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Seite anbringt, und diese bann immer dahin wendet, wo die Gaste sich gerade befinden.

Nauheim ist bei aller Neuheit und Frische keine jugend­liche Erscheinung mehr. Der Name — in älteren Urkun­den „Nuwehem" und „Nuheim" lautend — deutet zwar auf eine jüngere Ansiedelung hin; indessen ist die Grün­dung des Orts unv die erste Benutzung der Salzquellen doch so weit zurückliegend, daß darüber alle sicheren Nach­richten fehlen. Die auf dem nahen Johannisberge gelegene Kirche, von der noch der alterthümliche Thurm vorhanden ist, soll der Sage nach von Bonifaeius erbaut sein; allein auch diese Ueberlieferung hat keine andere Bedeutung, als daß sie Zeugniß gibt von der großen Wirksamkeit des „Apostels der Deutschen", dem weit und breit die Ein­führung des Christenthums unt die erste Gründung von Kirchen zu verdanken ist oder doch in frommer oder dank­barer Bereitwilligkeit zugeschrieben wird. Neben Nauheim soll auch die Burg Friedberg und Ober- und Niedermorlen in das Kirchlein auf bim Johannisberge eingepfarrt ge­wesen sein. Als nun zur Zeit der Reformation, so lautet die Sage, die Einwohner von Nauheim der neuen Lehre sich zuwandten, während die beiden Mörlen dem alten Glaube» treu blieben, geschah es am ersten Ostertage, daß sich plötzlich, als die Nauheimer eben in einem Bethause im Orte zum Gottesdienst versammelt waren, die Kunde verbreitete, die Gemeinden Ober- und Niedermörlen rückten gegen den Berg, um die Schätze und Heiligthümer der Kirche für sich in Sicherheit zu bringen. Das war nicht zu dulden. Der Pfarrer — nicht bloß ein frommer, son­dern auch sein streitbarer Mann — hatte eben über den Tert gepredigt: „Ein treuer Hirt läßt sein Leben für die Schafe"; und da er wirklich ein treuer Hirt war und lieber das Schwertwals das Räucherfaß schwang, so endigte er, schnell entschlossen, seinen Vortrag mit einem derben Segen, rief die Mannen Nauheims zu den Waffen und stürmte an ihrer Spitze auf den Berg. Es war die höchste Zeit. Schon wollten die Mörlener sich der Heiligthümer bemächtigen; ein erbitterter Kampf entbrannte, auf beiden Seiten geschahen Wunder der Tapferkeit, die Todten häuf­ten sich zu Bergen, Verwundete fochten noch im Sterben, Weiber ermahnten ihre Männer .... Aber, lieber Him­mel! die Anstürmenden hatten sich auf dem schlechten Wege außer Athem gerannt und würden jämmerlich geschlagen worden sein, wenn nicht der Pfarrer von Taubenheim,

von Nauheim wollte ich sagen, sie immer von Neuem er- muthigt und selber wie ein Löwe gefochten hätte. Dennoch blieb der Sieg lange zweifelhaft. Da kam den Nauhei­mern Succurs; der „lange Christoph" stürmte mit einem Reservehaufen, den er in der Schnelligkeit gebildet hatte, heran. Statt der Waffe hatte er in der Eile eine Stange ergriffen, die oben mit einer Vogelscheuche, einem ausge- spreitzten Weiberhemde, versehen war. Diese schwang er, und da sich die Flaiterschcuche nicht sogleich ablösen wollte, benutzte er sie als Fahne und Feldzeichen und fiel so den, Feinde in die Flanke. In hoc vincas! (in diesem Zeichen wirst du siegen!) mochte freudig bewegt der Pfarrer, an Constantin den Großen denkend, ausrufen, und nun wa­ren die Mörlener verloren. Mit blutigen Köpfen mußten sie abziehen, und die Nauheimer feierten den errungenen Sieg mit lautem Lobgesange auf dem Berge. „Sie nah­men das werthvolle Kirchengut mit sich, und die silberne Glocke, welche von der Spitze des noch vorhandenen Thur­mes hell und klar iu’ö Usathal geläutet hatte, soll in der Johannièkirche zu Hanau noch heute die andächtige Ge­meinde zum Gotteshause rufen. So erzählen die Alten in Nauheim den aufhorchenden Enkeln." Und so hat Dr. Bode resp. so habe ich es ihnen nacherzählt. Die Kirche auf dem Berge aber ist längst zerfallen, selbst ihre Trüm­mer sind entschwunden; nur der Thurm mit weißer, schim­mernder Zinne ist noch vorhanden und dient den Kurfrem­den gar oft als Ziel eines durch die herrlichste Aussicht sich lohnenden Spazierganges auf die wald- und weingrüne Höhe. Zum Andenken an die glorreiche That der Väter zieht noch jetzt alljährlich am ersten Ostertage nach der Nachmittagskirche Alt und Jung aus Nauheim auf den Berg. Selbst die „neckische Laune des Aprilwetters" ver­mag den Eifer nicht zu dämpfen, und die sonst so belebten Straßen Nauheims erscheinen wie auögestoiben. Auf dem Berge schaart sich die Gemeinde um den Kirchthurm und stimmt einen frommen Lobgesang an, während die Jugend schon an das Spiel und den Wohlgeschmack der bunten Eier denkt, womit sich nachher jubelnd vergnügt wird. — Es ist hier zweierlei hervorzuheben: ein Mal, daß der Weg auf den Berg noch immer so holperig und beschwerlich ist, als zur Zeit der Reformation, wahrscheinlich damit die Nauheimer Jungen an die Tüchtigkeit und Ausdauer der urväterlichen Lungen um so lebhafter erinnert werden sollen, und sodann, daß das schwere Geschütz, welches die Nauheimer Saline besitzt,