Neue Hessische Zeitung.
Organ -er konstitutionellen Partei.
Sonnabend, 22. Juni 1850. Al 28» Abend-Ansgabe.
Wir zeigen hiermit an, daß vom 1. Juli d. J. an die Kasselsche Allgemeine Zeitung mit der Neuen Hessischen Zeitung vereinigt sein wird. Diejenigen, welche bereits auf die Kasselsche Allgemeine Zeitung für das dritte resp, vierte Quartal abonnirt haben, erhalten alsbald das vereinigte Blatt zugestellt, sind aber, wie sich von selbst versteht, befugt, das Abonnement zurückzunehmen und die gezahlten Beträge von den betreffenden Poststellen zurückzufordern. In Kassel wird bei Herrn Vollmann und Herrn Luckhardt in der Dionysienstraße auf das vereinigte Blatt abonnirt. Zur Bequemlichkeit des Publikums ist die Einrichtung getroffen worden, daß Bekanntmachungen außer in der Expedition des Blattes (Karlsstraße Nr. 88) auch bei Herrn Luckhardt abgegeben werden können.
Deutschland.
Greifswalde, 19. Juni. Heute Vormittag fand die Verhandlung in der Hassenpflugschen Angelegenheit Statt. Das Urtheil lautete auf 14 Tage Gefängnißstrafe, Ersatz der Kosten und der unterschlagenen Summe. Haffenpflug war durch den Assessor Dr. Andersen vertreten. (Nat.-Ztg.)
Berlin, 18. Juni. Die „Neuesten Nachrichten" von heute bringen Folgendes, wofür wir jedoch die Bürgschaft nicht in allen Punkten übernehmen wollen: „Der Fürst Schwarzenberg sprach sich bei einer gewissen Gelegenheit folgendermaßen aus: „Die Union muß gestürzt werden, es koste, was es wolle." In diese wenigen Worte war die Verfolgung eines, wenn auch in Oesterreich nicht neuen, doch bisher weniger angewandten Princips gelegt worden. Aus diesen Worten hat die österreichische Diplomatie erkannt, welchen Weg sie einzuschlagen habe, und er ist mit allen jesuitischen Mitteln verfolgt worden. Nicht die amtliche Diplomatie konnte sich hiermit befassen, sondern das Heer der diplomatischen Agenten wurde hiermit beauftragt. Hatte man sich bisher darauf beschränkt, die Kabinette Deutschlands durch diplomatische Ueberredung und diplomatische Kniffe von der Union abzuziehen, so ging man jetzt dazu über, zu versuchen, die Machthaber in den einzelnen Kabinetten zu bestechen. Wie weit das gelungen ist, soll hier nicht untersucht werden, obschon mancher Erfolg nicht ausgeblieben zu sein scheint. Nur eine Thatsache soll hier angeführt werden, deren Nichtigkeit wir zu verbürgen im Stande sind, obschon uns Rücksichten nöthigen, nur anzudeuten und die Namen zu verschweigen. Die Agenten durchzogen die Länder und hatten über nicht unbedeutende Summen zu diöponiren. Zur Ehre deutscher Männer sei es gesagt, daß sie vielfach mir ihren Anerbietungen abaewiesen wurden. Dieß geschah auch in einem südwestlich gelegenen Lande. Es wurde darüber nach Wien berichtet. Das Wiener Kabi- nct antwortete darauf: „Das Land darf nicht bei der Union bleiben." Geld half bei dem Ministerium nicht, es mußten andere Mittel angewendet werden. Es hielt dem österreichischen Gesandten nicht schwer, das Kabinct zu stürzen. Es fiel, und es wurde ein Mann an die Spitze des neuen berufen, der bisher in einem andern Staate eine amtliche Stelle bekleidete, und von dem man voraussetzte, oder der sich vielmehr schon bereit erklärt hatte, dem irdischen Mammon hold zu sein. Der Kontrakt ist abgeschlossen und der Minister wird dafür sorgen, daß das von ihm vertretene Land nicht bei der Union bleibt. Die preußische Politik, deren Grundprincip Ebrlichkcit ist, wird gegen derartige Bestechungen nicht auskommen, aber das Volk selbst erzählt sich schon heimlich — denn öffentlich wäre zu gefährlich — von dieser Bcstcchungs- geschichte, und dürfte doch über kurz oder lang den Fürsten,
dessen Redlichkeit, Ehrlichkeit und deutscher Biedersinn über jeden Verdacht erhaben ist, bewegen, sein Ministerium zu ändern. Sollte also dieser Staat für jetzt nicht bei der Union verharren, obschon preußische Ehrlichkeit leicht österreichische Hinterlist besiegen könnte, so wird es nicht lange währen, und er wird doch ein Mitglied der Union werden."
Berlin, 18. Juni. Die Abberufung der Unionsbevollmächtigten von Frankfurt wird von Tage zu Tage wahrscheinlicher. Es scheint, daß man in Wien ernstlich an das Lavi- ren denkt, und daß Fürst Schwarzenberg seit seiner Rückkehr aus Warschau die Ansichten wieder gewechselt hat. Man verschmäht die Parität, die Anerkennung der Union! Man wird in Wien vielleicht zu spät wahrnehmen, daß man am allerwenigsten auf dem Gruppirungswege der ein sehr hohes Spiel spielenden kleinen Könige zum alten Einflüsse in Deutschland gelangen kann. — Inzwischen spukt es wieder in Hannover; an dem neuen nordalbingischen Königreiche wird geschmiedet, man ist endlich auf eigene Faust vorgegangen und bat an Oldenburg, Braunschweig und die Hansestädte eine ködernde Eröffnung gemacht. Man ist hier sehr gespannt auf die nächsten Verhandlungen im FürstenkoUegium, in welchem die Sache von Oldenburg und Braunschweig aufs Eklatanteste zur Sprache gebracht werden wird. — Wie der dänische Agent v. Bülow in Frankfurt sich des besonderen Schutzes von Graf Thun , so erfreut sich Herr Pechlin hier der innigsten Freundschaft des Herrn Prokesch; man sieht die Herren Arm in Arm. Kein Wunder ist es, wenn mit solchen deutschen Freunden und Helfershelfern die Dänen bei den Unterhandlungen die maßlosesten Forderungen machen, wie die nunmehr veröffentlichten Verhandlungen mit den Vertrauensmännern beweisen. Haben Sie bemerkt, daß sie vor Allem auch Schleswig von den Preußen „gesäubert" wissen wollten?
(Köln. Z.)
Berlin, 19. Juni. In Schlesien herrscht unter den Gutsbesitzern, welche in der Nähe von Festungen wohnen, große Besorgniß vor einem Kriege mit Oesterreich, der ihre gesegneten Fluren in blutgetränkte Schlachtfelder umwandeln könnte. Wenn die neuerdings eingestellten oder doch wenigstens in bedeutend geringerm Maßstabe betriebenen Rüstungen Preußens einerseits auch nicht an eine Eröffnung der Feind- seligkeiten glauben lassen, so darf man auch andererseits an- nehmen, daß Preußen im Falle eines Krieges gewiß mit aller Energie die Grenze des Landes schützen werde. (Lith. Nachr.)
Berlin, 20. Juni. Dem Schw. M. wird aus Frankfurt vom 15. Juni geschrieben: In den großen politischen Fragen, deren Lösung man von hier aus erwartet, hat sich zur Zeit noch keinerlei Aenderung bemerkbar gemacht. Regsamkeit scheint allein in Berlin zu herrschen, wo man der