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ordentlich weise und wohlanständig es ist, daß man die Bildergallerie und das Museum, inclusive des ausgestopften Elephanten, nur für schweres Geld sehen läßt. Denn müßte nicht Jeder, inclusive jedes Holländers und des Herrn von Buttlar, für die Anschauung der Merkwürdig­keiten inclusive des ausgestopften Elephanten bezahlen, ]0 würde jener, nämlich Herr von Buttlar, nicht die schauder­hafte Erfahrung gemacht haben, und wer weiß, was dann nicht Alles untcrblieben^oder gar geschehen wäre— Was die Sache selbst anlangt, nämlich den Antrag des Herrn von Buttlar, so kann ich darüber nicht urtheilen, wenigstens heute noch nicht, denn am 18. Februar hätte Herr von Dehn -Notfelser beinahe gegen eine Regierungsmaßregel gesprochen und seitdem steht mir noch der Verstand stille. Auch bin ich ganz und gar nicht neugierig mehr, jeit= dem ich gelesen habe, was Guizot und Louis Philipp thun wollen. —

Februar 26. Heute wurde Bickell begraben. Es lie­ßen sich an dies Ereigniß allerlei Betrachtungen knüpfen, doch will ich hoffen, daß unsere ungemüthlichen Menschen sich wenigstens an den Ausspruch Kaiser Karl's V. erin­nern : „Ich führe keinen «Krieg mit den Todten." Freilich hat Bickell dieses Ausspruches nicht gedacht, so wenig wie sein frommer Genosse Scheffer; sie ließen im Eifer, ihren „alten beseligenden Christusglauben" zu schützen, die Ha­nauer Deutschkatholiken mit Hülfe der Polizei wieder aus­scharren und an der Mauer w. begraben! —

Februar 27.^ Mir -steht noch immer der Verstand stille. — Ein Freund jubelte mir schon gestern zu, Guizot sei verzagt, Louis Philipp habe abgedankt .... heute wie­der neue Nachrichten, die schwersten, unglaublichsten, uner­hörtesten .... Mein Gott ist denn die Welt toll gewor­den? O ich unglücklicher, gemüthlicher Mensch! Wo wird nun mein ruhiges Behagen, wo wird nun unseres guten Kassels behagliche Ruhe bleiben? Süßer Friede, holde Niederträchtigkeit, wollte sagen Einträchtigkeit, weilet, wei­let!!.... Schrecklich! schrecklich! wir standen so fest aus unserm „historischen Boden," wir entwickelten uns so nett „organisch," die Mehrheit der Ständeversantmlung war nach sechsmonatlichen Anstrengungen zu dem „Bewußtsein" ge­bracht worden, daß Wippermann kein „bäuerliches" und von Waitz kein „bürgerliches Standesbewußtsein" habe, „der alte Christusglaube" fand am Karlsplatze ein festes, ja man kann sagen, ein wahrhaft massives Bollwerk, der

zweite Landtazs-Commissar hatte sich eben mit vieler Mühe eingeübt, und nun soll Alles, Alles so auf ein Mal dahin sein?! O Sodom und Gomorrha! O Belial und Babel!

Februar 28. Es wirkt schon, man rührt sich schon! „Der Antichrist" Henkel redet schon lauter, alle die unhi- storischen Seelen, als Wippermann, Schwarzenberg, Oetker und wie sie sonst heißen mögen, hegen triumphirende Hoff­nungen; man kommt zusammen, hält Rath, ermuntert die Patrioten; auf dem Lesemuseum wagt schon Einer oder der Andere vor der Zeit des „Conciliabuli“ ein lautes freies Wort zu reden; der Polizei - Direktor benimmt sich noch leutseliger als bisher, fährt aber glücklicher Weise doch fort, ganz herablassend den Mitgliedern des Lesemuseums die Zeitungen vor der Nase wegzunehmen: kurzum es gewinnt den Anschein, als wolle es nächstens anders werden. O armes, armes Kassel! Bisher konnte man mit gutem Gewissen alle Lehrbücher der mathematischen Geographie für falsch erklären und kühn behaupten, du lägest unter dem Wendekreise des Krebses; man konnte sagen, das Hen- schelsche „Schrittsystem" sei nichts Neues, denn es sei im Kurhessischen „Rückschritt-System" ja längst zur An­wendunggekommen: und nun soll Alles dahin sein, es soll Alles plötzlich vorwärts gehen?! ....

März 6. Wie werde ich das aushallen? Die Bürger machen übermüthige Petitionen, Henkel hält lästerliche Reden, Oetker läßt freche „Ansprachen" unter die Leute fliegen, die Straßenjungen schreien nach „Preßfreiheit," der Polizei- Director läuft sich die Seele aus dem Leibe, der Kurfürst flüchtet nach Wilhelmshöhe .... O Frömmigkeit und Gemüthlichkeit, wo will das hinaus!

März 8. Nein, ich ertrag's nicht länger! Gestern hat Henkel, dieser Antichrist, in demselben Ministerial- Zimmer, an demselben Tische, wo Scheffer den „alten beseligenden Christusglauben" schützte, eine Proklamation abgefaßr, welche allgemeine Religionsfreiheit zusagt und die beschränkenden Maßregeln gegen die Deutschkatholiken aufhebt. Dazu Preß- und Petitions-, Versammlungs- und Spektakel-Freiheit! Und nun gar erst das furchtbare Umsichgreifen der Frei- sinnigkeit! Jedermann ist urplötzlich liberal geworden! Herr Herbold erhält wieder Händedrücke, Herr Lücken Compli- mente! Die Windfahnen drehen sich, ob's auch noch so rostig knarrt und schrillt; die Herren .... Doch wozu die Elenden nennen? Rasch die Binde um mein Ange-