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nen, und dem gesummten Thierkreis, mit Erkern, Schnör­keln, Spitzen und Bogen verzierte Außenseite des alten Rathhauses, ist dessen Inneres. Dort wird wißbegie­rigen Wandersleuten das Archiv gezeigt, worin durch einen unglücklichen Brand um die Mitte des 16. Jhrh. die wichtigsten Urkunden, Handschriften und Aktenstücke verloren gingen. Diesen Verlust hat inzwischen das Schreiber-Regiment der neuen und neuesten Zeit so rasch wie vollständig wieder ausgeglichen, so daß unter sei­nen riesenhaften Denkmahlen die wenigen erhaltenen Alterthümlichkeiten, päpstliche Bullen, kaiserliche Urkun­den, ritterliche Schutz- und Fehde-Briefe, Autographen Gotzens von Berlichingen und Franzens von Sickingen, künstlich verschwinden. Jener, der Mann mit der ei­sernen Hand und dem eichenen Herzen, lebt in Stadt und Gegend noch in frischem Gedächtniß. Südwestlich von Heilbronn erhebt sich, malerisch-schön und geschicht­lich ernst, der Götzenthurm, wo er in der Pfingstnacht 1519 gefangen saß. Mehrere Jahre hindurch ward er nach dieser bösen Nacht in der Herberg' zur Krone, die aber nimmer eristirt,confiniret". Die eiserne Hand schreibt darüber in ihrer Autobiographie:Von des Hcrtzogen von Wirtemberg wegen bey virthalb Jahr zu Heilprunn gefangen gelegen; hab das meyne daselbst verzehrt und ihm geld dazu müssen geben." Außer dem letzten schwäbischen Ritter hat auch die erste schwäbische Hellseherin, das Käthchen von Heilbronn noch ihre Stätte in den Mauern der alten Reichsstadt. Wenige Schritte von dem Schlachthause, daS wie ein dorischer Säulengang aussieht, und vor dem großen Sieben­röhrbrunnen steht das HauS, das ihr Vater, der wackere Waffenschmied, bewohnt hat, noch zur Stunde eine Schmiede, deren heutiger Meister mit seiner derben Ge­stalt und seinem derben Humor dem Ahnen, wie ihn Kleist gemalt und Holbein überkleistert hat, sprechend ähnelt. Aber das Käthchen ist verschwunden, und ihr Hoher Herr" auch. Die heutigen Jungfern von Heil­bronn haben keine magnetischen Träume mehr unter dem Fliederbusch; sie gehen in die Harmonie, oder in die Actienbrauerei.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Wort am Grabe

Am 20. September 1848 starb im Stift Obernkir­chen bei Bückeburg Fräulein Philippine von Calenberg, Stistödame daselbst, über 80 Jahre alt. Ihr langes Leben hatte sie der Pflege des Schönen und Guten geweiht. In dem Schriftstellerinnen-Lerikon von Schin­del wird sie mit Philippine Engelhard, geb. Gatterer, als eine der ältesten Dichterinnen Knrhessens genannt. Sie bekundete ihr Talent durch Herausgabe einer Ge­dichtsammlungReseda" und durch Übersetzungen des Calderon, die im Druck erschienen sind, mehr noch in freundschaftlichen Kreisen durch geistreiche Impromptus. Zur Zeit des westpfählischen Königreichs war sie in Kassel die Erhalterin und Pflegerin deutscher Literatur. Durch innige Freundschaft mit einem bekannten, früh- verstorbenen Dichter, Ernst Otto von der Malsburg, verbunden, nahm sie Theil an seinen Produktionen; dasselbe galt von Jsidorus Orientalis, Grafen von Löben. Nachdem sie einige Zeit in Dresden gelebt hatte, zog sie sich nach dem Tode ihres Freundes Malsburg nach Obernkirchen zurück, wo sie bis zu ihrem Hinscheiden einen Kreis gebildeter und edler Menschen um sich versammelte.

E. v. H.

Mädchen-Knospe«

Wie blüht so still, von mütterlichem Laube Treuüberschirmt, dein holdeö Knospen-Leben! Kaum daß im Hauch die Blättlein sacht erbeben, Wann draußen Wind und Wirbel wühlt im Staube.

Behüt' dich Gott, daß nimmer du zum Raube Der Hände wirst, die frech nach Blumen streben; Und will sich Kampf und Wettersturm erheben, Getröste stets dich eine Friedens-Taube!

Der Lenz entflieht; es muß der Sommer nahen, In voller Gluth die Rose sich entfalten Und selig duftend Gruß und Kuß empfahen:

O mög' ein heil'ges Wehen ob dir wälteu, Daß alle Augen, die erblüht dich sahen, Zur Knospe wieder deinen Kelch gestalten!

Fr. Oetker.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Druck und Verlag von Th. Fischer in Cassel.