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Leser am Anfang ihres heutigen, der Erinnerung an Oie Auf­lösung des Stuttgarter Parlaments gewidmeten Leitartikels mit folgenden eben so dankenswerthen, als wahren Bewertun­gen: „Eine Revolution ist nur siegreich gegen alte, nicht für neue Zustände. Die Revolution zerstört nur das Zerstörens- werthe, nie aber ist sie selber im Stande, Errichtenswerthes aufzubauen. Die Verleugnung dieser Wahrheit war es, welche Männer ohne politische Einsicht veranlaßte, Berlins Bevölke­rung durch den ganzen Sommer 1848 auf dem Kriegsfuß der Revolution zu erhalten." (D. R.)

Berlin, 19. Juni. (C. B.) Heute 11 Uhr Vormit­tags ist Se. kön. Hoheit der Prinz von Preußen hier einge- troffcn. Höchstdieselben konferirten mit den Ministern und fuhren um 2 Uhr zu Sr. Maj. nach Potsdam. Die Stim­mung des Prinzen ist eine sehr heitere. Heute Abend reisen Se. k. Hoh. nach Köln, um sich von da nach Ostende zu be­geben, wo sie sich nach London einschiffen werden. Der Kai­ser von Rußland wird sich, glaubwürdiger Versicherung zu­folge, ebenfalls nach London begeben und dort noch während der Anwesenheit des Prinzen von Preußen eintreffen. Von London wird der Prinz hierher zurückkehren und sich erst dann wieder nach dem Rhein begeben. — Nach dem C. B. wird Herr v. Radowitz von Erfurt erst Ende dieses Monates hier erwartet. Nach derselben Quelle wird an den dem Erfurter Parlamente zu machenden Vorlagen, besonders an dem Preß- und Wahlgesetze lebhaft gearbeitet. Doch glaubt das C. B. aus dem Umstände, daß man die partikularen Wahlgesetze der einzelnen zur Union gehörenden Staaten eingeforoert hat und eine Prüfung und Vergleichung derselben kaum begonnen ha­ben kann, schließen zu dürfen, daß man das Princip derDrei- klassentheilung noch keineswegs fest adcptirt hat. — Die N. Pr. Z. schreibt: Wenn hiesige Blätter mittheilen, daß die Unterhandlungen der dänischen Bevollmächtigten mit der dies­seitigen Regierung am 13. d. M. hier wieder ausgenommen worden seien, so ist dieß insofern unrichtig, als die Unter­handlungen am hiesigen Orte gar nicht unterbrochen gewesen sind. Gewiß ist, daß die preußische Regierung dieser Tage den dänischen Bevollmächtigten eine neue Erklärung hat zu- gehen lassen, durch deren Inhalt sich die letzteren abermals nicht befriedigt gefühlt haben. Es hat ganz den Anschein, als ob Dänemark und die Herzogthümer ihren Streit auf die eine oder die andere Weise allein zum Austrag bringen wer­den. — Das C. B. schreibt: In gut unterrichteten Kreisen zweifelt man an einer nahen Lösung der dänisch-schlcswigschen Differenzen. Dänemark soll in seinen Vorschlägen und Ver­handlungen je länger je mehr erkennen lassen, daß es eine friedliche Schlichtung nicht wünsche, und Preußen wird zu keinem Schritte um des Friedens willen sich drängen lassen, der mit seiner Ehre, mit den Beschlüssen der Bundesversamm­lung, auf welchen Preußens Stellung in dieser Frage beruht, und mit den guten Rechten der Herzogthümer nicht im Ein­klänge steht. In diesem Sinne soll Herr von Usedom das jüngste dänische Expose beantwortet haben. Die Ausführungen dieser Replik stützen sich dem Vernehmen nach vorzugsweise auf den Inhalt des der preußischen Regierung durch den Bundesbrschluß vom 4. April 1848 ertheilten Mandats. Da­nach hält Preußen sich zu keinem Abschlusse berechtigt, der die Rechte der Herzogthümer, vor allen anderen aber die staats­rechtliche Verbindung Schleswigs mit Holstein, zu verkümmern geeignet sein würde. Preußen kann daher so wenig eine Ein- ve-leibung zulassen, als es das Recht einer andern Macht zu interveniren anzuerkennen vermag. Namentlich würde ein solches Jnterventionsrecht, von welcher Seite dasselbe auch an- gesprochen werden sollte, mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden müssen.

— Das C. B. schreibt: Sicherem Vernehmen nach soll denn die Regierung auch entschlossen sein, oi’ jetzt in die Hände der Verwaltung gegebene Macht über die Presse durch das vorzulegende Preßgesetz wesentlich zu modificiren und sie wesentlich nur von umfaßend, n und strengen Strafgesetzen ab- hängig zu machen. — Die Prinzessinsteuer, welche zu konsti­tutionellen Bedenken veranlaßte, ist bei Gelegenheit der Ver­

mählung der Prinzessin Charlotte mit dem Erbprinzen von Meiningen von Sr. Maj. dem Könige zum Betrage von 100,000 Thlr. auf die Kronfideikommißfonds angewiesen wor­den. Dieselbe fällt sonach nicht in das Bereich konstitutio­neller Erwägungen und wird auch nicht Gegenstand der Kam- merdebattcn werden. — Die nach Erlaß der neuen Preßver­ordnung zuerst konsiscirte Nummer der Nationalzeitung ist von der Staats - Anwaltschaft freigegeben worden. — Bekanntlich hat das englische Kabinet auch der großherz, toskanischen Re­gierung gegenüber Reklamationen wegen der bei der Einnahme von Livorno durch österreichische Truppen dort wohnenden Engländern zugesügten Schäden erhoben. Wir hören, daß diese Reklamationen nur zu Gunsten zweier englischer Unter­thanen gemacht sind, welche von österreichischen'Soldaten bei der Einnahme der Stadt beraubt worden wären. — In Be­zug auf alle anderen englischen Unterthanen, welche unter den Wirkungen des Krieges daselbst gelitten, reklamirt die englische Regierung nicht.

Frankfurt, 15. Juni. Von dem politischen Stillstände, der hier eingetreten ist und über dessen Unterbrechung kaum eine haltbare Ansicht besteht, wendet sich die Aufmerksamkeit jetzt vorzugsweise den beiden Hessen zu. Man fragt, was dort in Angelegenheiten der Union geschehen wird, da bei allen zwei­deutigen Erklärungen, bei der ganzen Schiefheit der Haltung, dem innern Zwiespalt, der drohenden Gefahr im eignen Hause wie vor den Thüren jegliche Rücksicht der Klugheit und der Ehre den beiden hessischen Regierungen die unabweisliche Pflicht auferlegt, endlich mit der offenen Sprache eines politi­schen Bewußtseins hcrvorzutretcn. Kurhessen hat seine Abnei­gung gegen die Union in einer Weise an den Tag gelegt, daß wir nicht mehr zu verkennen im Stande sind, die Rech­nung mit dem Leben sei Dort abgeschlossen. Ein Blick auf die innern Zustände des Landes reicht hin, um darüber volle Gewißheit zu geben. Der Kurfürst hat seine Residenz schon halb über das Staatsgebiet hinaus verlegt, sein unbeliebter Minister v. Baumbach wird den Aufenthaltsort mit ihm thei­len , und der noch mehr im Lande diskreditirte Haffenpflug soll, wie man hört, den frankfurter Konferenzen beiwohnen. Wer diese Zeichen nicht zu deuten und das Eingeständniß darin nicht zu entdecken vermag, für Den geschieht überhaupt nichts. Kurhessen könnten wir daher eben um deßwillen für thatsächlich von der Union abgelöst betrachten, weil die Regie­rung des Landes sich selbst abandonnirt. Anders erschien uns das Großherzogthum Hessen, wo Lebenslust und kleinstaatliche Lebenswärme doch noch keineswegs erloschen sind. Die Er­wartung lag daher nahe, daß man dort den Lebensbedingungen gemäß zu handeln wissen werde. Doch je länger wir uns dieser Erwartung hingegeben, desto mehr schwindet sie. Das Fortbestehen einer Regierung kann heute nur dann noch für ver­bürgt gelten, wenn sie mit den sittlichen Mächten einen unver­brüchlichen Pakt geschlossen, wenn sie sich einen festen Halt im RechtSgefühl der Bevölkerung erworben hat. Die Schritte des Ministeriums Jaup beweisen nicht, daß in diesem Sinne eine fernere Regierungsexistenz erstrebt wird. Sollte also auch hier Ucberdruß an die Stelle einst gar hochfahrender Absichten getreten sein? Wir können uns dieser Frage nicht erwehren, ja wir müssen uns ihrer Verneinung entziehen, wenn Wider- dersprüche zum Vorschein kommen, die den sittlichen Halt des Gouvernements nirgend mehr entdecken lassen. Man versichert uns, Hr. v. Lepel sei nach Berlin gesendet worden, um nur noch den Schein Dessen zu wahren, was die großherzogl. Re­gierung im nationalen Sinne feierlich gelobt und worauf die hessische Bevölkerung den bestbegründelen Anspruch, ein nie wieder rückgängig zu machendes Recht erworben hatte; wir hören, daß man in Darmstadt nur Verzögerung beabsichtige, daß der Abfall von der Union längst im Herzen beschlossen und Hr. v. Dalwigk zu einer der Unionspolilik widersprechen­den Erklärung in Oer frankfurter Konferenz autorisirt sei, um die Wendung anzudeuten, deren eklatantes Hervortreten der Endtermin des 15. Juli mit sich führen werde. Je tiefer alle diese thatsächlich nur zu sehr unterstützten Angaben in die Ehre und den moralischen Lebensbestand der großherzogl. Re-