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in dem Bries steht und gewiß wahr ist. Die meisten von uns sind Nichtmehrbesitzende oder Nochnichtbesitzende, und wollen kein Vorrecht des Reichthums oder Eigenthums. Darum haben wir die Revolution gemacht und sind Sou­verän geworden, und es muß Alles abgeschafft werden, was das Volk drückt, und Alles angeschafft, was das Volk fordert. Darum müssen auch unsere sogenannten Schulden abgeschafft werden, welche uns sehr drücken, und die Geld­säcke, die unter dem jesuitischen Vorwande, daß sie uns Geld geliehen hätten, Capital und Zinsen von uns fordern, müssen erfahren, daß dies nicht mehr erlaubt ist. Die Forderungen des Volkes müssen befriedigt werden, aber Forderungen an das Volk dürfen nicht mehr stattfiuden, weil sie reaktionär sind. Das muß in der Paulskirche be- schlossen werden. Wenn unser Robert den Antrag nicht stellen will, so kann ich ihn nicht mehr als social betrachten. Unsere Revolution ist nicht nur eine politische, sondern arich eine sociale, und deßhalb verlangen wir auch eine Amne­stie für alle socialen Vergehen, daß heißt für alle Eingriffe in das sogenannte Eigenthum, welches der einzige Diebstahl und Hochverrath ist. Wir haben das Eigenthum schon lange bekämpft und haben viel gelitten, aber jetzt wollen wir gar nichts mehr leiden. Merkt euch das!

Johann Krumm, Souverän.

In Fulda vor einem Jahre»

Sonette von Fr. Oetker.

V. Dem kosmopolitischen Machtwächter an der „Pestsäule."

An dieser Säule sind wir einst gestanden, Die unterdeß man schimmernd angestrichen — Das Ding war, wie so Vieles hier verblichen, Drum nahm man klug den Tünche-Topf zu Handen; —

Wir klagten damals über Druck und Banden

Und sprachen Viel von Jesuiten-Schlichen;

Sechs lange Jahre sind seitdem verwichen

Und was geschah derweil in diesen Landen? Nachtwächter still! was nützt das Stundenrufen? Was frommt's, daß Du Dein „Feuerjo!" gesungen, Daß ich geflucht auf dieses Denkmals Stufen?

Die „Pest" verblieb, die Mahnung ist verklungen, Ich glaube, Franz, hier fällt kein Blatt vom Zaune, Und fläng’ auch eine Jericho-Posaune!

VI. Macht in Ficht.

Rings dunkle Nacht! Und doch voll Seligkeiten Ist dieses Thales wunderreiche Stätte !

Die Mühen still, der Sorgen Heer zu Bette;

Nur Duft und Hauch fühl' ich vorübergleiten.

Viel tausend Blumen ihre Arme breiten....

Der Himmel tief, wie weite Meeresglätte....

Wer doch den Frieden dieser Stunden hätte, Die geistergleich durch Hain und Fluren schreiten ! —

Da fern am Himmel zuckend Wetterleuchten

Und nahe, nahe lichte Blitzes - Flammen ,

Die aus geliebten süßen Augen stammen:

O Himmel, wie zu diesen thränenfeuchten Sich meine Lippen sehnend niederbeugten, Wie schlug da Nacht und Lust ob mir zusammen!

VII. gMaria

O sprich mir nicht von Heil'gen und Propheten, Von Opferblut und all' den Kirchen-Dingen!

Du weißt ja doch, es wird mir nie gelingen, Daß ich das Bitten lerne und das Beten.

Zu einem Gott nur mag ich gläubig treten, Zum Gott der Liebe, den die Vöglein singen, Dem Wald und Flur ihr dampfend Opfer bringen, Dem Weihrauch steigt von tausend Blumenbeeten.

Und eine Heil'ge nennen die Breviere, Zu der ich gern den Blick voll Andacht wende. Maria, sel'ge, neige ^i re Hände,

Sieh' gnädig ai. ^ß ich Dein Bilvuiß ziere Und Dir in Lieb' und wandelloser Treue Mein glühend Herz zum Flammen-Dienste weihe!

Kunstbemerkungen.

Während ganz Berlin politisch und resp, unpolitisch geworden zu sein scheint, schaffen die Künstler dort in wan­delloser Stille die herrlichsten Werke. Der große Kaulbach arbeitet wieder an seinen Freskogemälden im neuen Museum. Zwei Gehülfen unterstützen ihn. Die erste Arbeit ist be­kanntlich die Theilung des Menschengeschlechts beim Thurm­bau zu Babel: ein riesiges Werk, doch an genialer Schöp­ferkraft „die Hunnenschlacht", wie mir schien, nicht er­reichend. Die obere Hälfte wurde im Nachsommer 1847 gemalt, und der früheste Morgen wie der späteste Tag sah den herrlichen Meister auf dem Gerüste. Den Winter brachte Kaulbach in München zu; jetzt ist er zur Vollen­dung seiner Schöpfung in die deutsche Barrikadenstadt zu­rückgekehrt nrd selbst die Stürmung ves nahen Zeughauses scheint ihn nicht gestört zu haben. — Professor Kiß arbei­tet an dem Modell der Figuren zu dem Piedestal, auf dem die Statue Friedrich Wilhelms' 111. in Königsberg stehen wird. — Friedrich Tieck hat das Modell von der kolossalen Statue des Copernikus für Thorn vollendet. Seine Sta­tue Schinkel's aus carrarischem Marmor ist ebenfalls der Vollendung nahe.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Cassel.