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>er merkwürdige Raum nur als Brunnen gedient oder tum Gefängniß, oder wozu sonst, mag ich nicht entscheiden. Die sorgfältigen Säulenverzierungen sprechen für — eine mehr als gewöhnliche Zweckbestimmung. Später haben die Ju- denweiber die nach dem mosaischen Gesetze vorgeschobenen Waschungen darin vorgenommen, bis dies aus gesundheits« polizeilicher Rücksicht untersagt wurde. —
Folgt man dem „ Schwalheimer Gestänge ", so kommt man dicht hinter dem riesigen Kunstrade nach dem Dörfchen Schwalheim und eine Viertelstunde weiter nach dem „Schwalheimer Brunnen", zwischen fruchtbaren Feldern und einer kühlen Erlen-Niederung gelegen. Der Brunnen war früher Eigenthum der Gemeinde Schwalheim; da dieser aber die Kosten des östern Reinigens lästig wurden, so trat sie denselben durch Vertrag vom 7. October 1779 an den damaligen Erbprinzen Wilhelm zu Hanau ab. Die Gemeinden des Amtes Dorheim und die Stadt Friedberg haben indessen das Recht, zum eigenen Bedarfe das Wasser am Brunnen nnentgeldlich zu schöpfen, wovon sie dann auch, da dasselbe einen äußerst angenehmen, säuerlichen Geschmack hat und ungemein erfrischend ist, reichen Gebrauch machen. An heißen Sommertagen werden oft gegen 5000 Krüge geholt. Der verkäufliche Absatz beträgt etwa 150,000 Krüge jährlich. Die Hauptquelle übertrifft „alle bis jetzt bekannten deutschen Säuerlinge", selbst den von Niederselters, an Kohlensäuregehalt bedeutend, und würde bei ihrer großen Ergiebigkeit außerordentlich einträglich und segensreich gemacht werden können, wenn die Nauheimer Badeanstalt gehoben und zwischen beiden Heilquellen eine angemessene Verbindung und Einigung hergestellt würde. Einstweilen läßt man das Wasser in Krügen hierher holen; rüstige Kurgäste gehen auch wohl allniorgentlich zum Trunk an die Duelle, und wer nichts weiter thut, geht wenigstens einige Male nach Friedberg und trinkt es mit Zucker und „Aeppelwein" , oder läßt sich am Brunnen den aller- vortrefflichsten Kaffee daraus bereiten. Die heilkräftigen Wirkungen des Schwalheimer Mineralwassers werden schon von Jacobus Theodorus Tabernaemontanus in seinem „Neuen Wasserschatz“ von 1589 rühmend erwähnt; doch nehme ich füglich Anstand , sie in ungeschminkter Ausführlichkeit zu erwähnen, und bemerke nur, daß Hr. Jacobus Theodorus Tabernaemontanus (zu deutsch Kneipenberg! ?) sein langes Register damit schließt: „treibt auch gewaltig den Harn-, Lenden - und Nierenstein und behütet den Menschen vor allen obgenannten Gebrechen und Krankheiten", was allein schon hinreicht , dem Brunnen die lebendigste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Auch stärkt und belebt das Wasser nach B o d e die Verdauung. „Es ist bemerkenswerth" , setzt er hinzu, „daß in den Ortschaften, wo fein täglicher Gebrauch eingeführt ist, seit Menschengedenken keine Ruhr- Epedemie vorkommt; ja ich habe seit meinem achtjährigen praktischen Wirken in diesen Orten nicht einmal einen sporadischen Fall von Ruhr beobachtet. In hitzigen Fiebern, so wie in den spätern Stadien entzündlicher Krankheiten ist cs ein wohlthätiger und erquickender Labetrank, der nicht nur dm quälenden Durst der Kranken stillt) sondern auch die Ge
nesung wesentlich fördert." — Bei den Aufräumungen des Brunnenschachtes, welche in den Jahren 1811, 1827 und 1831 vorgenommen wurden, hat man zahlreiche römische Münzen mit den Brustbildern der Kaiser Vespastan, Titus, Domitian, Trajan, Hadrian und Andern gefunden — ein Beweis, daß diese Mineralquellen schon den Römern bekannt waren und von ihnen benutzt wurden.
Den Rückweg vom Brunnen nimmt man häufig über die Röbger Wiesen und Höhen. Ein unmuthiger reizender Gang! Ueber die Wiesen führt ein schmaler schlängelnder Pfad; zur Seite zieht die Wetter, still und tief, von breiten Wasserpflanzen mystisch überdeckt, und von Erlen und schlanken Schilfstengeln bewacht, die ein sanfter Abendhauch flüsternd bewegt. An den Erlen ranken sich Winden empor, die Wiesen sind von Klee und Blumen übersäet, und wenn beim Sinken der Sonne alle Stimmen schweigen und in den fröhlichen Augen ein gerührtes Sinnen lauschend sich ausspricht, schallt leise das ferne Klappern der Mühle wie ein leitender, lockender Ruf heran. Bald rauscht das Brausen der Räder dazwischen. Ueber die Wetter streckt sich ein langer schmaler Steg aus zusammengelegten Balken; der eine schwankt, der andere liegt in unerschütterlicher Ruhe. Ein junger Mann kennt das Geheimniß; er springt voran, und nun giebt es Viel zu ängstigen, zu kichern und zu schäkern, zu fordern und zu versprechen, ehe die ganze Gesellschaft wohlbehalten hinüberkommt. Vielleicht ist man auch eingeladen zu einer schmackhaften „saueren Milch"; vielleicht war man von Anfang an hier und hat sich nur einem tanzenden jachternden Zuge über die Wiesen angeschlossen, den das junge Völkchen nach dem Kaffee unternahm. An den Gräben stehen Vergißmeinnicht — gefährlich freilich, aber wie könnte es an bereitwilligen Händen fehlen, sie zu haschen? Man bittet und gewährt, man schwingt und hebt sich über die Tiefen hinüber, pflückt Blumen, windet Sträuße und Kränze, neckt sich, sucht sich, meidet sich, die Mädchen flüstern sich tausenderlei Heimlichkeiten zu, eine reizende Frau flicht Winden und Laub in's dunkle Haar — und so kommt man zu dem Grasplatze zurück, Kränze und Worte, Blumen und Blicke beziehungs- reich wechselnd und tauschend. Glückliches Treiben und Tändeln der Jugend! — Unter den buschigen Eichenstäm- men hat sich unterdeß eine einladende Tafel bereitet. Schneeweißes Leinen deckt die Tische, blanke Zinnteller stehen darauf, zwei liebliche Mädchen schmücken Gläser und Flaschen mit Eichenlaub und heiter und hungrig setzt sich die Gesellschaft „zum lecferbereiteten Mahle." Himmel, wie das mundet und schmeckt! und nun gar die „weitgereiste Fahrenbacher Wurst!".... Die wirthlichen Tafelschmücker- innen sollen leben! Und alle Nahen und Fernen und „schön Hannchen" daneben! —
Ein flatternd Tüchlein kam zu meinen Händen, So weiß wie Schnee und Blüthenlaub der Schlehen, Wenn Frühlingslüfte auf die Knospen wehen Und Veilchen still die ersten Düfte spenden.
Fast wollt' es Herz und Auge mir verblenden ... „• Ein E. und K? wie soll ich das verstehen?