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Generals Changarnier zu verdanken ist. Denn nachdem einmal gegen alle Voraussicht die Nationalversammlung mit bedeutender Majorität entschieden hatte, daß zuerst über die von der Negierung und der Ausschuß-Minorität angenommene Redaktion abgestimmt werden sollte, lag das Schicksal des Tages ganz in der Hand der Linken, indem dieselbe zuerst mit den Anhängern der Ausschuß-Majorität gegen die Regierung, und hernach mit dieser gegen die Ausschuß-Majorität stimmen konnte. Der General Changarnier erschien in diesem entscheidenden Augenblicke gleichsam wie ein Deus ex machina und riß einige Mitglieder der Majorität und, wie es scheint, selbst einige Mitglieder der Linken mit seit, indem er die beruhigenden Erklärungen der Minister über die xolüische Bedeutung des Dotationsgesetzes durch die Auloriiät seiner Stellung noch bekräftigte. Der Triumph gehört daher, wie auch allgemein anerkannt wird, dem General Changarnier persönlich, und das gestrige Votum in seinem Gesammtresultat bat in Bezug auf die allgemeine Lage wenig oder nichts zu sagen. Diese Ansicht gewinnt eine unabweisbare Bestätigung in der Liste der einzelnen Namen, welche die gestrige Majorität und Minorität bildeten. Wenn man heute den Monireur zur Hand nimmt, so traut man kaum seinen Augen über den, bunten Gemisch, in welchem Namen aller Farben zu demselben Votum für oder wider vereinigt stehen. Unter den 354, welche die drei Millionen bewilligt haben, erblickt man nicht nur Bonapartisten, Konservative der letzten Monarchie und Legitimisten vom reinsten Wasser, sondern selbst mehrere Montagnarbs und die politischen Freunde des Generals Cavaignac, u. A. de Lamoricière und Ferdinand de Lasteyrie; Cavaignac hat nicht mitgestimmt, was offenbar in seiner persönlichen Stellung auch eine Bejahung zu bedeuten hat. Unter den 308, welche die drei Millionen nicht gewähren wollten, erblickt man dagegen nicht nur Montagnards, sondern auch viele erklärte Mitglieder der Ord- nungspartei und als solche gewöhnliche Anhänger der Regierung, u. A. sogar einen Vicepräsidenten der Nationalversammlung, General Bedeau, zwei Sekretäre derselben, Bërard und Chapot, und einen Quästor, de Panat, und selbst den General Montholon, dessen Gesinnungen gegen den Neffen des Kaisers nicht wohl zweifelhaft sein können. Majorität und Minorität in der gestrigen Abstimmung haben daher schlechterdings keinen politischen Sinn, und der „Constitutionnel" hat sich offenbar um die thatsächlichen Einzelheiten derselben sehr wenig bekümmert, wenn er heute über die Majorität von 46 Stimmen, „einen Sieg, womit z. B. die englische Regierung sich immer sehr gern begnügen würde", wahrhaft in Ekstase
geräth und ausruft: „Man muß es laut wiederholen: mit einer solchen Majorität kann man höchlich regieren!"
— Auf Befehl des Ministers der äußern Angelegenheiten hat der französische Gesandte in der Schweiz, Herr von Reinhardt, die Bestrafung des auf Herrn Clerc von Landresse in Lausanne begonnenen Attentats verlangt. Eine Verordnung des Bundesrathes hat die Ausweisung der Herren Langeron, Collin, Napoleon Chancel und Bertrand verfügt. — Der Gerant der „Voix du Peuple", Laugrand, der gestern wiederum wegen eines Artikels über die Organisation der Hungersnotb zu i0,000 Franken Geldstrafe und 4 Jahren Gefängniß ver- urtheilt worden ist, bat sich nach Belgien geflüchtet, um den vielen über ihn verhängten Strafen zu entgehen. — Schlußkurse der heutigen Börse: 5pCt. Renten 94 F. 50 C.; 3pCt. dito 56 F. 90 C.; Bankaktien 2235 F. — C.; span. 3pCt. 337/8. Nach der Börse waren die 5pCt. nur noch zu 94 F. 10 C. notirt. — Die Bank von Frankreich hat heute morgen die Dividende einer Bankaktie auf 50 Franken für das erste Semester festgesetzt.
Griechenland.
Athen, 19. Juni. Stimmen in Betreff einer Ministerkrise verlauten. Das Journal „Patris" ist mit Beschlag belegt worden. Ein neues Preßgesetz ist bevorstehend. DerHan- dclstraktat mit Rußland ist veröffentlicht worden.
Amerika.
Durch freundliche Vermittelung eines vordem lange Jahre in Trinidad wohnhaften Deutschen erhalten wir von der auf Trinidad erscheinenden „Port of Spain Gazette" die Nummer vom 17. Mai 1850, welche die Nachricht von einem neuent- deckten süvamerikanischtn Kalifornien enthält. Das Gold findet sich an den Ufern des Auruary in dem Bezirk von Upata (Venezuela). Man findet Stücke bis zum Gewicht von einer halben Unze. Ein gewisser Pedro Monasterio aus der Provinz Barqueßmcto hatte mit seinen Begleitern in wenigen Tagen des Märzes 3000 Pesos, ein Anderer 138 Unzen Gold gewonnen. Proben dieses Goldes will man schon in den Jahren 1833 und 1834 in den Händen von Eingeborenen aus Tuvuquen erblickt haben. In Ciudad Bolivar (ehemals An- gostura) und in Puerto d'Espagna, der Hauptstadt von Trinidad, herrschte deshalb große Aufregung und besonders bereiteten sich auf Trinidad viele junge Leute vor, nach den »diggings“ einen Ausflug zu machen. In der Goldgegend soll Fisch und Wildpret reichlich vorhanden und das Klima nicht so heiß sein, daß ein Europäer die nöthigen Arbeiten nicht unter freiem Himmel verrichten könnte. (D. Z.)
K c k a n n 1 m a ch u n g e n.
c499) Deutsche Zeitung.
Aus das zweite Halbjahr der Deutschen Zeitung werden Bestellungen baldigst erbeten und solche von allen Postämtern angenommen. Der Preis für das Vierteljahr ist in Frankfurt a. M. und im Gebiet der Fürstlich Thurn und Tarisschen Post 3 Gulden; bei allen anderen Postanstalten Deutschlands und der Oesterreichischen Monarchie hat sich in Folge der neuen Postconvention der Preis auf 3 fl. 23 kr. rhein. = 1 Thlr. 28 Sgr. — 2 fl. 51 kr. C.-M. pro Vierteljahr ermäßigt.
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Frankfurt a. M., im Juni 1850. Expedition der Deutschen Zeitung.
[520] In einer Landstadt Kurhessens, nahe der Eisenbahn, steht ein Kolonial-, Eisen - und Spccereiwaarcn - Geschäft mit Inventar nebst Haus zu verkaufen , zum Etablifsc- ment eines Kaufmanns eine passende Gelegenheit bietend. Reflektanten belieben sich an die Adresse B. H. in der Expedition dieser Blätter zu wenden.
[518] Zu der am 1. Juli 1850 stattsindkuvcn Ziehung der Hamburger 100 M. Bko. Prämienscheine (höchster Gewinn
120,000, niedrigster 112 M. Bko.) sind die Original-Loose zu kaufen und zu miethen bei
H. M. Dellevie, Hedwigsstraße Nr. 995 der Realschule gegenüber.
[511] Ein Portmonnaie mit etwas Geld ist in meinem Garten gefunden worden und kann dasselbe gegen die Einrückungsgebühren bei Cimiotti in Empfang genommen werden.
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Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und Dr. A. Pfaff. — Truck von Friedr. Scheel in Kaffel.