Einzelbild herunterladen
 
  

1162 —

Ansicht ist, daß es hier darauf berechnet sei, den Fortgang bis zum 15. Juli zu hemmen, um das Zustandekommen der Union dadurch zweifechafler werden zu lassen. Wir hören von wohlunterrichteter Seite, daß die preußische Regierung jetzt nur noch entschiedener auf der betretenen Bahn vorgehen, und den ihr bekannt gewordenen Plan des andern Heerlagers dadurch zu zerstören bemüht sein werde. — Es sind Nach­richten aus dem Großherzogthum Hessen hier kingegangen, nach welchen es leider mehr als wahrscheinlich scheint, daß der Großherzog gewissen Einflüsterungen nachgebcn und von der Union zurücktreten will. Für diesen Fall, der als ein trauriges Beispiel fürstlicher Treulosigkeit in der Geschichte der Union verzeichnet werden würde, ist Jaup, wie bestimmt versichert wird, zum Rücktritt entschlossen. — Der Schl. Z. wird von hier geschrieben: Hr. v. Lepel befindet sich immer noch in seiner instruktionslosen Lage, die um so peinlicher für ihn sein muß, als er selbst bekanntlich mit Leib und Seele an dem Unionswerke hängt. — Nach dem Berliner Korrespon­denz des „Wanderer" wären Hrn. v. Patow Anerbietungen zur Uebernahme der Stelle eines Unterstaatssekretärs im Mi­nisterium des Innern gemacht worden. (Hr. v. Patow ist am 19. und am 20. in Begleitung dreier Brüder auf der Durchreise nach der Schweiz, wo er sich einige Zeit aufzuhal­ten gedenkt, hier in Kassel gewesen.)

Berlin, 20. Juni. Der Nordd. Ztg. wird von hier geschrieben: Nach der Art und Weise, in welcher der Fürst Schwarzenberg dem Prinzen von Preußen gegenüber sich aus­gesprochen halte, konnte erwartet werden, daß Oesterreich jetzt von seinen wunderlichen Prätensionen abstehen und somit eine Vereinbarung mit Preußen möglich machen würde. Obwohl indessen der österreichische Premierminister in Warschau die Nothwendigkeit eines Alternirens im Vorsitze zwischen den bei­den Hauptmächten Deutschlands anerkannt und sich bereit er­klärt hatte, die Union unter einem geeigneten Modus anzuer­kennen, so ist doch, nachdem er nach Wien zurückgekehrt, seine Sprache wieder eine ganz ankere geworken. Oesterreich wei­gert sich bestimmt, die Forderungen der Unionsstaaten, wie sie in der identischen Note ausgesprochen sink, zuzugestehen, 0. h. es beharrt darauf, daß ihm das Präsidium und dem Kongreß der Charakter des Bundesplenums zukomme. Es ist karum hier bereits die Abreise des preuß. Bevollmächtigten beschlossen worden. — Die hiesigen Blätter sind heute aufgefordert wor­den , die nach Maßgabe der Verordnung vom 5. v. M. zu bestellende Kaution bis zum 15. Juli einzuzahlen. — In militärischen Kreisen wird, wie das C.-B. berichtet, das Ein­gehen einer der ältesten Militärzeitschriften in Folge der nsücn Preßverordnung befürchtet. Bei der nützlichen Wirksamkeit jenes Blattes darf indeß erwartet werden, daß man Mittel und Wege finden werke, um das Fortbestehen Desselben mög­lich zu machen.

Berlin, 21. Juni. Die „Konstit. Korresp." bringt eine lange Abhanklung über die zwischen Oesterreich und Preußen obschwebcnke Unions- und Bundesfrage. Der Artikel schließt mit den Worten: „So glauben wir denn, Die geringe Bedeu­tung Der Grünke, mit welchen unsere Gegner für Den recht­lichen Bestand des alten Bundesorganes, für seine Unauflös­lichkeit, für Die Formfehler bei der Auflösung desselben, so wie für seine Garantien durch die Großmächte streiten, nachge- wiesen und dadurch ein um so größeres Gewicht für unsere Ansicht gewonnen zu haben, daß bei der „großdeutschen Partei" und deren Führern ein auffallender Wechsel der Gesinnung hervorgetreten ist." Die Reise des Kaisers von Rußland nach London bestätigt sich. Das nächste Motiv zur Reise des Prin­zen von Preußen ist die Einladung der Königin Viktoria zu dem Taufakte ihres jüngsten Kindes. — Nach der „Konstit. Korresp." wird das provisorische Fürstenkollegium außer dem Gesetze über das Verfahren wegen Untersuchung und Bestra­fung des Hoch- und Landesverraths gegen das Reich und über Die Bestrafung dieser Verbrechen, dem Gesetze über die Presse und den leitenden Grundsätzen bei den Volksvertretungen der Einzelstaaten, auch ein Gesetz über Volksversammlungen unter freiem Himmel und über Vereine vorbereiten.

Hannover, 19. Juni. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer stellte der Abg. Surren in Betreff der han­noverschen Note vom 6. Juni folgende Anfrage an den Mi­nister des Innern: „Die öffentlichen Blätter theilen eine Cirkularnote des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten vom 7. Juni d. J. an die benachbarten Staaten mit, in welcher die königl. Regierung jene Staaten auffordert, bei der eingetretenen Umgestaltung der Verfassung Deutschlands im gemeinschaftlichen Einverständnisse mit Hannover zu Werke zu gehen. Daß ferner die Regierung sich bereit erkläre, jenen anderen deutschen Regierungen, falls sie es wünschten, eine nähere Mittheilung ihrer Ansichten über die Revision der Bundesverfassung zu machen. Da nun den allgemeinen Ständen des Königreichs, die doch das nächste Anrecht dar­auf haben, noch gar keine nähere Mittheilungen der Regie­rung in dieser Angelegenheit gemacht seien, so erlaube er sich die Anfrage, ob und wann die allgemeinen Stände des Kö­nigreichs dergleichen Mittheilungen zu erwarten haben." — Niemand auf Der Ministerbank antwortete. Für heute, be­merkte der Präsident, scheint keine Antwort gegeben werden zu sollen.

Nach einer Mittheilung aus Hannover im „Hamb. Korresp." sind die beiden Differenzpunkte, welche eine Span­nung zwischen dem Könige und dem Ministerium herbeigefübrt haben, die gegen Den Willen der Minister Statt gehabte Er­nennung des Geh. KabinetSraths v. Scheele zum Schiedsrich­ter in der mecklenburgischen Verfassungsfrage und die, indeß schon vor mehreren Monaten erfolgte Weigerung des Mini­sters Lehzen, ein Reskript des Königs zu kontrasigniren, durch welches Der Kammerrath v. Münchhausen, einer der bekann­testen Gegner des gegenwärtigen Regime, zum Kammerdirektor ernannt werden sollte. Da sämmtliche Minister das Verfah­ren des Ministers Lehzen billigten, so nahm der König sein Reskript zurück, indeß hat die aristokratksche Partei Die Gele­genheit nicht unbenutzt gelassen, um die Sache in ihrem Inter­esse auszubeuten. „Man wartet von dieser Seite", schreibt Der Berichterstatter des „Korrespondenten", „nur auf Den Augenblick, wo man das Ministerium Stüve nicht mehr be­dürfte und ohne Gefahr sich dessen entledigen könnte; und dieser Augenblick scheint ihr gekommen. Der König bat außer Bennigsen — wie uns glaubwürdig versichert wird — seil dem 4. d. keinen Der Minister vorgelassen. Wir glauben Grund zu haben, an einer Erhaltung des Ministeriums zu zweifeln. Vermuthlich treten nach erfolgter Budgetbewilligung Minister und Stänke gleichzeitig vom Schauplatz, und über das was jene in Gemeinschaft mit diesen Segensreiches schu­fen, fährt vielleicht in wenigen Wochen die Hand eines reak­tionären Ministeriums."

Braunschweig, 19. Juni. Gestern, an dem Water- loo-Tage, fand hier die Einweihung der Eiche Statt, welche Die Stelle bezeichnet, wo Herzog Friedrich Wilhelm in Der Nacht vor dem Treffen bei Oelper (1. Aug. 1809) auf Dem Strohe bivouaquirte. Der hiesige Kriegerbund hatte die Ge­legenheit benutzt, um die Waffenbrüder aus den Befreiungs­kriegen bei der fünfunddreißigjährigen Wiederkehr des Tages der Waterloo-Schlacht zu einer gemeinschaftlichen Feier einzu­laden. Heiteres Wetter begünstigte die Festlichkeit. Ein Zug von nahe tausend Männern — einem großen Theile nach Preußen — wallte mit geschmückten Bannern gegen 11 Uhr Morgens von dem Sammelplätze vor dem eben restaurirten Altstadirathhause über die Breitcstraße nach den Petrithorpro- mcnaken. Superintendent Schönermark aus Seesen hielt die Festrede, an deren Schlüsse die Eiche geweihet wurde. Nach ihm nahm ein preußischer Krieger, v. Alvensleben, das Wort. Die Morgenfeier schloß mit zwei musikalischen Kompositionen (von Methfessel und Richter), Die von Den hiesigen Sänger» vereinen ausgeführt wurden. Später fanden Mittagstafeln in verschiedenen Lokalen, theils in der Aegidienkirche, theils auf einem öffentlichen Garten Statt. Auf dem herzoglichen Schlosse erhielten alle ärmeren Waterlookämpfer, die sich dazu melde­ten, ein Geldgeschenk von 1 Thlr. Die Zahl der Empfänger soll sich auf einige Hundert belaufen haben. Die ganze Fest-