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Inflationen iniD Berechnungen fehlt nur etwas, nämlich die Möglichkeit, die nur in einem unbedingten Glauben an Oester­reichs Kraft und Beistand bei Denen, die ihn» folgen wollen, zu finden ist. Daß aber unsere eigenen Verhältnisse nicht von der Art sind, um ein solches Vertrauen zu erwecken, das muß ein jeder mcht in ter Verblendung lebende Oesterreicher sich selbst gestehen. (D. R.)

Frankreich.

Paris, 24. Juni. In der heutigen Sitzung der Na­tionalversammlung herrschte von vorn herein eine außerordent­liche Aufregung. Sämmtliche Zuschauertribünen waren ge­drängt voll; einzelne Eintrittskarten wurden mit 20 Franken bezahlt. Nach Votirung eines Ergänzungskredits wurden gleich die Verhandlungen über ras Dotationsgesetz eröffnet. Der Finanzminister erklärte sofort, daß die Regierung das Amen­dement der Ausschußminorität annehme, um alle falschen Aus­legungen über die Absichten der Regierung zu entfernen, die Zukunft ganz vorzubehalten und die Würde der beiden großen Staatsgewalten zu wahren. (Dieses Amendement lautet:Es wird dem Finanzminister im Budget von 1850 ein außeror­dentlicher Kredit von 2,160,000 Fr. für die Kosten der Prä­sidentschaft der Republik eröffnet.") Mathieu (de la Drome), der erste der eingeschriebenen Redner von der Linken, be­kämpfte das Gesetz, so wie auch die vom Ausschüsse vorge­schlagene bloß einmalige Bewilligung von 1,600,000 Franken ganz unbedingt, doch in gemäßigten Ausdrücken. Seine ganze Rede lag in folgenden Worten:Das Geld geben, würde, von der Rechten so gut wie von der Linken, so viel sein, wie dem Feinde Munition geben. Die Dotation würde verwege­nen Hoffnungen und Planen in der Umgebung des Präsiden­ten Nahrung geben. Es würde zum Mindesten den Präsiden­ten in seinem Ansehen herabsetzen, das Budget belasten und das Volk, das Hungers stirbt, unzufrieden machen. Ehe man dem Amnestirten der Republik Gold gibt, sollte man den Fe- bruarkämpfern Brod geben." Sevaistre (Mitglied der Majorität) tadelte das Ministerium sehr heftig wegen der Einbringung des Dotationsgesetzes und sein Benehmen gegen die Nationalversammlung, deren Würde er im In­teresse des Landes aufrecht erhalten wissen wollte. Wegen der angegebenen Opfer, die der Präsident der Republik persönlich gebracht, sprach er sich jedoch für Bewilligung von 1,600,000 Franken, wie der Ausschuß vorgeschlagen, aus. Nach Schluß der allgemeinen Debatte wurde über die Reihenfolge, in der die verschiedenen Vorschläge zur Abstimmung kommen sollten, diskutirt und das vom Ministerium angenommene Amendement gegen dessen Willen obenan gestellt. Auf eine nachdrückliche, großes Aufsehen erregende Empfehlung und Beschwörung des Generals Changarnier wurde zur Abstimmung geschritten. Zahl der Stimmenden 663, absolute Mehrheit 332. Das Re­gierungsprojekt wurde in der Modifikation der Ausschuß-Mi­norität mit 354 gegen 308 Stimmen genehmigt. L. de La- borde'S Amendement:Vom Tage der Verkündigung des Ge­setzes wird die Repräsentanten - Entschädigung auf 6000 Fr. herabgesetzt", wird durch die Vorfrage beseitigt und alsdann die Sitzung geschlossen. Die Rede, welche Hr. Tiners in der letzten Versammlung der Repräsentanten von der Majori­tät zu Gunsten des Dotationsgesetzes in der von der Regie­rung jetzt angenommenen Form gehalten hat, lautet im We­sentlichen also:Man hat sich herausgenommen, uns die Re­publik in den Gesetzen zu geben, allein man hat sie uns nicht in den Sitten geben können. Der Palast des Elysee-National gleicht in nichts der Wohnung des Präsidenten der Vereinig- ten-Staaten. Jedermann ist dies aufgefallen, und Jedermann hat sich gesagt, daß dieß das unvermeidliche Resultat von In­stitutionen ist, die der Wirklichkeit nicht entsprechen. Hat sich das Land darüber entrüstet? Nein! Es hat, wie wir, gelächelt über den Kontrast zwischen den Institutionen und den Sitten, und weit davon entfernt, zu verdammen, was im Elysëe vor- aeht, hat eS vielmehr mitleidsvoll gelacht über diejenigen, die sich beeilt hatten, eine Republik aus einem so durch und durch monarchischen Lande zu machen. Dieses ist übrigens nicht außerordentlicher, als das Votum vom 10. Dec. selbst, das in seiner

Absicht sowenig einer republikanischen Wahl glich. Das Land sah wohl ein, daß ihm dieses ein paar Millionen kosten würde, kümmerte sich aber nicht darum. weiß wohl, daß Künstler, Arbeiter, alte Soldaten, arme Leute weit mehr von dem Gelde haben, als diejenigen, welche die Salons des Präsidenten besuchen. Sol­len gerade wir uns wundern über eine so leicht vorherzuse- hende Erscheinung, die eigentlich nur eine Widerlegung der Lüge unserer Gesetze durch die Wahrheit unserer Sitten ist? General Cavaignac glich selbst schon nicht mehr einem Präsi­denten der Vereinigten Staaten, während er Vorstand der Exekutivgewalt war! Lassen wir die Entrüstung darüber der Montagne; cs ist nicht an uns, darüber zu klagen, daß die Wahrheit der Dinge durch alle Lügen, womit man sie l edecken will, durchbreche! Was nun die Form des Dotationsgesetzes betrifft, so muß man diejenige wählen, die nichts über die Zukunft bestimmt; denn die Zukunft wünschen alle Parteien vorzubehalten. Frankreich hat selbst über sich zu verfügen, und ich für mein Theil würde mir einen Vorwurf daraus machen, Etwas zu thun, was zum Voraus sein künftiges Geschick be­rühren könnte. Frankreich ist heute eine Republik. Gut! ich will nicht, daß es etwas Anderes werden soll; allein ich ge­höre nicht zu denen, die sich wundern oder entrüsten, daß es, während es sich als Republik proklamier, in Wirklichkeit durch seine Neigungen, Sitten und Gebräuche Monarchie bleibt. Ich bin kein Bonapartist, man weiß eS wohl; allein ich glaube ein Mensch von gesunder Einsicht zn sein, der sich nach den Grundsätzen einer besonnenen Politik richtet und vor allen Dingen um die Stellung der Gegenwart bemüht ist, Gott die Entscheidung über die Zukunft überlassend. Um die Gegen­wart zu retten, müssen wir einträchtig sein. Das Land, das vor einigen Jahren von den Dotationen nichts wissen wollte, weil es mit der Regierung im Widersprüche stand, läßt sich dieselben jetzt gefallen, weil es die Autorität will, weil ent­fernt davon, ihr zu widerstreben. Es würde ganz besonders nicht begreifen, daß man sich um eine armselige Geldangele­genheit nicht gerade einem Konflikt, denn einen Konflikt sehe ich nicht voraus, aber selbst einer bloßen Mißstimmung zwischen der vollziehenden und der gesetzgebenden Gewalt auSsetzen wollte. Man hat gesagt, die Socialisten seien be­siegt. Ja, sie sind es, so lange wir einig sind; allein sie werden wieder Sieger werden in demselben Maße, als wir uns trennen. Das Wirksamste bei dem Wahlgesetze war die Eintracht, die sich im Votum gezeigt hat. Denn diese ist es, die unsere Gegner niedergedrückt hat, indem sie ihre Ohn­macht vor den vereinigten Kräften des Landes zeigte. Dieß wieder um zwei Millionen in Frage stellen, wäre ein unver­zeihlicher Fehler, den auch gewiß das Land nicht verzeihen würde." General Magnan ist aus Straßburg hier eingr- troffen. Seine Ankunft wird wieder mit dem Gerücht von der Ersetzung des Generals Changarnier durch einen anderen General in Verbindung gebracht. Wir glauben, daß General Magnan bloß an der Abstimmung über das Dotationsgesetz Theil nehmen wollte. Der Sultan hat der Fürstin Bcl- giojoso für sie und die italienische Emigration bedeutende Ländereien am Gels von Nikomedien zugestanden. Schluß- kurse : 5pCt. 94, 75. 3pCl. 57, 25. Bankaktien 2235. 3pCt. Span. 34.___________________________________

Die segensvollcn Thaten unseres März- ministerinms. (Schluß.)

VII.

Das ist unser! So laßt uns sagen und so es behaupten!"

In den sechs ersten Abschnitten dieses vielspaltigen Aus­satzes l) wurden diejenigen Ergebnisse der, leider^ nur allzu kurzen, amtlichen Thätigkeit des im Februar d. J. abgetrete­nen Ministeriums, wodurch der größte und wichtigste Theil unserer Märzerrungenschaften mit dem legislativen Panzer be­kleidet, und dadurch unantastbar für Angriffe einer wieder

-) Vergl. Nr. 195. 205. 212. 236. 248. 257 dieser Zeitung.