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das Geleitc. — In den nächsten Tagen erwartet man die Ausschreiben zur Einleitung der Wahlen für die beiden Kammern der Stände.
Vom Oberrhein, 18. Juni. Nach Briefen aus Neu« gort haben F. Kapp und I. Fröbel sich jetzt zu einem Kommissionsgeschäft geeinigt, Zitz und Blenker leben auf einer Farm, Hoff von Mannheim, Fenner v. Renneberg und Rösler von Oels kamen erst mit Familie an. G. Metternich malt Schilde für Wirths- und andere Häuser, die Gebrüder Hexamer haben eine Wirthschaft eröffnet, Notteck von Freiburg und der durch die Arbeitergeschichte in der Schweiz kompro- mittirte Dr. Maas sind auch da. Annecke wohnt in äußerst dürftigen Umständen in Wisconsin. Ein Gerant der N. Nh. Zeitg., Korff, verkauft Bibeln und Heiligenbilder! Aus Jork in England erfahren wir: Struve und dessen Frau befinden sich noch dort; ihr Lager ist ein Strohsack, das „Landgut", in welchem sic wohnen, war ehemals ein Beinhaus, und bietet keinen Schutz gegen üble Witterung. Bei Struve ist noch Schnauffcr. Ersterer ist Ziegenhirt, letzterer Stallknecht bei dem Besitzer des anliegenden Gutes. Die Flüchtlinge in London leben sehr getrennt und sind in Parteien gespalten.
(F. O.P.A.Z.)
München, 19. Juni. Der Abg. Kolb hat an das Gcsammlministerium folgende Interpellation gestellt: 1) Sind demselben die zu Zweibrücken wiederholt Statt gehabten argen Excesse eines Theils der dortigen Soldaten bekannt? 2) Hat dasselbe Anordnung drßfalls getroffen? 3) Hat dasselbe insbesondere die dringend nöthigen Maßregeln ergriffen, um das bedrohte Leben und Eigenthum der durchaus verlheidigungs- und wehrlos gemachten Einwohner gegen die Wiederkehr solcher oder ähnlicher Excesse zu sichern. (N. K.)
Oesterreich.
Wien, 18. Juni. Vor kurzer Zeit wurde an die Kreis- regierungen und Bezirkshauptmannschaften der Befehl erlassen, Heiratheerlaubnisse nicht auf Erwcrbsnachweise allein zu ertheilen, sondern nur auf Bewilligung der Gemeinde, zu welcher das Paar zuständig ist. Diese Verfügung ist nicht zu vergleichen mit dem in Deutschland üblichen Nachweis einer Hcimathsangehörigkcit; es dürfte vielmehr dieselbe insofern einzig in ihrer Art fein, als der Gemeindevorstand hierdurch die Macht erhält, einem seiner Gcmeindegiieder die Ausübung eines Rechtes zu verwehren aus Gründen, wie sie vor Jahren in einzelnen schweizer Kantonen vorkamen, wenn ter Gemeinde- bürger z. B. eine Frau aus einer andern Gemeinde holen, oder wenn er eine protestantische oder überhaupt eine andere Frau heirathen wollte, so lange ein Gemcinderath noch erwachsene Märchen nicht an Mann gebracht hatte.
— Die Triester beabsichtigen eine Eingabe an das Ministerium, mit welcher sie auf strenge Prüfung der von dcmGc- werbevcrcin zu Wien verbreiteten Verleumdung dringen, welche sie des Schmuggelns beschuldigt. — Das kaiserliche Manifest an die Bewohner Kroatiens, Slavoniens und Dalmatiens, in Betreff der Organisation dieser Kronländer, befindet sich unter der Presse. Banus Jellachich wird dann wahrscheinlich endlich nach Hause reisen. — Aus Mailand wird der Const. Zeitung in Prag berichtet: Kriegsminister Graf Gyulai, der durch den Feldmarschall-Licutenant Schönhals ersetzt werden soll, übernimmt hiernach das Kommando des hier gelegenen 5. Armeekorps, das interimistisch vom FML. Grafen Haller versehen war. (D. R.)
Wien, 18. Juni. Nichts ist erbärmlicher, nichts eines mündigen, zum Bewußtsein und Ehrgefühl erwachten Volks unwürdiger als die sogenannte Konjekturalpolitik, zu der wir jetzt wieder verdammt sind. Diese Politik des Hörensagens, des Anekdotenhaschens, des Vorzimmcrgeflüsters und Wirths- hausklalschcs muß jeden Journalisten, der nicht wie ein ge- dankcn - und gefühlloser Tagwerker schreibt, anekeln, und damit mögen Sic es entschuldigen, daß ich so selten schreibe. Jeder österreichische Korrespondent muß ehrlich gestehen, daß er nichts Erhebliches zu berichten wisse. Was unsere Gewalt- Herren uns wissen lassen wollen, das bringt die privilegirte Korrespondenz, alles Andere sind vage Gerüchte und auf sie
gebaute nichtige Vermuthungen. Unsere Politik ist wieder im strengsten Sinne eine geheime Kabinetspolitik, und selbst die politischen Physiognomiker, die anderswo den hohen und höchsten Personen so wichtige Geheimnisse aus den Mienen zu lesen verstehen, haben bei uns nichts zu thun, weil sich unsere Minister geradezu gar nicht öffentlich sehen lassen. Eine Volkspolitik aber existirt nicht, weil sic nicht erscheint, denn daS Volk träumt und schläft, der eine Theil von der guten alten Vergangenheit, der andere von einer besseren Zukunft. Wir haben keine Oeffcntlichkeit, folglich auch keine Organe derselben. Das, was unsere Zeitungen bringen, ist durchaus nicht der Ausdruck der Volksstimmung , denn diese hüllt sich in grollendes Schweigen, und es wäre gut, wenn auch die Presse verstummte, ihr Schweigen wäre beredter und würde selbst unseren Diktatoren mehr imponiren als all das Konjek- turalkannegicßern, womit unsere bedauernSwerthen unofficiellen Redakteure mühselig ihre Spalten füllen. (D. A.Z.)
Wien, 21. Juni. Das heute erschienene Reichsgesetz- blatt bringt einen Vortrag des Handelsministeriums über die Entwässerung des Theißgebietes, wodurch ein kulturfähiger Bodenraum von beinahe 200 Quadratmcilcn gewonnen werden soll. Eine Centralkommission wird gebildet, um die Arbeiten zu leiten; die Staatsverwaltung bewilligt hierauf Vorschüsse und dotirt das Unternehmen durch 5 auf einander folgende Jahre mit je 100,000 Fl. Konv.-Münze. — Die heutige Wiener Zeitung bringt ein von der Militär-Central-Untersuchungskommission ausgehendes Verbot des satirischen Tagblattes „Punch". Specielle Veranlassung ist ein Artikel vom 18. d., „Neueste preußische Prcßpostpestverordnung" betitelt.
Dänemark.
Kopenhagen, 20. Juni. (H. B-Z.) Der König hat gestern Slaarsrath in der Hauptstadt gehalten; es sollen, nach Flyveposten, die preußischen Vorschläge vorgekommen sein. — B. Christensen zeigt an, daß er an die Minister die Frage richten werde, ob die Regierung in Bezug aus die Verwicke- lungrn in Schleswig irgend einen bestimmten Plan oder Beschluß gefaßt und ob sie dem Reichstage vollständige Aufklärung über die gegenwärtige Stellung des dänischen Staates dem Auslande, insbesondere Deutschland gegenüber, geben wolle.
Großbritannien.
London, 19. Juni. Die Minister ließen gestern in beiden Häusern des Parlaments die Niederlage, welche das Kabinct am Tage vorher im Hause der Lords erlitten, ganz unerwähnt. Man folgert daraus, daß sie sich durch diese Niederlage nicht zu einem „weiteren Schritte" veranlaßt sehen. In der That vernimmt man, daß das Kabinct nach einer zweistündigen Berathung , welche es gestern Nachmittag im Forcign-Office hielt, den Beschluß faßte, nichts zu thun (to do nothing). Es war indeß auch eine andere Ansicht im Kabinct vertreten. Die Börse hat die Niederlage des Kabi- ncts leicht genommen; die Konsols wichen nur um */g pCt. Auch die Journale, selbst die der gegenwärtigen Verwaltung feindlichsten, sind nicht der Meinung, daß die Annahme der Stanley'schen Motion den Rücktritt des Ministeriums zur Folge haben müßte; die Majorität des Hauses der Lords selbst habe gar nicht beabsichtigt, das Kabinet zu stürzen; sie habe ihm bloß eine gute Lehre geben und Lord Palmerston auf eine andere Bahn Hinweisen wollen. Unter den gegenwärtigen Umständen würde die Bildung eines anderen Ministeriums, als eines Whigkabincts, fast unmöglich sein; das Unterhaus würde sicher nicht seine Zustimmung dazu geben.
London, 20. Juni. Dem Hause der Gemeinen zeigte gestern Hr. Roebuck an, daß er am folgenden Tage den Premierminister fragen werde, welchen Weg die Regierung nach der Entscheidung des Oberhauses am Dinstage einschlagen wolle. Die das schottische Unterrichtswesen betreffende Bill ward zum zweiren Male gelesen. — Die Königin Viktoria feierte heute den 13. Jahrestag ihrer Thronbesteigung. Die Glocken der Hauptstadt zeigten dieß frohe Ereigniß den getreuen Unterthanen Ihrer Majestät an. In St. James-Palast fanden große Empfangsfeierlichkeiten Statt. Mehr als 1000