Neue Hessische Zeitung.
Organ der konstitutionellen Partei.
Dinstag, 25. Juni 1850.
.VF 293.
Morgen - Ausgabe.
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Deutschland.
Berlin, 25. Juni. Die glückliche Errettung und Genesung Sr. Majestät des Königs wurde heute hier in allen Kirchen durch einen besonderen Dankgottesdienst gefeiert, der bereits in den frühen Morgenstunden durch Choralmusik von den Thürmen herab eingeleitet wurde. Eine gleiche Dankfeier bat in den hiesigen Fortbildungsanstalten, deren Unterrichtsstunden auf den Sonntag Morgen fallen, und gestern in der Spnagoge der jüdischen Hauptgemeinde Statt gefunden.
Flensburg, 17. Juni. Ueber die vor kurzem von den Dänen abgebrochenen Unterhandlungen mit den schleswig-holsteinischen Vertrauensmännern erfahren wir aus glaubwürdiger Quelle folgendes Nähere. Wie bei dem ersten von Preußen angeregten Versuche, so war auch dießmal der Wunsch, einem drehenden Kriegsausbruch vorzubeugen, die Veranlassung, daß von Seiten der Statthalterschaft Graf Ncvcnilow mit dem russischen Gesandten in Berlin in vertraulicher Weise über ein Provisorium sich berieth, welches einen definitiven Frieden ermöglichen sollte. Das Resultat dieser Besprechungen verzeichnete Graf Reventlow, und da Hr. v. Mependorf nicht daran zweifelte, daß das dänische Ministerium auf die darin festgesetzten Punkte würde eingehen können, auch seine Unterstützung zusagte, so legte Graf Reventlow die Proposi- tionen der Statthalterschaft und einem der dcsignirten Vertrauensmänner, wenn wir nicht irren, dem Hrn. Prehn, vor. Die Statthalterschaft selbst glaubte nun nach reiflicher Ueber- legung zwar nicht selbst das Projekt in Kopenhagen Vorschlägen zu dürfen, weil es mit dem alten Grundgesetze der Her- zogthümer nicht im Einklang stehe, sie fand jedoch, daß Herr Prehn mit seinen Kollegen immerhin mit den Dänen darüber verhandeln könnte. Das Resultat wollte sie dann der Van» kesvcrtretung der Herzogthümer wie jeden dänischen Vorschlag verlegen und wenn möglich befürworten. Die Vertrauensmänner erklärten sich bereit, das Projekt an die dänische Regierung zu bringen und sie zu detaillieren Vorschlägen nach Maßgabe desselben zu veranlassen. Nachdem das Kabinet zuKopenhagcn das Projekt erhalten, fand in den letzten Tagen des Mai eure Besprechung zwischen zwei Mitgliedern desselben und den Vertrauensmännern Prehn u. Heinzelmann statt. Dänischer- seits legte man eine Reihe Fragen über daspröponirte Provisorium vor, von denen die hauptsächlichsten etwa die folgenden sind: Ob als Departementschefs der neuen Statthalterschaft auch geborene Dänen zulässig sein sollten, in specie die Herren Scheel und Höpfner? ob die Herzogtbümcr während des Provisoriums zu den gemeinsamen Staatslasten, namentlich zur Verzinsung der bis 1848 erwachsenen Staatsschuld beitragen sollten? welche Permittirungen in der schleswig-holsteinischen Armee Statt finden? welche Angelegenheiten als gemeinsame von den Ausschüssen der Landesversammlungen der Herzog- thümer behandelt werden sollten? ob diese Versammlungen berathende oder beschließende sein würden? ob die Departements- chefs ihren Sitz an demselben Orte haben sollten? Diese Fragen beantworteten die Vertrauensmänner in einer Denkschrift, welche den von Hrn. v. Mependorf gebilligten Pcopo- sitionen zugefügt wurde, und überreichten Beides in einer zweiten Konferenz, zu welcher auf vielfaches Andringen der
russischen und der englischen Gesandtschaft in Kopenhagen auch der dritte Vertrauensmann zugelassen wurde. Verneint worden war in der Beantwortung der obenerwähnten Fragen nur die Qualifikation der Herren Scheel und Höpfner zu Depar- temenlschefs. Die Permiltirung der Truppen war bis auf 9000 Mann zugestankcn. Die Tragung dcr Staalslasten, inklusive dcr erwähnten Schulden pro rata unter Vorbehalt näherer Festsetzung auch. Als gemeinsame Angelegenheiten bezeichneten die Vertrauensmänner die Gesetzgebung überZoll- unv Postwcsen, das Brandversicherungswesen, die Strafanstalten, das Oberappellationsgericht, die Universität. Die Landes- Versammlungen sollten beschließende sein. Von den Departementschefs wurde verlangt, daß sie in unmittelbarer Nähe des Statthalters, also in demselben Orte, sein sollten. Die beiden dänischen Minister stellten hierauf neue Fragen: Ob die preußischen Truppen als Exekutionstruppen gebraucht werden sollten? ob der Statthalter seine Departementschefs nach Gutbefinden sollte entlassen können? ob die Bildung eines gemeinsamen StaatSrathS aus den Departementschefs beider Herzog- thümer gewünscht werde? Die beiden ersten Fragen wurden mit Ja, die letzte — auch im dänischen Sinne — mit Nein beantwortet. Die dänischen Minister kamen nun mit neuen Forderungen. Sie verlangten die „Säuberung" Schleswigs von preußischen Truppen und die Besetzung desselben durch 4000 Mann Dänen, so wie cie Entfernung der Schleswiger aus der holsteinischen Armee, endlich die unbedingte Anstellung Schcel's und Höpfner's als Departementschefs in Schleswig. Zu diesen Forderungen wurden übrigens noch weitere in Aussicht gestellt. Auch erklärten die dänischen Minister, daß den Vertrauensmännern eine Antwort auf ihre Präpositionen zugehen würde, und daß selbst die Einwirkung einer auswärtigen Macht sie nicht bestimmen würde, dem Könige jene Propositionen anzurathen. Bald darauf ist denn auch durch ein Schreiben an die Vertrauensmänner die Unterhandlung dänischer Seits abgebrochen worden. — Der frühere Parlaments- abgcorknete Hans v. Raumer aus Dinkelsbühl in Baiern ist jetzt zum Secondelieutenant in der schleswig-holsteinischen Armee befördert.
Hannover, 20. Juni. Bei der Berathung des Budgets wird Manches zur Sprache gebracht, was die ganze Verderbtheit der Zeit zeigt, wo das Staatsgrundgesetz gestürzt wurde und allein Gewalt herrschte. Damals gingen Adelige und Beamte mit den Staatsgütern unverantwortlich um, während für die nothwendigsten Bedürfnisse des Landes kein Geld vorhanden war. Es liegen jetzt Akten vor, die das beweisen, und es ist dem Ministerium Stüve zu danken, daß es den Muth hat, die noch immer nicht ganz unmächtigen Menschen der Vergangenheit nicht zu schonen, sondern sie hinzustellen, wie sie waren, als sie die Zügel des Staates in schmuz- zigen Händen hielten. So erhielten aus dem Fonks ker Domänen von ken Ablösungsgeldeen der ehemalige Justizminister v. Scheele 159,000 Thlr. zu 3 Proc. auf neunzig Jahre, der ehemalige Finanzminister von Kielmannsegge 65,000 Thlr. Gold, der ehemalige Minister des Innern von der Wisch 8000 Thlr. So sind von diesem Eigcnthume des Landes 1,218,130 Thlr. meist nur zu 3, andere zu 3*4 Proc. und