abend und die Nacht der Romantik, der Vergan­genheit, den Gespenstern; der Tag der Gegenwart und der Wirklichkeit. Und wahrlich, diese Gegenwart hat auch ihre Romantik, diese Wirklichkeit ihre Poesie. Da flogen wir hinaus der mächtigen Bahn, die außer dem Vesdre-Thal in Belgien, an das sie lebhaft mahnt, ihres Gleichen kaum hat an Lieblichkeit und mannig­faltigem Reize, die eine herrliche Ouvertüre bildet zur Bergstraße und zur Rheinfahrt. Links der Neckar, an dessen silbernen Windungen man dicht hinauf- und cntlang-saust; rechts steil aufsteigende Felsen, denen der schmale Raum für die Schienen abgerungen ist. Wein­berge und Wiugerhüttcn hängen schier in die Fenster

herein. In unmuthigen Bogen schlingt der Weg um die alten Flecken Lauffen, Kirchheim, Besigheim seine eisernen Gürtel. Dann nickt ein Römerthurm, und dann eine ritterliche Ruine von fern herüber; jetzt bohrt sich das feuerspeiende Ungethüm in den Bauch des Berges, und wir verschwinden in gähnender Nacht, jetzt wieder überspringt es auf langgestreckter, rothge- deckter Prachtbrücke die vom Schwarzwald zum Neckar eilende Enz. Klassische Stellen, klassische Erinnerungen, wohin wir blicken und greifen, und überall südliche Fülle und Lebendigkeit. Heilbronn, wie quillt und sprudelt sie nicht aus dem bloßen Namen hervor ! Be­sigheim, gleich dem alten Limburg erhebt es sich amphitheatralisch vor uns, drei Weltalter in sich ver­einigend, das antike, das mittlere, das moderne! Dann Ludwigsburg, unser württembergifches Potsdam, die Stadt des grünen Schattens und der steinernen Stille! Wir nähern uns der Residenz, die Erinnerungen wer­den dynastischer: droben der Rothenberg, wo früher das Stammschloß der «herrschenden Familie stand, nicht weit davon Rosenstein, des Königs Landhaus, zwischen beißen die kronprinzliche Villa auf demhöl­lisch" genannten, aber als himmlisch bekannten Bühl: Vergangenheit,^ Gegenwart und Zukunst im engsten Raum, im schönsten Rahmen bei einander!

Wir aber mitten durch sie hin, hoch über sie weg, rasch an ihnen vorüber, mit zauberhafter Kraft und Schnelle, die Haare fliegend im Winde, das Herz pochend vor Lust. Drunten, ein paar hundert Fuß tief unter uns, im Staub und Qualm der Laud-Straße keucht und schwitzt und schleicht die überwundene Zopf­zeit, ein Turn- und TarifcherEilwagen" ! O heillose Ironie des Weltgeistes! Nein, preist sie mir nicht, diese verloren-gehende Poesie der Diligencen und Chausseen, mit ihren Pappel-Alleen, ihren langweiligen Krümmungen, ihrem eintönigen Aus und Nieder, ihrem durch Sommer und Winter unwandelbaren Grau in Grau. Sie hat ihre Zeit gehabt, aber ihre Zeit ist vorüber, sie mag auch vorüber sein. Hier auf die Ei­senbahn werfe sich, mit dem Dampf beschwinge sich, mit der entfesselten, dämonischen Kraft verbrüdere sich, wie daS ganze Leben, so auch seine lebendigste Offen­barung, die Dichtung. Gerade auS und gerade durch, gegen kein Hinderniß zu schwach, in keinem Stoffe be-