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der Nationalversammlung an der Wahl eines unverantwort­lichen Reichsverwesers theilgenommen; sie haben also durch die That gezeigt, daß man nach ihrer Ueberzeugung einen unverantwortlichen Reichsverweser wählen und doch ein ächter Volksmann sein könne; sic haben mit andern Wor­ten die Schreier, die Euch zu verführen suchen, Lügen ge­straft. So geht es. In der souveränen Nationalversamm­lung zeigt sich eine Mehrzahl und eine Minderzahl. Die Minderzahl sagt: wir sind der gesunde Kern, die von der Mehrzahl fallen ab, wie faule Blätter. Aber der souve­räne Kern theilt sich dann wieder in Mehrheit und Min­derheit, und abermals sagt die Minderheit: wir sind's, wir 25. Aber dabei bleibt's noch nicht. Mitten in dem Kern sitzt wieder der Hofrath Kapp aus Heidelberg, und proclamirt: es sei gegen „Ehre und Gewissen, in der Na­tionalversammlung zu bleiben." Also Hr. Kapp ist der souveräne Kern, die übrigen 586 sind abgefallene Blätter; die berühmte Volkssouverânetät ist eingeschrumpft auf die kranke Laune des Hrn. Kapp, es ist nur ein Souverän in Deutschland, ein unumschränkter Professor. Nein, ihr guten Leute, laßt Euch nicht durch Lügen verleiten, Dummheiten zu machen, die Euch theuer zu stehen kämen. Nehmet Euer bißchen Verstand zusammen und denkt nach über Das, was ich Euch gejagt habe; dann kann es leicht geschehen, daß Ihr bald klüger werdet als Die, welche Euch jetzt am Nar­renseil führen. Grüß Euch Gott! Ein Feind der Ra- dicalen."

In Fulda vor einem Jahre. Sonette von Fr. Oetker.

A III. St. Donisacius - Brunnen.

An diesem Bronnen mögt' ich Hütten bauen,

In dieser Bäume waldesfrischem Grunde, Wo lichten Blicks in heißer Tagesstunde Die Sonnen zitternd durch die Wipfel schauen.

Die Felder grünen und die Himmel blauen, Von Lust und Leid strömt wunderbare Kunde Aus liedersüßem Nachtigallen - Munde, Und von den Bergen läutet Gottvertrauen.

O heil'ge Stille! frommes Dämmerweben! In euch mögt' ich voll Liebes-Andacht leben, Am Himmels-Born die Seele mir erquicken!

Maria, sel'ge, laß mich aufwärts blicken, Ein Priester Deinem Altar mich ergeben, Im Lenzeshauch das Opfer Dir beschicken!

IX. Seitenblick nach Castel. *)

Und doch ist Cassel auch 'ne schöne Gegend, So schön fürwahr, daß ich nicht schönr'e sahe! Man drängt sich nie; denn steht man sich auch nahe, So steht man still, kaum leise sich bewegend.

Daß Nichts geschieht.... Mein Gott, man denk' erwägend,

Daß früherhin oft Wen'gcr noch geschahe, Und daß die Stadt des „Fast" und des „Beinahe" Ihr Ziel erreicht gerad' der Ruhe pflegend.

Nicht groß, nicht klein, nur ziemlich mittelmäßig Ist Cassel stets; nicht heiß, nicht kalt, nein laulich; Nicht trüb, nicht fröhlich aber oft gespäßig;

• Nicht fromm, nicht gottlos, aber sehr erbaulich, Nicht schwarz, nicht weiß, allein oft gräulich-graulich, Und wenn nicht recht-, doch polizeigemäßig!

X. Fortgesetzter Seitenblick.

Wie, polizeigemäß? — In allen Dingen War dieses Ziel bis jetzt nicht zu erreichen. Nicht Jeder lernte schon das Kriechen, Schleichen, Nicht alle Rücken waren krumm zu bringen

Doch soll es uns in Kürze noch gelingen .... Bald werden schon die zarten Kindlein gleichen Der Polizei, es deuten alle Zeichen, Daß wir das goldne Alter bald erringen.

Auf allen Plätzen seht ihr sie ja stehen, In allen Straßen spreizend sich ergehen, Die Männlein, so uns Sicherheit gewähren;

D'ran werden sich die Hoffenden versehen, Nur polizeigeformte Kindlein nähren, Nur polizeigemäß Hinfort gebären. —

*) Wohlgemerkt, im Jahre 1847!

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Cajsel.