, wwn
11 n t c r I) n 11 ii II g s b l ii kH^ zur Neuen Hessischen Zeitung. /. ^ -^s
t4£ 1. Montag, len 3. Juli. 1848.
Katzenmusik.
Die Katzenmusik ist keine neue Erfindung*), sondern bloß eine in neuester Zeit beliebter gewordene Gattung der Tonkunst. Doch hat sie in früherer Zeit niemals die tiefsinnigen Bezüge gehabt, die ihr seit Kurzem eine weltgeschichtliche Bedeutung, wenigstens für Deutschland, geben. Ihre jetzigen Offenbarungen stehen nämlich offenbar mit unsern großen Märzgebürten in Rapport: und wer wüßte
*) Wir leisten dem geehrten Herrn Vers. und Manchem unserer Leser vielleicht einen Dienst, wenn wir bei dieser Gelegenheit auf das verdienstliche Schristchen von Sieben (Gust. Ad. Vogel) „Der Katzenjammer heilbar! Eine frohe Botschaft, Bern, 1842" aufmerksam machen. In demselben wird S. 16 und 17 über die Erfindung der Katzenmusiken Folgendes beigebracht:
„Vor nicht gar langer Zeit verfiel ein erfinderischer Kopf in Constantinopel auf den Gedanken, ein neues Instrument anzufer- tigen. Nach langem Hin- und Hersinnen nahm er hierzu Katzen, von dem würdevollen dickköpfigen, baßknurrenden Kater an, bis zu dem diskantmiauenden Cyper-Schooskätzchen herunter. Diese Katzentonleiter sperrte er in einem mit Scheidewänden versehenen Kasten, dergestalt, daß jede Katze eine Zelle für sich bekam, der respeetive Schwanz einer jeden aber ans einer dazu angebrachten Oeffnung herausbaumelte. Riß er nun heftig, wie ein Dorfschulmeister an den Registern seiner Orgel, an einem solchen Schwänze, so ward die dazu gehörige Pertinenz-Katze ärgerlich und miaute. So zog er rührende Choräle aus dem Kasten; ja mitHilfe seiner Lehrlinge rupfte er, trotz Liszt, vierhändige Sonaten heraus und frevele sich darüber sehr."
„Als nun der Geburtstag des Sultans eintrat, begab er sich mit dem neuen Jnsirumente zu demselben und zerrte daraus eine Hymne ihm zu Ehren, des Inhaltes: Der Sultan hätte sich in Constantinopel sehr verdient gemacht, weil er so lange gelebt und er mögte fortfahren, sich verdient zu machen, und noch länger leben rc. re."
„Der Sultan lächelte huldreich und geruhte, dem Erfinder ein Doktordiplom ausznwirken und einen Ehrensäbel umzuhängen. Ja die Studenten in Constantinopel spannten sich sogar vor den Katzenkasten und zogen ihn eigenhändig in das Hotel des Erfinders."
Seitdem ist es Mode geworden, einem Btanne, wenn er sich so viele Verdienste um ein Land erworben hat, wie der Sultan, eine Musik mit Katzen darzubringen. Fehlt es aber an einem ordent
lichen Instrumente, so quäkt man selber wie eine Katze. Man sieht also, wie sehr Diejenigen irren, die da meinen, die Katzenmusik wäre eine Musik für Katzen, da sie doch im Gegentheil für
achtbare Männer bestimmt ist.
nicht, daß gerade auch die Märzkatzen der von Kennern vorgezogene Wurf sind? Ja, es fragt sich, ob nicht die nächtlichen Sympathien dieser Musik von der anfänglichen Blindheit der jungen Katzen herrühren, denen die Mütter — ich glaube neun Tage lang — die verschloß- nen Augen lecken. Daher hält sich die Katzenmusik auch stets in dem beschränkten Genre der Serenade; allein sie läßt eine tiefsinnige Betrachtung zu.
Zuerst ist es diesen Tonwerken eigen, daß man nie hinter den Componisten kommen kann. Sie haben mit der Weltschöpfung gemein, daß der Schöpfer sich hinter seinem Werke in unerforschliches Dunkel verbirgt, und nur vom Hymnus: „Namen nennen dich nicht" erreicht werden kann. In letzter Zeit sprach man oft den Wunsch aus, daß unsere lebenden Componisten, bei der jetzigen Theil- nahmlosigkeit des Volkes an Opern, Messen und Oratorien sich desto mehr der neuen politischen Gattung der Musik hingeben mögten. Es wurde schon behauptet, Meierbeer der Große sei ausdrücklich in solcher Absicht von Paris nach Berlin geeilt; hier am Ort erwartete man, unser geniale Spohr, der noch größer als Meierbeer ist, würde für Kassel und die Provinzialstädte die Sache „in die Hand nehmen." Allein solche Erwartungen verrathen recht den gänzlichen Mangel an richtiger Einsicht in die Natur dieser nächtlichen Produetionen. Jene aristokratischen Componisten — stecken sie nicht bis über die verfeinerten Ohren noch ganz im alten System des musikalischen Satzes und der gebundenen Noten. Und solche Sklaven und Hörige der Noten und des Contrapunktes sollten den rechten Sinn für die Musik der Freiheit, für die großen Demonstrationen der Ungebundenheit und für jene erhabenen Empfindungen politischer Rache haben, die ihren Ausdruck von den Mettentönen keines frommen Paters, sondern eines verliebten Katers hernimmt? Noch mehr! Lassen sich Erzeugnisse der Tonsetzer je, ohne daß der Takt dazu geschlagen werde, zur Aufführung bringen? Das aber ver- daß sie vielmehr im Au-
Anm. d. R. trägt, die Katzenmusik so wenig,
//W