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Stadt zurück zog. Ich trat der einzige Student, der ihn begleitete. Dort steht noch, von seinen Freunden besorgt, ein einfacher Stein von Marmor, mit der Namens-Inschrift: August Gottlieb Meißner.

Nattheim.

Ein Wiedersehen nach vier Jahren. (Fortsetzung.)

Es versteht sich von selbst, daß ich alle früheren Be­kanntschaften und Freundschaften erneuert habe. Mit und ohne Frack, mit und sonder Glace - Handschuhen bin ich umhergestiegen und überall ich darf es wohl in gebüh­render Unbescheidenheit sagen mit ungebührender Auf­merksamkeit empfangen worden. Als ich an das große Wasserrad kam den Maschinen w. habe ich von jeher eine besondere Freundschaft zugewendet stand dies ge­rührt still, wenigstens dauerte es geraume Zeit, ehe es sich, resp, das Wasser in den durchlöcherten Schaufeln so­weit gesammelt hatte, daß mir das angeregte Pumpenge­stänge meine Begrüßung knarrend erwidern konnte. Der Krummzapfen machte seinen gehorsamen Diener; dann stand das Rad abermals still und sah mich schweigend an, gleich­sam als wolle es sich nach Art alter Leute sinnend und forschend überzeugen, ob ich auch wirklich der alte Bekannte sei, der ihm so oft bei seiner sauern Arbeit theilnehmend zugeschaut hatte. Das arme, geplagte Geschöpf! mußte in seinen alten Tagen noch Wasser in denSool - Graben" pumpen, daS so gern von selber hineingeflossen wäre! Dann sah ich mich nach demSprudel" und nach dem Gasbade" um. Dicht neben dem Kunstrade, in einer kleinen Vertiefung, drang früher die prächtige Schaum- pyramide aus der Tiefe hervor, kochend, brodelnd, schäumend, oft zürnend und tobend, und immer die Tiefe mit einer angenehmen Wärme erfüllend. Dort bereitete man die leichtfertigen, sündhaften Gasbäder. Mil einem gemeinen Zuber fing man die prachtvollen Schaumstrahlen, den lebens- frlschen Geister-Brodem, die jungfräuliche Fluth auf und zwang den reinen Erdhauch zu den schmutzigsten und widrig­sten Subjecten in den verschlossenen Gaskasten hinein. Nichts sah aus diesem Gaökasten heraus als der Kopf des Sub­jects. Unterm Kinn wurde er dicht zugeknöpft; der Kopf aber war allen Unbilden der Witterung, der Menschen und Thiere, schutzlos preisgegeben, was oft zu den ergötzlichsten Schaugebilben Veranlassung gab. Man denke nur an die schielende Schöne, welche sich die Fliegen von der Nase blasen wollte! Ich machte vor vier Jahren den selbststän­digen Vorschlag, noch einen zweiten, gegenüberstehenden Kasten herzurichten, damit wenigstens zwei Gesichter während der Einsperrung ihrer Zubehörungen sich ansehen und an- lächeln, nach Befinden auch sich ansp rechen könnten; allein mein Antrag scheint keinen Beifall gefunden zu ha­ben. Wahrscheinlich hat kursürstl. Finanz-Ministerium die Kosten gescheut. Um ein deßhalbiges Bedenken für die Zukunft zu beseitigen, mache ich unter Wiederholung meines Vorschlages darauf aufmerksam, daß man die Gaskasten nach

Art der HarzerBeitzkatzen" zugleich zu sehr zweckmäßigen Straf- und Besserungs-Anstalten benutzen kann. Am Harz herrscht nämlich die Sitte, Weiber, die sich gezankt oder geprügelt haben, dergestalt in zwei sich gegenüberstehende Kasten einzusperren, daß die respectiven Gesichter sich fort­während ansehen müssen, die resp. Hände aber die resp. Gesichter nicht erreichen können. Anfangs ist das Gehaben der Eingesperrten keines Weges ein freundliches; die Augen glühen und sprühen, die erbosten Lippen strömen über, die Hände krallen sich wüthend einander entgegen. . Nach und nach aber tritt eine wohlthuende Ermattung ein, die Mus­keln werden ruhiger, die Lippen schweigen, die Hände feiern, bis endlich ein versöhnliches Lächeln der Einen das zustimmende Lachen der Andern hervorruft und Langeweile und Schwätzbegierde eine gemüthliche Unterhaltung zu Wege bringt. Probatum est! In ähnlicher Weise könnten hiev die Gaskasten nebendienstlich verwendet werden. Sollte auch Nauheim, was ich gern glauben will, so viel Zank­süchtige nicht haben, daß alle Zwischenstunden und nament­lich die Wintermonde mit Corrections-Bemühungen ausge­füllt werden könnten, so ließe sich ja vielleicht mit der darmstädtischen Regierung ein vortheilhafter Lieferungs Ver­trag etwa als Anhang zu dem bekannten Kohlen!iefe- rungs-Contracte abschließen. Darmstadt kann schon aus­helfen! Um auf den Sprudel zurückzukommen, so er­trug dieser lange Jahre die ihm zugefügten Unbilden mit ziemlicher Geduld. Zwar gab er seinen Unwillen oft sehr deutlich zu erkennen; indessen war sein Zürnen doch nicht so laut und anhaltend, daß es auf die harthörigen Beam­ten sonderlichen Eindruck gemacht hätte. Dr. Bode sagt in seiner trefflichen Schrift über die Nauheimer Soolguellen re. S. 14, 15 darüber Folgendes:Ein besonders interessan­tes Schauspiel gewährt der Soolsprudel, wenn derselbe durch Aufsitzen einer engeren Röhre eine Zeit lang in seiner freien Entwickelung gehemmt war, und wenn dies Hinder­niß dann plötzlich entfernt wird. Anfangs sprudelt derselbe ruhig bis zur gewöhnlichen Höhe; dann folgen stärkere und stärkere Stöße tief aus dem Innern der Erde, welche in dem Boden rings um den Quellenschacht dröhnend wider­hallen und nicht nur durch das Gehör vernommen werden, sondern auch dem Gefühle der Umstehenden durch Erschüt­terung des ganzen Körpers sich mittheilen. Ein jeder solcher Stoß treibt den sprudelnden und spritzenden Schaum höher und höher; das sonst so klare und durchsichtige Wasser wird trüb, und Steinchen bis zur Größe einer Wallnuß schleudert die zürnende Najade auf den Rand des Schachtes. Wunderbar schön ist jetzt der Sprudel; er gleicht einer mächtigen weißen Schaumpyramide. Allmählich verhallen dann die unterirdischen Stöße; die Pyramide wird kleiner und kleiner; bald sprudelt die Quelle nach altgewohnter Weise und nichts verräth den vorausgegangenen Sturm, als die Trübung des Wassers, welche auch bald verschwin­det." Endlich scheint es derzürnenden Najade" aber doch allzu arg geworden zu sein. Die Quelle senkte sich; man versuchte zwar, sie mit dem Bohrgestänge wieder zu ermuntern und aufzuregen; allein der Bohrer blieb stecken und die schadhaft gewordene eiserne Röhre füllte sich durch