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zäh vertheidigt, daß wir nachgiebig und sriedselig den bestehenden Negierungen jede erträgliche Brücke des Elnvcrständnisscö durch schwere Opfer geöffnet haben — dieß Alles ist uns seit zwei Jahren unzählige Mal als „Verrath am Volke" und als „abscheuliche Reaktion" vorgerückt worden; es liegt ganz in ter Natur der Dinge, daß nun Hr. v. v. Psorvten mit der Entdeckung nachhinkt, wir seien eigentlich die wahren Revolutionäre ! Daß wir dem verwildernden und auflösenden Treiben der falschen Demokratie, unbekümmert um die Thorheiten des Tages, von Anfang an entgegentraten und den erborgten Ko- mödiantcnflilter französischer Revolulionstiraden immer für das hielten, als was er sich schließlich auswies, das hat uns bekanntlich den glühenden Haß einer revolutionären Partei zugezogen, die noch vor nicht langer Zeit mächtig genug war, um die Feigheit kinzuschüchtern — einer Partei, die auch jetzt wieder an den Brüsten der Reaktion genug gesäugt und großgezogen wird, um eine Zukunft zu haben. Daß wir zu gleicher Zeit dem sinn- und gewissenlosen Treiben der rcstaurirten Regierungspolitik, der Verleugnung noch frischer unvergessener Pflichten, dem ungeduldigen Gelüst, Deutschland die schmachvolle Zeit von 1819—1848 noch einmal, aber dann unfehlbar zum letz- tenmale zu bereiten, entgegengewirkt, daß wir in dem erlogenen und falschen Konstitutionalismus, wie er jetzt allerwärtS und jählings seinen Kreislauf durchzumachcn begonnen hat, den Anfang vom Ende für das Wohl und Bestehen der Monarchie erblickten — das hat den alten Groll der Gegner zur Rechten wieder mit aller Macht geweckt und sie finden jetzt, daß wir eigentlich Die rechten Jakobiner seien, daß man uns im Grunde mit Pulver und Blei unschädlich machen sollte, und dies um so gewisser, als wir noch die lästige Dreistigkeit haben, uns auf Gesetz und Recht zu berufen und die unbequemen Mahner sind an die heiligen Verheißungen, die der Uebermuth des Sieges wie böse Träume abschütteln möchte. Neu, wie gesagt» ist das Alles nicht. Hr. v. d. Pfordten hat nur ausgeplaubert, was die Vorsichtigeren unv Geübteren schon längst im eingemeibten Kreise sich nicht mehr in die Ohren flüstern, er hat nur das Programm des künftigen Bundestages etwas vor der Zeit an die große Glocke gehängt. Neu ist höchstens die dialektische Ausführung; sie verdient, als Armuthszeugniß deutscher Kleinstaatsmännerei, an allen Ecken angeschlagen zu werden. „Die Verleugnung des Bestehenden, sagt der baierische Staatsmann wörtlich, ehe man etwas Anderes an seine Stelle gesetzt hat, ist der Charakter der Revolution, und das ist noch dazu die inhaltlose Revolution; denn cs gibt eine solche, die, was sie an die Stelle des Bestehenden setzen will, wenigstens bereits fertig in der Tasche hat und den entschiedenen Willen und Muth hat, es durchzusetzen. Das ist die Revolution mit einem Inhalt. Wenn man dagegen sagt, das Bestehende hält nicht mehr, ohne etwas Anderes an dessen Stelle zu setzen, dann ist es eine inhaltlose Revolution, und das ist die schlimmste von allen." Man sollte denken, nach dieser Ausführung müsse Hr. v. d. Pfordten sich und seine Freunde als arge Revolutionäre denuncuen, als ganz „inhaltlose Revolutionäre", d. h. als die „schlimmsten von allen". Denn der Vorwurf, nichts Fertiges in der Tasche zu haben, paßt doch wahrhaftig am wenigsten auf uns. Wir haben eine Verfassung „in der Tasche", die von den Vertretern der Nation entworfen, von der größten deutschen Macht in ihren Grundzügcn avoptirt, von 28 Regierungen anerkannt ist; „inhaltlos war nur die Politik der vorschwcbendcn Entwürfe, Die seit anderthalb Jahren nur negirt hat, die das einzige, was sie möglicher Weise in der Tasche haben konnte — den alten Bundestag — hervorzuholen lange Zeit noch durch einen Rest von Schamgefühl und Vorsicht abgehalten worden ist, und Die inzwischen Die Welt mit Mißgeburten wie Die vom 27. Februar zu unterhalten bemüht war. Hin. von Der Pforvtens Logik führt zwar zu dem entgegengesetzten Schluffe, aber gleichwohl machen wir uns anheischig, aus seinen eignen Wortsähen darzuthun, daß er ein arger „Revolutionär" ist, und zwar, „was Vas Schlimmste von Allem, ein ganz inhaltsloser!" (Schluß folgt.)
Frankfurt, 19. Juni. Das Frankfurter Journal be
merkt in Betreff verschiedener grvßdcutschcr Zeitungsnachrichten Folgendes: Man bedarf keiner officiellen Quelle, um zu wissen, daß von einer „Nichtzulassung der Abgeordneten der Unionsregierungen" gar keine Rede sein kann. Die Herren vom Plenum hatten dieselben nur gar zu gern mit offenen Armen ausgenommen; sie haben Wochenlang Ferien gehalten und gewartet, bis die preußischen Bevollmächtigten kämen; allein da die beteiligten Regierungen erklärt hatten (wie die identische Note bezeugt), raß diese nur bann eintreten würden, wenn man von der Ansicht cs sei hier ein „Plcnum der Bundesversammlung" unter österr. „Vorsitze" vorhanden, entschieden abgehe, so kann nur von einem Nichteintritte derselben Die Rede sein. Sie treten nicht ein, bis man in Wien der richtigen Ansicht ihrer Kabinette beistimmt und sind, da sie keine Wirksamkeit haben, und erst zu eröffnenden Konferenzen nicht beiwohnen können, eigentlich nur „designirte" Bevollmächtigte; sie werden bestimmt solche, wenn nach Statt gehabter Ueberein- kunft Der Tag Der Eröffnung der Konferenzen über die deutschen Verfassungsangelegenheiten fcstgesteUl sein wird. Von einem „Plenum Der Bundesversammlung", das „zu bestimmten Zwecken" unv zwar von Oesterreich , als dem Präsidialstaate, einberufen wäre, wissen diese Regierungen nichts, da die Aufhebung dieses Theils des Bundesrechts durch rechtsgültige Beschlüsse vom Jahre 1848 erfolgt ist, und das hier sitzende sogenannte Plenum allen seinen Handlungen und Normen nach selbst nach Dem alten Bundesrechte nicht zulässig wäre.
Frankfurt, 19. Juni. Der neue Bevollmächtigte, Hr. Kanzler und Staatsrath v. Linde, bringt einen wohlbegrün- Deten Ruf mit und wird, wie verlautet, an die Stelle des in österreichische Dienste tretenden Freiherrn V. Blittersdorf gleichzeitig Die großdcutschcn Interessen durch publicistische Thätigkeit in Der „OberpostamtS - Zeitung" vertheidigen. Ob das Plenum Der Bundesversammlung dadurch ein Gleichgewicht gegen den Einfluß des Hrn. Ministers Hassenpflug gewinne, müssen wir Dabin gestellt sein lassen; wenigstens verlautet, daß Der Hr. Minister den SelbstvergrößerungSgelüsten Der vier Königreiche entschieden entgegen zu treten kein Bedenken trägt. Daß man in Ernst daran denke, mit Feststellung einer Präklusivfrist eine neue provisorische Centralgewalt einzusetzen, scheint uns ein Mährchen, denn wenn es auch möglich sein mag, daß der Lichtensteinsche Generalissimus mit der ihm untergeordneten Armee von 55 Mann Infanterie zur Exekution marschfertig gehalten wird, so dürfte doch diese allerdings erhebliche Heeresmacht nicht ausreichen, Preußen gänzlich zu zwingen. Wir erwarten, daß, wenn es zum Ernste kommt, das ganze Heer unter Dem Schatten einer kühlen Linde sich ausruht, um dann in das friedliche Heimathlanv zurückzukeb- ren, ohne für die Interessen Der Leine und der Isar Sympathie zu fühlen. Ebenso ist es wohl nur ein Mährchen, wenn behauptet wird, nach aufgelöster baierischer Ständeversammlung werde die königliche Majestät von Baiern nach Aachen reifen, um dort Den Stuhl Kaiser Karls des Großen zu besichtigen. Wir können es nur mißbilligen, daß man dergleichen Histörchen verbreitet, welche offenbar den Zweck haben, Die Anziehungskraft des Plenums zu schwächen. Diese von einem Frankfurter Korrespondenten der „Augeb. Allg. Zeitg." gepriesene Anziehungskraft des Pleni erinnert uns daran, daß es manche Anziehungskräfte gibt, bei Denen man vorzugsweise ausgewogen wird. (Fr. I )
Darmstadt, 22. Juni. Der König von Baiern reist erst heute Abend ab. Er hat sich plötzlich entschlossen, noch einen Tag „im Kreise seiner hohen Verwandten" zu verweilen , indeß wird heute auch Der Kurfürst von Hessen „zum Besuch bei Hose" erwartet, unb cs versteht sich, daß er kommen wird. Die Unterredung wird ohne Zweifel auf Der Basis der Übereinkunft vom 27. Februar geführt werden.
(D. Z.)
Mannheim, 22. Juni. In diesem Augenblick ist General Wrangel hier angenommen. Derselbe wirb morgen Die badischen Truppen vor Dem Ausmarsch Revue passiren lassen.
(Fr. I.)