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Nachlicht, daß man den Kammern nur die Vorschrift wegen der Kautionen, nicht aber wegen der Postdcbitsentzichung vorlegen wolle, weil die letztere eine Verwallungsmaßregel sei uud daher die Kammern nichts angehe, und wünscht, daß man dieß Gerücht dementiren möge. Bei einem kurzen Einblick in die Verordnung vom 5. d. M. und in die preußische Verfassung hätte die Weserzeilung diesen Wunsch sich selbst erfüllen können. Die Verordnung ist als Ganzes auf Grund des Art. 63 der Verfassung verkündigt worden, und wird und muß daher auch als solches den Kammern vorgelegt werden. Uebrigens dürfte selbst ohne diesen schlagenden Rechtsgrund das preußische Ministerium keine Veranlassung zu der Insinuation gegeben haben, daß es sich von der einmal übernommenen Verantwortlichkeit vor den Kammern für seine Maßregeln durch eine Hinterthür befreien wolle. Selbst wenn das Ministerium in der Postdebitsentziehung nur eine Ver- waltungsmaßregel erblicken könnte, so würde cs sich schwerlich der konstitutionellen Verantwortlichkeit auch für diese entziehen können und wollen. C. C.
Man spricht in Wien von der bevorstehenden Ankunft des Königs und der Königin beider Sicilien. Auch ein Besuch des Prinzen Johann und der Prinzessin Amalie von Sachsen wird daselbst erwartet. Man glaubt allgemein an eine Vermählung des Prinzen Albert von Sachsen mit der Prinzessin Marie Amalie von Brasilien.
Der König Max von Baiern, der, wie die Blätter schon berichtet, am 23. d. M. zum Gebrauch der Bäder in Aachen eintrifft, wird unter dem Namen eines Grafen von Werdenfels reisen. Er wird begleitet von dem General v. Laroche, dem Gehcimenrath Giese, dem Oberstlieutenant v. d. Tann und wahrscheinlich auch von dem Hofrath Dönniges. C. C.
— Der Flügcladjutant Sr. Majestät des Königs, Major v. Manteuffel, ist vor einigen Tagen nach Wien abgereist, um Sr. Majestät dem Kaiser ein eigenhändiges Schreiben Sr. Majestät des Königs zu überbringen, welches die Antwort auf das von dem Grafen Wrbna aus Veranlassung des Attentats überbrachte Schreiben seines Souveräns enthalten soll.
Berlin, 18. Juni. Die thüringischen Staaten, von jeher die treuesten Anhänger der Union, haben auch neuerdings Veranlassung genommen, auf eine schleunige Umwandlung der provisorischen Union in die definitive zu dringen. Es liegt jede Beschleunigung vollkommen in der Absicht der preußischen Regierung, doch ist man diesseits gezwungen, abzuwarlcn, ob die Verhandlungen in Frankfurt sich so gestalten, daß die preußischen Bevollmächtigten an dem Kongresse Theil nehmen können, oder ob sie zur Abreise gedrängt werden. Auf diese letztere Eventualität ist man vollkommen vorbereitet. E. C.
Berlin, 19. Juni. Die hannoversche Regierung zeigt endlich, daß sie der deutschen Verfassungsentwickelung nicht ruhig zugeschen hat. Auch sie hat über einem Projekt gebrütet und ein Bündniß geboren, das Deutschland nicht ohne schmerzliche Ueberraschung aufnehmen wird. Gewiß nicht ohne schmerzliche Ueberraschung, obgleich die Geschäftigkeit des Hrn. Detmold längst etwas derartiges ahnen ließ. Aber kein Va- terlandsfreund mochte gern glauben, daß eine Regierung, die sich als Hüterin der deutschen Einheit gebcrdete, die fortwährend versicherte, sich nur deßhalb durch keinerlei Separatverträge binden zu wollen, um Deutschland nicht zu zerstückeln, die noch in neuester Zeit dem baierischen Gruppenjystcm ent- gegengetreten war, daß diese selbst so bald Anstalt machen würde, dieses System zu verwirklichen. Es ist schmerzlich für den Vaterlandsfreund, diesen Unterschied zwischen Worten und Handlungen wahrnehmen zu müssen. Und wenn alle diese nachgebornen Versuche, was ihr sicheres Schicksal sein wird, spurlos wieder verschwinden, so bleibt es doch eine trübe Erscheinung, wie die Macht der Partikularintercssen beharrlich das Ziel bekämpft und verzögert, in welchem sich, wie keine deutsche Regierung verleugnet, die Wünsche der gesummten Nation vereinigen. Die Einheit mit dem Munde preisen und die Zerrissenheit thatsächlich zugleich herbeiführen, und dieß Beides mit dem Ansehen größter Berechtigung, ja mit einem Verdienstanspruch an die deutsche Nation, das ist ein Hohn,
der sie unverdient getroffen. Die hannoversche Zeitung klagt Preußen an, daß es Deutschland nicht zur Ruhe kommen lasse; bevor es das nicht thue, könne es in sich selber nicht Ruhe finden. Hannover mag sich zwar seiner innern Ruhe freuen, aber man würde sich ungemein täuschen, wenn man in dieser Ruhe den Ausdruck der Befriedigung mit der auswärtigen Politik der hannoverschen Negierung finden wollte. Kein Ministerium in ganz Deutschland hat in gleich stummer Haltung allen Anfragen der Stände über seine Pläne in Hinsicht auf Deutschlands Neugestaltung gegenüber gestanden, als das Ministerium Stüvc. Es setzt in Erstaunen, mit welchem Rechte die vorliegende Note vom 7. Juni sich das Verdienst der Offenheit vindicirt. Der hannoverschen Regierung geschieht durch die bestimmte Behauptung, daß, was sie auch in letzter Zeit in der deutschen Verfassungsfrage gethan, sie nach eigensten Impulsen gethan hat, daß ihr Dafür selbst die präsumtive Zustimmung der Stände fehlt, es geschieht ihr durch diese Behauptung kein Unrecht. In welcher Weise aber das intendirte Bündniß die Ruhe Deutschlands fördert, das möge die Staatsweisheit der Hannoverschen Zeitung uns darlegen. Die Ruhe Deutschlands konnte nur gefördert werden, wenn Hannover seinen gegen Preußen eingegangenen Verpflichtungen treu blieb, vielleicht, ja gewiß, wären dann alle Theile Deutschlands schon in festere Verhältnisse übergegangen, und es würde uns weder ein Münchener Entwurf erheitert, noch ein frankfurter Kongreß gelangweilt haben. Die hannoversche Regierung konnte so gut, wie wir, von der Erfolglosigkeit ihrer Anfrage an Oldenburg, Hamburg und Bremen überzeugt sein. Die oldenburgische Regierung hat noch kürzlich gezeigt, daß selbst die Handels- interessen zwischen ihr und Hannover nicht einen so hohen Grad von Gemeinsamkeit bedingen, als das Promemoria des Grafen Benningsen annimmt. Außerdem berechtigt nichts, an der Trcue dieser drei Regierungen gegen den Bundesstaat zu zweifeln, von dessen Schritten sie sich in keiner Beziehung ausgeschlossen haben. Man hat dennoch in Hannover den Versuch gemacht, diese Treue zum Wanken zu bringen — gewiß nur im Interesse der Ruhe Deutschlands! Auch lind ungemein forderlich für diese die cpincusen Rechtsausführungen, von denen das Benningsche Promemoria uns eine neue Probe liefert. Hannover, behauptet es, gehöre nicht zum Maibunde, wohlan, der Verwaltungsrath der Union war bis zu seiner letzten Stunde der Ueberzeugung, daß die Verpflichtungen der hannoverschen Regierung gegen die Maivcrbündeten fort- bestehen, und daß die Union, auch wenn sie einstweilen von der Geltendmachung ihrer Rechte abstehe, den Rechtspunkt selbst nicht habe fallen lassen. Graf Benningsen hat nun aber ein wunderbares Argument entdeckt, die Rechtmäßigkeit des Rücktritts zu bekräftigen. Man höre: Weil der König von Preußen die hannoversche Negierung nicht zur Beschickung des berliner Kongresses eingeladen habe. In dieser Unterlassung liegt nach ihm nichts mehr und nichts weniger, als die authentische Anerkennung, daß Hannover seiner Pflichten entlassen sei. Von jeher war man auf jener Seite um Gründe nicht verlegen. Sachsen fühlte sich eist durch die Avditional- akte entlassen, Hannover längst vorher; aber je mehr Grünte, um so besser, und man handelt wenigstens vorsichtig, auch die noch aufzugreifen, die sich nach der Additionalakte und nach dem Zeitpunkte noch ergeben, mit dem der Austritt aus dem Bündnisse formell erklärt ist. Wenn die hannoversche Regierung immer noch begierig nach einem Anker sucht, um ihr iso# lirteS Schifflcin zu befestigen, so zeigt sie nur, daß sie Der früheren Schaar von Gründen selbst nicht traut. Wir hoffen, sie wird mit ihnen kein Gehör im deutschen Volke finden. Es wäre trostlos für unsere Gesammtverhälnisse, wenn die Sophi- stik und das Partikularinteresse siegen sollten über eine offene und konsequente Politik, wenn jahrelange Bemühungen für die Anbahnung einer innigeren Vereinigung der Nation untergraben werden sollten durch Entwürfe, die im Verborgenen gereift, wie aus dem Hinterhalte hervorschicßcn — in einem Augenblicke, der, leider! so kühne Unternehmungen zu begünstigen scheint, aber hoffentlich auch nur scheint. (D. R.)
— Die Urwähler-Zeitung sagt gewiß zum Erstaunen ihrer