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genblicke verschwindet, wo sich Leute der Ordnung, wie Bürgergardisten etwa mit Taktstocken, Ladstocken und dergl. einfinden. Ja Takt an sich ist der Katzenmusik zuwider. Man folge nur ihren nächtlichen Gängen, und man wird sich überzeugen, daß sie durchaus ohne Takt verfährt. Sie ist vielmehr die Musik der Ungebundenheit, der wechselnden Stimmung, des Parteihasses und Unverstandes, und was man noch alles unter Freiheit versteht. Nein, die Katzen­musik vertragt keinen Takt und keine Schule; sie kennt nur geborne Virtuosen, und es ist in der That auch zum Erstaunen, welche thierische Begabung e t n Katzenmu- fikus vor dem andern voraus hat; so daß es schwer sein wird, Gleichheit und Brüderlichkeit in dieser Sphäre der Freiheit einzuführen.

Ich hatte mich die ganze Johannisnacht mit solchen katzenmusikalischen Betrachtungen schlaflos abgeguält und mit der großen Frage gerungen, ob unsere freie Zukunft und nationale Einheit mehr durch die Anarchie der katzen­musikalischen Töne oder durch eine neue Aristokratie der thierischen Talente gefährdet sei; als ein Freund hastig in mein Zimmer stürzte, und mir zum MorgeUgruß das entsetzliche Wort hinwarf, von dem jetzt die Kaffcinilch aller freiheitliebenden Menschen zu gerinnen pflegt. Die Reaction," schrie er, ja die Reaction hat sich der Katzenmusik bemächtigt; sie operirt hinter diesen Harmo­nien in der Nacht. Höre nur! Oder weißt du schon, daß einem unserer wackern Deputirten, die sich um das Jagd­gesetz so verdient gemacht haben, eine Katzenmusik gebracht worden ist? Nein, erwiderte ich. Und wie ist er zu solcher Auszeichnung gekommen?O cs ist jammervoll mit diesem Wankelsinn des Volkes, dessen sich diese heillose Reaction bemeistert! Höre nur! Der wackere Deputirte, der Ritter des Wildschadcngesetzès, hatte auf ein paar Tage die Seinigen besucht. Da fügte es sich, daß gerade in der Nacht vor seinem Besuche dem Schulmeister des Ortes das gezackte Gras der schönsten gelben Rüben aus seinem Gar­tenbeete rein war abgebissen worden. Nähere Spuren setz­ten außer Zweifel, daß es ein Hase gethan; denke Dir den Aufruhr! die Betrachtung, daß der wackre Sprecher doch noch einen Hasen übrig gelassen hatte, empörte alle Ge­müther. Er ist von den Jagdliebhabern gewonnen! hieß es. Zum Unglück erinnert man sich auch, daß unser Wi­dersacher alles edeln Waidwerks die Kaninchen ganz außer Acht gelassen, ohne auch nur einen Schuß kleinsten Schrotes

oder Dunstes seiner Beredsamkeit gegen sie abzufeuern. Nun war Alles vergessen, was er geleistet. Man hatte ihm zu dem erlegten Schwarz- und Roth wild das Gold des reinsten Dankes zugedacht: aber nun waren diese deut­schen Farben rein vergessen; der Unwille, die Undankbar­keit der Nachbarn ließ sich in einer wilden Katzenmusik aus, und die Reaction triumphirte. O wenn ich diesen Hasen hätte, der, gewiß auch mit der Reaction im Bunde, die Heimkehr seines Todfeindes gewittert hatte, ihm aus des Schulmeisters Garten ein Rübchen zu schälen! wenn ich ihn hätte, diesen elenden letzten Mohikaner!"

Mein entrüsteter Freund war außer sich und vergaß darüber, daß jener Missethäter gar nicht einmal der letzte Hase war, und daß es sogar noch Hasen in der Stände­versammlung selbst gibt Hasen, die sich bei ihren Ab­stimmungen vor möglichen Katzenmusiken fürchten und da­her die Ohren fleißig nach dem Publikum spitzen, oder um mich waidmännischer auszudrücken nach der Volks­gunst löffeln. Manche jener Hasen haben noch bei der frühern Stände-Versammlung ganz lustig im Leibgehege geäset, und sind erst seit dem März mit verändertem Wind in die Gemeindewaldung übergelaufen.

Aber wie gesagt, fuhr mein Freund fort, hinter diesen Katzenmusiken steckt nichts als Reaction.

Ich war vor dem wiederholten Worte jedes Mal gezie­mend erschrocken, wie man vor Etwas erschrickt, was in seiner Vieldeutigkeit irgend nach einer Seite hin doch auf eine Wahrheit treffen kann. Und der Freund schien eine solche Seite zu berühren, als er mit großem Ernste fort­fuhr:

Sieh', unter der Herrschaft des frühern Regierungssy­stems, unter der Metternichschaft unserer Gewalthaber, wa­ren insgeheim alle Rechtlichen und Wohlgesinnten auf Sei­ten des unterdrückten, lief verletzten Volkes; sie waren oder dachten doch demokratisch, und dieser Hinterhalt der öffent­lichen Meinung machte Diejenigen stark und unwiderstehlich, die sich im Monate März gegen jenes System erhoben und es besiegten. Damals, an jenen dämmerigen Abenden der Tag- und Nachtgleiche, ließen sich auch zuerst jene Katzen­musiken vernehmen, zu denen auch die Wohldenkenden lächel­ten, weil jene Töne die wahren oder vermeintlichen Trä­ger des gestürzten Systems auf eine wenigst-verletzliche Weise trafen. Man übersah, was an Unordnung darin war, zu einer Zeit, in der ein allgemeines Unrecht noch