Einzelbild herunterladen
 

1208 —

Generals Changarnier zu verdanken ist. Denn nachdem ein­mal gegen alle Voraussicht die Nationalversammlung mit be­deutender Majorität entschieden hatte, daß zuerst über die von der Negierung und der Ausschuß-Minorität angenommene Re­daktion abgestimmt werden sollte, lag das Schicksal des Tages ganz in der Hand der Linken, indem dieselbe zuerst mit den Anhängern der Ausschuß-Majorität gegen die Regierung, und hernach mit dieser gegen die Ausschuß-Majorität stimmen konnte. Der General Changarnier erschien in diesem entscheidenden Augenblicke gleichsam wie ein Deus ex machina und riß einige Mitglieder der Majorität und, wie es scheint, selbst einige Mitglieder der Linken mit seit, indem er die beruhigenden Erklärungen der Minister über die xolüische Bedeutung des Dotationsgesetzes durch die Auloriiät seiner Stellung noch be­kräftigte. Der Triumph gehört daher, wie auch allgemein an­erkannt wird, dem General Changarnier persönlich, und das gestrige Votum in seinem Gesammtresultat bat in Bezug auf die allgemeine Lage wenig oder nichts zu sagen. Diese Ansicht gewinnt eine unabweisbare Bestätigung in der Liste der einzelnen Na­men, welche die gestrige Majorität und Minorität bildeten. Wenn man heute den Monireur zur Hand nimmt, so traut man kaum seinen Augen über den, bunten Gemisch, in wel­chem Namen aller Farben zu demselben Votum für oder wider vereinigt stehen. Unter den 354, welche die drei Millionen bewilligt haben, erblickt man nicht nur Bonapartisten, Konser­vative der letzten Monarchie und Legitimisten vom reinsten Wasser, sondern selbst mehrere Montagnarbs und die politi­schen Freunde des Generals Cavaignac, u. A. de Lamoricière und Ferdinand de Lasteyrie; Cavaignac hat nicht mitgestimmt, was offenbar in seiner persönlichen Stellung auch eine Beja­hung zu bedeuten hat. Unter den 308, welche die drei Mil­lionen nicht gewähren wollten, erblickt man dagegen nicht nur Montagnards, sondern auch viele erklärte Mitglieder der Ord- nungspartei und als solche gewöhnliche Anhänger der Regie­rung, u. A. sogar einen Vicepräsidenten der Nationalversamm­lung, General Bedeau, zwei Sekretäre derselben, Bërard und Chapot, und einen Quästor, de Panat, und selbst den Gene­ral Montholon, dessen Gesinnungen gegen den Neffen des Kai­sers nicht wohl zweifelhaft sein können. Majorität und Mi­norität in der gestrigen Abstimmung haben daher schlechter­dings keinen politischen Sinn, und der „Constitutionnel" hat sich offenbar um die thatsächlichen Einzelheiten derselben sehr wenig bekümmert, wenn er heute über die Majorität von 46 Stimmen, „einen Sieg, womit z. B. die englische Regierung sich immer sehr gern begnügen würde", wahrhaft in Ekstase

geräth und ausruft: „Man muß es laut wiederholen: mit einer solchen Majorität kann man höchlich regieren!"

— Auf Befehl des Ministers der äußern Angelegenheiten hat der französische Gesandte in der Schweiz, Herr von Rein­hardt, die Bestrafung des auf Herrn Clerc von Landresse in Lausanne begonnenen Attentats verlangt. Eine Verordnung des Bundesrathes hat die Ausweisung der Herren Langeron, Collin, Napoleon Chancel und Bertrand verfügt. — Der Ge­rant der „Voix du Peuple", Laugrand, der gestern wiederum wegen eines Artikels über die Organisation der Hungersnotb zu i0,000 Franken Geldstrafe und 4 Jahren Gefängniß ver- urtheilt worden ist, bat sich nach Belgien geflüchtet, um den vielen über ihn verhängten Strafen zu entgehen. — Schluß­kurse der heutigen Börse: 5pCt. Renten 94 F. 50 C.; 3pCt. dito 56 F. 90 C.; Bankaktien 2235 F. — C.; span. 3pCt. 337/8. Nach der Börse waren die 5pCt. nur noch zu 94 F. 10 C. notirt. — Die Bank von Frankreich hat heute morgen die Dividende einer Bankaktie auf 50 Franken für das erste Semester festgesetzt.

Griechenland.

Athen, 19. Juni. Stimmen in Betreff einer Minister­krise verlauten. Das Journal „Patris" ist mit Beschlag be­legt worden. Ein neues Preßgesetz ist bevorstehend. DerHan- dclstraktat mit Rußland ist veröffentlicht worden.

Amerika.

Durch freundliche Vermittelung eines vordem lange Jahre in Trinidad wohnhaften Deutschen erhalten wir von der auf Trinidad erscheinenden „Port of Spain Gazette" die Nummer vom 17. Mai 1850, welche die Nachricht von einem neuent- deckten süvamerikanischtn Kalifornien enthält. Das Gold fin­det sich an den Ufern des Auruary in dem Bezirk von Upata (Venezuela). Man findet Stücke bis zum Gewicht von einer halben Unze. Ein gewisser Pedro Monasterio aus der Provinz Barqueßmcto hatte mit seinen Begleitern in wenigen Tagen des Märzes 3000 Pesos, ein Anderer 138 Unzen Gold ge­wonnen. Proben dieses Goldes will man schon in den Jah­ren 1833 und 1834 in den Händen von Eingeborenen aus Tuvuquen erblickt haben. In Ciudad Bolivar (ehemals An- gostura) und in Puerto d'Espagna, der Hauptstadt von Tri­nidad, herrschte deshalb große Aufregung und besonders be­reiteten sich auf Trinidad viele junge Leute vor, nach den »diggings“ einen Ausflug zu machen. In der Goldgegend soll Fisch und Wildpret reichlich vorhanden und das Klima nicht so heiß sein, daß ein Europäer die nöthigen Arbeiten nicht unter freiem Himmel verrichten könnte. (D. Z.)

K c k a n n 1 m a ch u n g e n.

c499) Deutsche Zeitung.

Aus das zweite Halbjahr der Deutschen Zeitung werden Bestellungen baldigst erbeten und solche von allen Postämtern angenommen. Der Preis für das Vierteljahr ist in Frankfurt a. M. und im Gebiet der Fürstlich Thurn und Tarisschen Post 3 Gulden; bei allen anderen Postanstalten Deutschlands und der Oesterreichischen Monarchie hat sich in Folge der neuen Postconvention der Preis auf 3 fl. 23 kr. rhein. = 1 Thlr. 28 Sgr. — 2 fl. 51 kr. C.-M. pro Vierteljahr ermäßigt.

Anzeigen aller Art erlangen durch die Deutsche Zeitung die größte Verbreitung im In- und Auslande. Die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum wird mit 7 kr. = 2 Sgr. berechnet.

Frankfurt a. M., im Juni 1850. Expedition der Deutschen Zeitung.

[520] In einer Landstadt Kurhessens, nahe der Eisen­bahn, steht ein Kolonial-, Eisen - und Spccereiwaarcn - Ge­schäft mit Inventar nebst Haus zu verkaufen , zum Etablifsc- ment eines Kaufmanns eine passende Gelegenheit bietend. Re­flektanten belieben sich an die Adresse B. H. in der Expedition dieser Blätter zu wenden.

[518] Zu der am 1. Juli 1850 stattsindkuvcn Ziehung der Hamburger 100 M. Bko. Prämienscheine (höchster Gewinn

120,000, niedrigster 112 M. Bko.) sind die Original-Loose zu kaufen und zu miethen bei

H. M. Dellevie, Hedwigsstraße Nr. 995 der Realschule gegenüber.

[511] Ein Portmonnaie mit etwas Geld ist in meinem Garten gefunden worden und kann dasselbe gegen die Ein­rückungsgebühren bei Cimiotti in Empfang genommen werden.

»^S-r^^-.'^^^^M-. ^ir- sr^^a^. ^ <<^*^vrJrei~^>^-1-7.r.<^.O^CTOtt3^tMMJ^grL.im.\.r_;i.?^S^Sy»38A33TOE£mE^^ ^L^ ^L^-.VI^»««^^kML»r«LLr-L^I«McrL>MLL«I^ -; ür2T»2D^.-r«^rL»L^^»^"-»»^^^'^^^^â^^^-»^«^M»»'"»»^^^^â,

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und Dr. A. Pfaff. — Truck von Friedr. Scheel in Kaffel.