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ten Exemplare auch weggenommen hat, ist natürlich ein Grund Dieser Maßregel nicht mitgetheilt worden. So hängt denn über dem Haupte dieses unabhängigen Blattes, das übrigens (wie wir bereits gemeldet) vor einigen Tagen auch auf der meiß­ner Fürstenschule verboten worden ist, das Schwert des Da­motles. Noch Eine solche Mahnung, und der verhängnißvolle §. 2 tritt ein. Die Dresdner Zeitung ist sehr übel berichtet, wenn sie meint, dieKrcisvirektion werde erst abwarten müssen, ob in Den konfiscirten Nummern wirklich eine Uebertretung »erliege oder ob diese Uebertretung nur nach Ansicht der Po­lizeibehörde Statt gefunden habe.

Frankfurt, 24. Juni. So eben vernehmen wir hier, daß Jaup wirklich aus dem Ministerium geschieden ist. Der Zusammenhang ist noch nicht bekannt, läßt sich jedoch nach den wiederholten Besuchen des Grafen Thun in Darmstadt, so wie nach Der Anwesenheit des Königs von Baiern am großherzoglichen Hofe unschwer errathen. Auch über die näch­sten Folgen herrschen bis zur Stunde nur Vermuthungen; Diese gewinnen aber dadurch mehr Kolorit, daß man erfährt, das „Plenum" beabsichtige wirklich, jenen Schritt vom Erha­benen zum Lächerlichen zu thun, der in einer Art von Achts­erklärung gegen Preußen und dessen Verbündete enthalten sein würde. Jeden Falls erscheint die noch gestern gehegte Hoff­nung, daß man sich in kurzer Zeit hier verständigen werde, seit heute sehr verringert. Im „Plenum" soll der Widerwille, mit welchem man das zu plumpe Täuschungsmittel der jüng­sten österreichischen Denkschrift über Zoll- und Handelseinheit hier Orts zurückgewiesen, viel Bitterkeit erweckt haben. Und doch ist es so natürlich, daß wir uns nicht durch leere Worte und offenbare Gewalt gegen geschichtliche Thatsache irre führen lassen. — In höheren Kreisen wird heute viel darüber ge- sprochen, daß Baiern sich weigert, die Matrikularbeiträge für den Fcstungsbau von Ulm zu zahlen. Herr v. d. Pfordten har vielleicht geglaubt, daß die „deutsche Gesinnung" der baierrschtn Regierung noch dieser anderen Schaustellung be­dürfe. (Köln. Z.)

Oesterreich.

Wien, 23. Juni. Aus Mailand meldet man von meh­reren Hinrichtungen, die durch Demoralisation unter dem Mi­litär nöthig wurden, aus Ungarn berichtet man von Gauner­banden, welche aus entlassenen Soldaten bestehen.

— Im gegenwärtigen Augenblicke geht der in Betreff der schumlaer Flüchtlinge gefaßte Beschluß feiner Vollstreckung ent­gegen. Diejenigen von ihnen, deren Anerbieten, in militä­rische Dienste zu treten, vom kaiserlichen Kommissar angenom­men wurde, werden in die Armee als Abrichter und Ofsiciere des Generalstabs eingereiht. Diejenigen, Die im Lande blei­ben wollen, erhalten 250 Piaster und eine Sicherheitskarte. Diejenigen, welche die Türkei verlassen wollen, erhalten 500 Piaster und Reisepässe einer fremden Gesandtschaft. Die Kin­der Kossuths wurden in Konstantinopel von Kurschid Pascha (General Guyon) durch die Straßen geführt und von Den anwesenden Magyaren und anderen Leuten unter Eljenrufen durch die Straßen begleitet. Die Pforte, um sich gegen die Vorwürfe des Proselytenmachens zu schützen, nimmt nun keine Flüchtlinge mehr in ihre Dienste, wenn sie auch zum Islam übergetreten sind. Aus Bukarest verlautet, daß die fremden Geschäftsleute einer Gewerbspatentstcuer unterworfen werden sollen.

— Die Thätigkeit, oder vielmehr die Unthätigkeit der in Frankfurt versammelten Diplomatie erinnert lebhaft an die Herren Eisele und Beisele in den fliegenden Blättern, die 10 Nummern hindurch in derselben Attitüde auf ihr Gepäck war­ten. Unsere gouvernementalen Blätter versuchen allerdings mit löblichem Eifer und sichtlicher Anstrengung ihrer geistigen Gaben einige Abwechselung in das uninteressante Tableau zu brin­gen; bald versichern sie uns, in Frankfurt sei allerdings bis jetzt noch nichts geschehen, binnen Kurzem aber würden ganz au­ßerordentliche Ereignisse erfolgen, eine Versicherung, der wir freilich nur in ihrer ersten Hälfte Glauben schenken können; bald erfahren wir zu unserer großen Befriedigung, unsere Regie­rung habe sich über die glänzenden Erfolge des Plenums

und seines energischen Abwartens gegen unseren Bevollmächtig­ten äußerst anerkennend geäußert, was uns natürlich als Be­weis Der diplomatischen Genügsamkeit unserer Staatslenker äußerst schätzbar sein muß, bald wieder werden wir mit einer Abhandlung über die eigentliche Natur des Rechtsbodens re- galirt, den das Plenum durch die Wiederaufnahme des alten Rechtsbodens gewonnen. Indessen erschöpft sich am Ende auch die reichste gouvernementale Phantasie an einem so unfruchtba­ren Thema, und wir sehen abnenDen Gemüthes die Zeit her­annahen, wo die frankfurter Korrespondenten des „Lloyd" und der „Reichszeitung" über die Fliegen werden berichten müssen, die das Plenum pour passer le temps in seiner letzten Siz- zung erlegt, zur ewigen Kränkung des Herrn Mathis und der übrigen Unionsbevollmächtigten, die wegen strafbarer Renitenz gegen die Autorität des Plenums von jeder Betheiligung an diesem ebenso unterhaltenden als verdienstvollen sport ausge­schlossen blieben." — So schreibt die Presse und man kann gewiß nicht umhin, zu gestehen, daß in diesen sarkastischen Zeilen mehr Inhalt ist, als in den langathmigen Korrespon­denzen des Lloyd und Der Reichszeitung, Die nicht ermüden, von den Niederlagen der preußischen Diplomatie zu berichten, während wir doch keine Siege der österreichischen bemerken, im Gegentheil das alte Geräusch neuer militärischer Rüstungen in unseren Ohren und Kassen gellen hören, Einberufung der Beurlaubten, Uebungslager da und dort, Festungsbauten an allen wichtigen Punkten und einen lftrausfordernden lächerlichen Ton in den Regierungsjournalen — wir können in all' Dem keinen Erfolg einer glücklichen Politik vermuthen. (D. R.)

Wien, 24. Juni. Die Gefahr, mit einem Preßgesetze beschenkt zu werden, das unter anderem die sogenannte provi­sorische Suspendirung der Jmy bei Preßprocessen als Para­graphen aufnimmt, soll hiwausgeschoben sein. In einer der letzten Ministerrathssitzungkn soll dasselbe nochmals zur Sprache gekommen sein und Die Majorität für Zurücklegung gestimmt haben, weil Angesichts der Stellung zu Preußen es ein unpo­litischer Schritt im Augenblick wäre, damit heraustreten zu wollen. — Vom Hermannstädter Kriegsgerichte sind 14 Offi- ciere, welche an der magyarischen Revolution Theil genommen haben, zum Tode durch den Strang verurtheilt, vom Civil- und Militärgouverneur FML. Freiherr von Wohlgemuth jedoch zu mehrjähriger Fcstungsstrafe begnadigt worden. (C. Z.)

Frankreich. _

Paris, 25. Juni. In der heutigen Sitzung der Natio­nalversammlung fanden zuerst heftige Reklamationen von Sei­ten vieler Repräsentanten gegen die im „Moniteur" ihnen bei­gelegte Abstimmung über das Dotationsgesetz Statt. Den Erklärungen des Präsidenten Dupin zufolge hatte der Setzer des „Moniteur" sich bei den Formen vergriffen, und ganze Abschnitte aus zwei verschiedenen, zugleich gesetzt gewesenen Abstimmungen mit einander verwechselt. Unter den Reprä­sentanten , die auf diese Weise gegen die ihnen beigelegten Vota protestiren, bemerkte man den General de Lamoricière, Viktor Lefranc, Lagrange (vom Berge), de Mornay und An­dere mehr. Ein Versuch von Lagrange, wegen des vom „Mo­niteur" begangenen Irrthums die Gültigkeit des gestrigen Vo­tums anzugreisen, wurde vom Präsidenten mit der Bemerkung abgewiesen, daß die gezählten blauen Stimmzettel wirklich 308, die weißen 354 betragen haben und damit das Votum kon- statirt sei. — Ein Entwurf über Hypothekenreform wurde hier­auf vorerst im Allgemeinen diskutirt, ohne besonderes Inter­esse darzubieten, da alle Welt in Betreff der Zweckmäßigkeit einer Hypothekenreform einig war. — Die Kommission zur Untersuchung der Getränkesteuer erlangte auf ihr Verlangen einen Aufschub für ihren Bericht bis zum 15. Oktober. Thiers äußerte bei dieser Gelegenheit, daß achtbare Meinungen in der Kommission sich für die alleinige Besteuerung bei der Pro­duktion wie in Deutschland ausgesprochen haben. Nach einer sehr wenig belebten Diskussion wurde der Entwurf einer Hy- polhekenreform zur zweiten Berathung zugelassen, womit die Sitzung geschlossen wurde. — Es ist eine unbestreitbare und unbestrittene Thatsache, daß das gestrige Votnm der National­versammlung vorzugsweise dem unerwarteten Auftreten des