Einzelbild herunterladen
 

1150 -

unverhohlen aussprach, als Karl XII. seine Uebermacht gegen das gebrochene Sachsenland mißbrauchte, ihm den unglücklichen Patkul abzuvringcn? Hat man nicht dennoch seinem Fürsten die Auslieferung verargt? Ist binnen fünfzig Jahren das Gefühl in Verschollenheit gerathen, das Europa mit dem Ersten Konsul theilte, als der Senat von Hamburg so schwach war, Rapper Tandy preiszugeben? Over errölhel kein christ­licher Minister mehr vor dem edeln beim Himmel! einzig gebliebenen Beispiele der Pforte, welche gegen die Dro­hungen der übermüthigen Nachbarn, gegen die Zumuthungen zweier Häupter der im Namen der Dreieinigkeit geschlossenen heiligen Allianz den zu ihr Geflüchteten, obwohl Ungläubigen und Europäern, gegen gastlichen Schutz furchtlos bewahrte? welche der Gewalt nichts als ihre Religion entgegen- stellte?

Kiel, 17. Juni. Es sind bei der Staatthalterschaft Nachrichten cingegangen, wonach man auf eine bald erfolgende ofsicielle Anerkennung der deutschen Kriegsflagge von Seiten der großen Seemächte schließen darf. Es wird von Seiten der in Bremerhafen stationirten Flottenabtheilung demnächst eine Uebungstour vorgenommen werden, zu welcher auch die erste Klasse der hiesigen Seekriegsschule herbefehligt ist.

Hamburg, 13. Juni. Arnold Ruge, welcher seit an­derthalb Jahren in Bremen incognito lebte, ist nun nach England gegangen, da er sich nicht mehr sicher hielt. Die sächsische Regierung verfolgt ihn jetzt sehr ernstlich, er erhielt Wind davon und ging nach London; seine Familie ist vor­läufig noch in Bremen, wird ihm aber bald nach England nachfolgen. (Allg. Z.)

Braunschweig, 14. Juni. Heute haben Abgeordnete dcr entschiedensten Linken sowie überhaupt Führer der demokrati­schen Partei, namentlich aus Mecklenburg, Braunschweig, Thüringen, Anhalt, Hamburg und Bremen in unserer Stadt eine Konferenz abgehalten, um sich in Beziehung auf die neuesten in Preußen und Sachsen gegen die Presse und die Vereine ergriffenen Maßregeln zu berathen.

Dresden, 18. Juni. Heute Nachmittag ist in allen hiesigen Buchhandlungen Dulon'sKampf zur Völkerfreiheit" konfiscirt worden. Wie man vernimmt, ist der frühere Präsident der II. Kammer, Stabtrath Hensel in Zittau, zu zwölfjähriger und der Advokat Just daselbst zu achtjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt worden.

Frankfurt, 16. Juni. Wir erfahren so eben von Darmstadt den Eintritt der längst erwarteten Ministerkrisis. Hr. Jaup, durch alle diejenigen, welchen Ehre und Wohl­ergehen des Landes am Herzen liegen, zum Verlassen einer unredlichen und gefahrvollen Politik gedrängt, hat sich endlich für entschiedene Erklärungen zu Gunsten der Union ausge­sprochen und die von ihm geforderten Maßnahmen zur Kabi- netssrage gemacht. In den nächsten Tagen wird daher der Schicksalsspruch über das Großherzogthum und in unmittelba­rer Folge auch der über das Kurfürstenthum Hegen erfolgt sein. Man hat gegnerischer SeitS alles Mögliche aufgeboten, in Darmstadt die Ansicht zur leitenden zu erheben, daß mit dem Rücktritte beider Hessen die Union ihres inneren Halles beraubt, der preußischen Regierung aber damit eben der ei­gentliche Herzenswunsch erfüllt sei, da sich dann die Noth­wendigkeit von selbst ergebe, dem österreichischen Standpunkte näher zu treten und die gehoffte Einigung mit dem wiener Kabinette zu erreichen. Wir schweigen von der darin ent­haltenen nichtswürdigen Verdächtigung des preußischen Gou­vernements , deren kräftigste Zurückweisurg die Krone Preußen bereits durch selbstredende Thaten übernommen hat; auch er­achten wir das Urtheils-Vermögen des darmstädter Hofes, wie die Einsicht jedes Verständigen für zu weit reichend, als daß so plumpe Ränke irgend Jemanden umgarnen könnten; aber darauf glauben wir Hinweisen zu müssen, woraus alle diese Machinationen entspringen und worauf sie im Wesent­lichen abzielen. Die Wiederherstellung des Absolutismus in Deutschland ist der Anfangs- und Endpunkt dieser perfiden Operation. Hr. v. Blittersdorf hat sich darüber neulich in derOber-PostamtS-Ztg." sehr gewandt, aber auch eben so

bestimmt ausgedrückt. Nichtüber Gotha und Erfurt gehe der Weg der Einigung", sondernPreußen" und Oestercich hatten sich unter einander zu verständigen. Wer also auch in Darmstadt den Wolf kennt, wird sich durch das übcrgc- worfene Lammfell nicht täuschen lassen. (K. Z.)

Frankfurt, 17. Juni. Hr. Hassenpflug ist hier an- gekommen und verkehrt bereits mit einzelnen Bevollmächtigten zum Staaten-Kongresse. Die Nähe des kurfürstlichen Hofla­gers gestattet ihm, zu jeder Zeit Instruktionen einzuholen. Nicht ohne Grund dürfte die Vermuthung sein, daß die beiden Hegen in Betreff der Präliminar-Fragen sich weder der öster­reichischen noch der preußischen Auffassung unbedingt anzu- schließen gedenken. Ob daraus wohl eine wirksame vermitelnde Stellung hervorgehen wird? [?] Der vollständige Abbruch der Verhandlungen wird schon nicht mehr zu den unwahrscheinlichen Dingen gerechnet; dieß beweist das hier stark accrevitirte Ge- rücht, daß die Abberufung der preußischen Bevollmächtigten nahe bevorstehe. Die Ernennung eines frankfurter Kongreß- Gesandten scheint bis nach Erledigung der Präliminar-Fra- gen, von deren Lösung der Eintritt der noch außerhalb ste­henden Bevollmächtigten bedingt ist, ausgesetzt zu sein. (K. Z.)

Frankfurt, 18. Juni. Wenn wir eine Weile geschwie­gen haben, sagt der preußische Publicist des Franks. Journals, so war es nicht, weil es an Pfeilen in unserem Köcher ge­brach, sondern weil wir einmal ruhig zuschauen wollten. Es war aber ein eigenthümlicher Anblick, die großdcutschcn Skri­benten zu sehen, wie sie nun ungestört dastanden und ihr »ad nos schrien.Wir bringen Euch das wahre Heil, die ächten Propheten!"ad nos war ihr Terzett. Wir hörten da das alte Lied von österreichischen Rechten, von dem rechtlich allein bestehenden Bundestage, von den Wohlthaten, die Oe­sterreich zu schenken beabsichtige, daß von Preußen nichts zu erwarten sei, daß man aber auch den alten Bundestag nur herftcUe, um einen neuen zu schaffen, denn Oesterreich habe cs im Sinn, ein verjüngtes Deutschland zu stiften; Oesterreich gäbe keine Preßverordnungen; es wolle das Beste, das Aller­beste , wie cs schon der in Gott ruhende allerhöchste Kaiser Franz gewollt habe, jetzt aber in Wirklichkeit geschehen solle. Es war rührend, wie sich dieses österreichische Triumvirat im­mer widersprach, und doch am Ende immer sein »ad nos, ad nos, ad nos erschallen ließ! Jetzt sind wir aber dieses Liedes überdrüssig, und fragen einfach: Weßhalb ad nos? Ein Mann , der 19 Jahre lang Bundeötagsgesandter ge­wesen, Freiherr von Blittersdorf, hat selbst am 8. Mai 1848 in der Mitte dieses Organs erklärt, der Bundestag habe längst das allgemeine Vertrauen verloren; auch sei schon die Grundverfassung des Bundes eine mangelhafte gewesen. Ein solcher Mann ist eine Autorität. Und ihr wollt den alten Bun­destag wieder? Und dazu räumt ihr ein, Oesterreich wolle ihn nicht, kein Meusch wolle ihn. Was denn?Freilich, hier sitzt ein Plenum, das in allen Dingen dem alten Bunkersrechte widc, strei­tet, nur daß es den öftere. Vorsitz festhält, ein Plenum, das nach Normen verfahren will, die lediglich Oesterreichs Belieben geschaf­fen hat. Will man Den angeblich ununterbrochenen Rechtsboden, so sitzt dieses Plenum ebenso außerhalb desselben, als Oester­reich durch seine Gesammtverfassung außerhalb bcS deutschen Bundes steht. Und was bietet Oesterreich?Das Aller- schönste", sagen uns die großdeutschen Propagandisten. WaS? Nennt cs! Die Staalengruppen? Die Zerreißung in sieben Dcutschlande? Das Volkshaus, welches selbst der Freund des Erzherzogs-Reichsverwesers, Herr Buß, so entschieden verwor­fen hat? Auch das nicht einmal; es bietet den alten Bun- destag, etwa als neuen alten Bundestag, etwas neu lakirt und angcstrichen, aber au fond die alte Geschichte, wie ja der sächsische Minister v. Beust es schon ausgeplaudert hat, und der schlauere baierische Minister v. d. Pfordten feiner andeu« tele. Seht Ihr, beste Herren von der Feder! diese Minister sagen uns, was Wien beabsichtigt! Ihr angelt noch immer und denkt, die Deutschen würden anbeißen, wie die stummen Fische; aber Ihr täuscht Euch. Wir wollen den Bundesstaat, jeder andere Weg ist ungerecht und unweise.Er ist unge­recht (um Worte des Herrn v. Radowitz zu gebrauchen), weil