Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

1186 -

als Verschmelzung mit den noch nicht ihm angehörigen deut­schen Ländern, während der Schweizer Sonderbund auf Zwie­tracht und Spannung beruht. Jener beruht auf der Idee der allgemeinen nationalen Verschwisterung, dieser auf der Basis des Zerwürfnisses, des Streits und der Feindschaft. Oesterreich wird dagegen die Basis der deutsch-nationalen Ver­schmelzung niemals als für sich im Princip maßgebend aner­kennen. Man nennt dies in Wieneine Verflachung der Individualität der verschiedenen deutschen Stämme." Die österreichische Gesammtmonarchie hat nicht blos deutsch-natio­nale Interessen zu vertreten; im Gegentheil, die überwiegende Mehrheit ihrer Angehörigen ist der deutschen Nationalität fremd und es widerstrebt daher ihrem eignen innern Wesen, die deutsch-nationalen Interessen vorwaltenv und ausschließlich an die Spitze zu stellen. Dies aber ist gerade der Standpunkt des deutschen Bundes, und hierin liegt der innere Widerspruch der Stellung Oesterreichs, als Vorsitzenden im Bunde, hierin der eigentliche Grund, warum es die Aufgabe dieser Stellung niemals vollständig lösen wird, ja bis auf einen gewissen Grad nicht lösen kann. Keine Art von Besprechungen, von Konfe­renzen und Kongressen werden hierin eine wesentliche Aende­rung herbeizuführen im Stande sein. Alles, was in dieser Hinsicht durch die Ministerialkonferenzen von 1819 und 1820, von 1834 und durch so viele direkte Verhandlungen zwischen Berlin und Wien und die ununterbrochenen Bemühungen der verschiedenen Bundestagsgesandten Preußens bei dem kaiserl. österreichischen Präsidialgesandlen versucht worden ist, hat sich in der Hauptsache erfolglos bewiesen; Oesterreichs permanente Tendenz, die Thätigkeit des Bundes eher zu hemmen, als zu fördern, hat immer wieder die Oberhand gewonnen und es ist um so weniger anzunehmen, daß auf die Männer, die an der Spitze der österreichischen Verwaltung stehen, durch neue Besprechungen jetzt befriedigendere Resultate als früher zu erlangen sein werden, als sie seitdem noch mehr in Jahren vorgerückt und daher veränderten Ansichten nur noch unzugäng­licher geworden sind und nicht am Ende ihrer Laufbahn noch im System werden wechseln wollen. Zwei Auswege bieten sich unter diesen Umständen dar: der eine ist der unwahr­scheinlichere und hängt nicht von Preußen ab; es ist der, dgß Oesterreich die Geschäftsleitung am Bunde stillschwei­gend thatsächlich an Preußen überläßt und sich mehr mit dem bloßem Ehrenvorsitz begnügt; der andere ist der sichere, von Preußen allein abhängige; es ist der, auf andern als den bundestäglichen Wegen die nationalen Interessen zu for­dern und den Impuls hierzu je nach den eigenen Bedürfnis­sen und Nothwendigkeiten entweder bloß durch das eigene Beispiel oder durch Verständigung und Einigung mit den gleichgesinnten einzelnen anderen deutschen Bundesstaaten zu geben, und, wie es hinsichtlich des Zollvereins geschehen ist, ohne Mitwirkung vorzugehen. Die Vervollkommnung der deutschen Zustände wird dann zwar nicht immer gleich­zeitig in allen deutschen Bundesstaaten Eintreten, allein sie wird ohne Zweifel in den meisten derselben früher Statt finden, als wenn man die vorgängige Zustim­mung und Mitwirkung aller divergirenden Bundesstaaten dazu hätte abwarten müssen. Es wäre für die Mehrzahl unbillig, ja unter Umständen bedenklich, jeden Fortschritt und jede Ent­wickelung von der Sinnesänderung und dem Systemwcchscl auch des letzten widerstrebenden Bundesstaats absolut abhän­gig zu machen. Es versteht sich übrigens, daß von dem Au­genblick an, wo die gegenwärtige oder eine andere österrei­chische Verwaltung sich wieder auf die gleiche Linie mit Preu­ßen hinsichtlich einer wahrhaft nationalen und fördernden Be­handlung der deutschen Angelegenheiten stellt, dann auch Preu­ßen wieder den Bundestag als das geeignetste Organ der gemeinschaftlichen Aktion beider Mächte zu diesem Zwecke be­trachten wird."

Frankfurt, 18. Juni. Graf Blome, einer der reich­sten, wenn nicht der reichste Gutsbesitzer Schleswig-Holsteins, (nicht zu verwechseln mit dem früheren dänischen Gesandten zu St. Petersburg gleiches Namens) hielt sich in diesen Ta­gen hier auf. Derselbe ist auf flüchtigem Fuß, weil er sich

des Landesverraths schuldig machte, und deßhalb von der L-tatthaltcrschaft in Anklagestand versetzt wurde. Nachdem er 1848 am Kriege gegen Dänemark eifrigen Antheil genommen, suchte er später seine Gutsangehörigen, welche in der schlcS- wig-holsteinschen Armee dienten, zum Ueberlaufen ins dänische Lager zu verführen, und entwich, als ihm dieses mißlungen war, nach Kopenhagen. So lautet, wie ich höre, die Anklage. Sollte er auf einer Sendung für Dänemark begriffen sein dieß wird nämlich behauptet so hoffen wir doch, baß kein deutscher Hof einen zum Feinde übergegangenen Deutschen an- nehmen werde. Da die AUgem. Zeitg. unmöglich die merk­würdigsten Persönlichkeiten, welche sich hier aufhalten, unbe­achtet lassen kann, so muß ich Ihnen unter dem Schwarme neuer Diplomaten hier vor allen den Hrn. Archivrath Victor- Strauß aus Bückeburg nennen. Dieser vertritt bekanntlich das von dem preußischen Bündniß zurückgctretene Schaum- burg-Lippe in der Plenarversammlung, und da er in seinem Dorfe lhoinme de la Situation war und mit seinem Freunde Lauer (der durch ihn Minister ward, weil er selbst hierher sollte), derUmwendung" zum vollständigsten Siege verhalf, so spricht er auch hier wie Cäsar: Veni, vidi, vici Offen­herziger uud von grünerem Holze ward hier selbst während des Jahrs 1848 kein Diplomat gesehen. Für die Dänen schwärmt er, und die Union schlägt er bei jedem Essen in die Pfanne. Die Fünf-Uhr-Tafel im Englischen Hof wird durch ihn der besuchteste Tisch in Frankfurt. (A.A.Z.)

Frankfurt, 24. Juni. Das gestrige Waldfest der hie­sigen neuen Bürgervereine war vom schönsten Wetter begün­stigt. Um 2'/2 Uhr Nachmittags setzte sich das Geschwader, welches in 12 großen und mehr als 40 kleinen Mainfahrzeu- gen die Theilnehmer des Festes am Obermainthor ausgenom­men hatte, in Bewegung, und schwamm mit Laubgewindcn, deutschen und frankfurter Fahnen reichlich geschmückt, unter Musik und BöUerknall den Main bis zum Sandhof hinunter. Die Zahl der an der Waldfahrt in solcher Weise sich Bethei- ligenden mochte über 1500 Personen beiderlei Geschlechts be­tragen; bei weitem größer, vielleicht nicht unter 10,000 Köpfe stark, war die der Zuschauer, welche von beiden sehr belebten Ufern des Flusses, nachdem das Geschwader vorüber war, zu Fuß und in einzelnen Wagcnreihen ebenfalls nach dem Walde beim Oberforsthause sich begab, wo der lange Zug der eigent­lichen Fkstgenossen, ter sich am Sandhof geordnet hatte, gleich zeitig anlangte. Das Waldfest, zu dessen angenehmen Verlauf die zweckmäßigsten Maßregeln getroffen waren, ging ohne alle Störung vorüber.

Die militärischen Vorsichtsmaßregeln gegen etwaige größere Excesse unD feindliche Demonstrationen der gestern in großer Zahl versammelt gewesenen demokratischen Partei unse­rer Siadt und der Umgegend sind sehr umfassender Art gewe­sen. Um 9 Uhr wurden die Wachen verstärkt, in den Kaser­nen waren unter besonders befehligten Officieren starke Piquets konsignirt, und Patroullcn durchzogen bis Tagesanbruch die Stadt. Man bemerkte, daß in den Bewegungen der Pa­trouillen ein System herrschte, welches alle Stavttheile einer gleichen Ueberwachung unterzog. Nach Mitternacht sah man den «Stadtkommandanten Major Deetz, mit einem Adjutanten auf dem Domplatz und dem enggebauten anliegenden Stadt- theile, zu Pferde; gleich darauf hörten Vie Patrouillen auf, ein Beweis, daß schon zu dieser Zeit überall vollkommene Ruhe und keine Veranlassung zur Besorgniß vorhanden war.

(O.P.A.Z.)

Darmstadt, 23. Juni. Mit dem Oktroyiren ist es einstweilen Nichts; das heutige Regierungsblatt enthält die Verordnung über die Vornahme der Wahlen zu beiden Kam­mern und verfügt, daß dieselbenohne Verzug" vorgenom­men werden. Noch gestern Abend ist der Kurfürst von Hessen, heute Morgen auch der König von Baiern abgereift. Zu. der gestrigen Tafel war auch der österreichischePräsivialgesandte" geladen; in seinem Gefolge bemerkte man den baierischen Be­vollmächtigten. Hr. v. Dalwigk hat bis jetzt, so viel verlau­tet, noch keine genügende Vollmacht für die Plenarversamm­lung producirt: man darf annehmen, daß die vereinte baic-