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aufrecht erhalten können. Solche Kräfte sind aber in einem Staate, der früher an Erstarrung litt, noch zur Zeit nicht im Uebcrfluß vorhanden, und bloße Gesinnungen reichen ebenso wenig aus, als gehaltloses Geschrei, das nur die Unverständigen aufregt und auch die guten Ab­sichten der Staatsregierung verdächtigt, die konstitutionelle Sache fördert. Das constitutionelle Princip ist wenigstens im beschränkten Sinne anerkannt, und wenn auch das neue Bundesgericht durch seine Zusammensetzung als Täuschung erscheint, so wird doch die fortschreitende Intelligenz und sittliche Kraft der Völker, ohne daß ein Alexander mit dem scharfen Schwerte den gordischen Knoten zu zerhauen braucht, die Herrschaft des Gesetzes und somit eine vernünf­tige Freiheit herbeiführen, denn allgewaltig ist der Geist und ohne ihn ohnmächtig alle materiellen Mittel auf der einen wie aus der andern Seite. — Obgleich ich nun für meine Person, nachdem ich 57 Jahre gelebt habe, nur noch geringe Ansprüche an das Leben mache und machen kann, so fühle ich doch, selbst in meiner Verbannung, noch das lebhafteste Interesse für Alles, was dazu beiträgt, den Zustand des Menschengeschlechts verbessern zu können, und daher auch für die öffentliche Wirksamkeit der Männer, welche ihre Kräfte dafür opfern. —

Von diesen» Standpunkte aus bitte ich dies Schreiben beurtheilen zu wollen, sonst dürfte es leicht als Anmaßung eines Thoren erscheinen, obgleich es reine Herzensergießung eines Mannes enthält, dem hohle Schmeicheleien fremd sind, der aber die innere Aufforderung nicht besiegen konnte, die Hochachtung, Liebe und hohe Verehrung anzudeuten, die für Sie empfindet Ew. Hochwohlgeboren

Rinteln, d. 7. Dzb. ganz ergebenster

1834. B.

Hochgeehrter Herr General!

Ihre, die edelste patriotische Gesinnung athmende und mir mit gleich viel Wohlwollen als Vertrauen entgegen­kommende Zuschrift, hat meinem Herzen einen hohen Ge­nuß gegeben. Was konnte lohnender für treue Pflichter­füllung im Dienste des Rechts, der Wahrheit und des Vaterlandes, was ermuthigender zu beharrlichem Kampf inmitten aller Verfolgungen und Anfeindungen sein, als der Beifall edler Männer, als die von solchen auch aus der Ferne unS mit Achtung und Liebe dargebotene Hand?

Und was könnte den durch die gehäuften Anzeichen deS bereinbrechendenden Unheils niedergebeugten, das Dunkel der von allen Seiten heraufziehenden schweren Wolken mit tie- fer Beklommenheit betrachtenden Geist wirksamer zu neuer Hoffnung erheben, als die uns werdende Ueberzeugung, daß denkende und kräftige Söhne des Vaterlandes an dessen Heil noch nicht verzweifeln, daß Männer von Geist, Wissen­schaft und Erfahrung ben Sieg der Wahrheit und des Rechts trotz augenblicklicher Nicdertrctung mit Zuversicht erwarten? Empfangen Sie, Hochverehrter, meinen innigsten Dank für Ihre gütigen — freilich mein geringes Verdienst unendlich überschätzenden Zeilen, für Ihren meinem land­ständischen und schriftstellerischen Wirken ertheilten lohnen­den Beifall und vor Allem für Ihre mir lichtvoll entfal­teten Ansichten und Aussichten über Gegenwart und Zu­kunft, für Ihre lebendige Zuversicht auf den endlichen Sieg des Geistes über die materiellen Kräfte, des Vernunfsrechts über das Cyklopenrecht. Um diesen jedoch zu verbürgen, müssen die Freunde der guten Sache einen enggeschlossnen Phalanx bilden, nimmer schlummern oder unthätig sein, sondern unverrückten Blickes, Jeder nach seiner Stellung und den ihm zugänglichen Mittel, dem hohen Ziel ent­gegen streben. Wechselseitige Verständigung über solches Ziel, Aufhellung der Begriffe und Erwärmung des Herzens, gegenseitig gegeben und empfangen, und emsige Verbrei­tung klarer Ansichten im Volk und auch — in so fern sie dafür empfänglich sind — in den höhern Regionen, endlich offene Kundmachung solches Zieles vor aller Welt, damit die boshaften Anklagen und Verdächtigungen ver­stummen müssen oder ihre Wirkung verlieren, und damit, wer uns anfeindet, sich zugleich als Feind des heiligen Rechts und der Humanität darstellen müsse: dies ist, glaube ich, was uns allernächst zu thun obliegt, und in diesem Sinne ist das „Staats-Lerikon" unternommen worden, und es wird einen Ton einzuhalten suchen, daß seine etwaige Unterdrückung der ganzen verständigen Welt als ein scham­loser Mißbrauch der Gewalt erscheinen müßte. Ihre, die­sem Werke bezeigte Theilnahme ist mir höchst erfreulich und kostbar. Nehmen Sie es in Schutz in dem Kreise Ihres Wirkens und befördern Sie freundlich sein Gedeihen.

Und nun empfangen Sie den wiederholten Ausdruck meines innigen Dankes für Ihre mich so hoch ehrende und so kräftig ermunternde Zuschrift. Empfangen Sie zugleich mein Gelübde, bis um letzten Hauche treu zu bleiben den-