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eben zur Ordnung im Staat gehört hatte. Allein nur zu bald arteten solche Demonstrationen eines langverhaltnen Unwillens in den Ausbruch des Parteihaffes, des Unver­standes u. der Gesetzlosigkeit aus. Sie trafen auch die edel­sten Männer des Vaterlandes, sobald ihr Wort und Wir­ken für das allgemeine Wohl nur irgend einen Partei- Egoismus, ein frischgefaßtes Vorurtheil, ein Privatbestreben oder die wechselnden Launen der Zügellosigkeit unangenehm berührten. Bald fühlten sich daher dieselben Rechtlichen, Gesetzliebenden, auf die neue Wohlfahrt Deutschlands Be­dachten — Jene, welche den Heilsamen Umsturz eigentlich möglich gemacht hatten, von Denjenigen abgestoßen, die unsere Revolution zu verwirken drohten, indem sie die­selbe zu verwirklichen meinten. So bildet sich mitten in der verkündigten allgemeinen Gleichheit und Brüderlich­keit eine Aristokratie guter, rechtlicher Gesinnung aus. Man begreift, wie ein solches Widerstreben nach den Gesetzen mo­ralischen Gleichgewichts nothwendig entsteht: mögte es sich aber nur nicht mit verdroßner Vornehmigkeit abschließen, nur nicht, wie andre Aristokratien, exclusiv werden! Mö­gen die Wohlgesinnten, auf allgemeines Wohl Bedachten zwar die öffentliche Ordnung stärken, die Regierungen, die solches Wohl schaffen sollen, unterstützen, aber auch die Un­ordnung und den Unverstand mit Geduld und Einsicht in Ordnung und Erkenntniß verwandeln helfen, damit sich kein Haß und kein Hochmuth zwischen den Volksklassen festsetze, und die Dissonanzen der Katzenmusiken sich in die Harmonie eines gemeinsamen Strebens auflösen! H. K.

Göthe über Volk, Revolution und deutsche Ginheit.

Während Schiller als „der Dichter der Freiheit", als „Freund des Volkes" gepriesen und geliebt wird, gilt Göthe bei den Meisten für einen volksfeindlichen Aristokraten, für einen Widersacher aller volksmäßigen Freiheits-Bestre­bungen. Im dritten Bande von Joh. Pet. Eckermanns „Gesprächen mit Göthe in den letzten Jahren seines Lebens", welcher unlängst erschienen ist, und neben manchem Gleich­gültigen und Gewöhnlichen auch viel Interessantes enthält, werden bemerkenswerthe Aeußerungen Göthe's über diesen Gegenstand mitgetheilt. Göthe erscheint darnach nicht als ein Feind der Freiheit und des Fortschritts, sondern als ein ruhiger, besonnener, praktischer Mann, der die Welt und die

Menschen kennt, der weiß, daß ein Volk nicht in wenigew Tagen künstlich und noch weniger durch äußere Gewalt frei gemacht werden kann, sondern daß es zur Freiheit heran wachsen und herangebildet werden muß und daß dazu Zeit erforderlich ist, wie zum Heranwachsen eines ge­sunden, starken Baumes. — Wir erlauben uns, einige Aeußerungen Göthe's hier mitzutheilen:

„Ich schrieb zur Zeit der französischen Revolution meine Aufgeregten, und man kann das Stück gewissermaßen als mein politisches Glaubensbekenntniß jener Zeit ansehen. Als Repräsentanten des Adels hatte ich die Gräfin hinge­stellt und mit den Worten, die ich ihr in den Mund ge­legt, ausgesprochen, wie der Adel eigentlich denken soll. Die Gräfin kommt so eben aus Paris zurück, sie ist dort Zeuge der revolutionären Vorgänge gewesen und hat dar­aus für sich selbst keine schlechten Lehren gezogen. Sie hat sich überzeugt, daß das Volk wohl zu drücken, aber nicht zu unterdrücken ist, und daß die revolutionären Aufstände der untern Classen eine Folge der Ungerechtigkeit der Gro­ßen sind. Jede Handlung, die mir unbillig scheint, sagt sie, will ich künftig streng vermeiden, auch werde ich über solche Handlungen Anderer, in der Gesellschaft und bei Hofe meine Meinung laut sagen. Zu keiner Ungerechtigkeit will ich mehr schweigen und wenn ich auch unter dem Namen einer Demokratin verschrieen werden sollte. — Ich dächte diese Gesinnung wäre durchaus respectabel. Sie war damals die meinige und ist es noch jetzt. Zum Lohne dafür aber belegte man mich mit Titeln, die ich nicht wiederholen mag. .... Man beliebt einmal, mich nicht sehen zu wollen, wie ich bin, und wendet den Blick von Allem hinweg, was mich in meinem wahren Lichte zeigen könnte. Dagegen hat Schiller, der, unter uns, weit mehr ein Aristokrat war, als ich, der aber weit mehr bedachte, was er sagte als ich, das merkwürdige Glück, als besonderer Freund des Volkes zu gelten. Ich gönne es ihm von Herzen und tröste mich damit, daß es Anderen nicht besser gegangen. Es ist wahr, ich konnte kein Freund der französischen Revolution sein, denn ihre Gräuel standen mir zu nahe und empörten mich täglich und stündlich, während ihre wohlthätige Folgen da­mals noch nicht zu ersehen waren. Auch konnte ich nicht gleichgültig dabei sein, daß man in Deutschland künst­licher Weise ähnliche Scenen herbeizuführen trachtete, die in Frankreich Folge einer großen Nothwendigkeit wa­ren. Eben so wenig aber war ich ein Freund herrischer