- 1148
von Hessen besuchte heute, von seinem Schloß Philippsruhe aus, unsere Stadt. — Der königl. sächsische Bevollmächtigte beim Staatenkongreß, Herr v. Nostiz und Jänkenvorf, soll vor einigen Tagen wieder von hier abgemft sein. — Die Bewohner der in unserer Umgegend liegenden hessischen Ortschaften haben nun nach langem Harren dieser Tage die noch rückständigen Verpflcgungsgclder für die ehemaligen Reichstruppen erhalten.
Großbritannien.
London, 14. Juni. Der Globe, welcher durch seine Verbindung mit dem Foreign-Ofsice allerdings über diplomatische Vorgänge gut unterrichtet sein kann, stellt das für Preußen bei den Warschauer Besprechungen gewonnene Resultat als sehr erheblich dar, während andererseits der sehr aufmerksame und spürnasige Berliner Korrespondent der Times versichern zu dürfen glaubt, daß die politischen Angelegenheiten gerade einen sehr untergeordneten Theil jener Besprechungen gebildet hätten. Der Globe sagt: „Es ist ganz sicher, daß dieser Besuch von Umständen begleitet war, welche für die Sache des europäischen Friedens von höchster Bedeutung sind, und daß dieselben auf die nächstbevorstehende Verfassung von Central-Europa einen bleibenden Einfluß, aber auf die österreichischen Pläne, die wir stets als die ausgeklügeltsten Kunstgriffe zur Verewigung der Spaltungen und der schlechten Regierung Deutschlands bezeichnet haben, einen höchst verderblichen Einfluß üben müssen." Nachdem der Globe die bekannten Pläne, womit Oesterreich den preußischen Entwürfen entgegengearbeitet, näher charakterisirt hat, fommt er auf Baiern und Württemberg zu sprechen und bemerkt in Betreff des er- stern unter andern: „Vergangenes Jahr dachte Baiern so unaussprechlich niedrig, bei Frankreich, Rußland und England dringend nachzusuchen um die Kundgebung ihrer Ansichten, wie weit sie Plänen sich geneigt zeigen möchten, die unter seinen Landsleuten in Anregung gebracht und in seinem eigenen Parlament besprochen wurden, und Lord Palmerstons entschiedene Weigerung, sich in Sachen zu mischen, welche die theuersten Rechte einer unabhängigen Nation betrafen, ist in den Augen der fremden Höfe nicht das geringste seiner Verbrechen." In Bezug auf die Sendung des Prinzen von Preußen, die geschehen, um die Einflüsterungen der Gegenpartei zu nichte zu machen, heißt es dann: „Die Bande des Bluts und das lange Bündniß zwischen beiden Ländern benehmen diesem Schritte allen Anschein von unwürdiger Botmäßigkeit gegen Rußland, und so sehr wir auch jeden Fall beklagen mögen, wo über innere Angelegenheiten einzelner Staaten die Ansicht fremder Mächte eingeholt wird, so wird man doch zugeben, daß, nach der Erklärung seiner Bereitschaft zum Krieg, der König von Preußen wohl der Bewahrung des Friedens wegen mit seinem Nachbar Rath pflegen durste. Wir sind nicht im Stande, was in Warschau vorging, im Detail zu erzählen, aber außer Zweifel ist cs, daß die absolutistischen Abgesandten sich in tiefster Enttäuschung auf den Rückweg machten, als der Kaiser rund heraus erklärte, daß er keinesfalls ihre thörichten und selbstsüchtigen Pläne unterstützen würde. Oesterreich hier und die kleineren Staaten dort wurden vor dem Richterstubl, an den sie ihre Sache zu bringen so begierig gewesen, ohne Rückhalt verworfen. Es ist unmöglich , den Werth dieser rechtzeitigen Erklärung zu überschätzen. Oesterreich und seine deutschen Vasallen wissen doch nun, daß, wenn sie einen Brand in Deutschland entzünden, sie dieß auf ihre eigenen Kosten thun müssen, und daß kein fremder Ehrgeiz versuchen wird, das deutsche Volk um die freie Entscheidung über sein eigenes Gebiet zu bringen. Man wird uns nicht in Verdacht haben, daß wir des Kaisers Nikolaus Achtung für Gerechtigkeit und Mäßigung übertrieben hochstellten, und wir sind sicher weit von der Annahme entfernt, daß sein gegenwärtiger Entschluß das Ergebniß irgend einer sehr uneigennützigen Sorge für den Fortschritt und die Emancipation Deutschlands ist. Wir zweifeln vielmehr nicht, daß er so handelte, weil er klar war über die Gefahren, die er über sein
eigenes Reich Heraufziehen würde, wenn er an einem Kriege zur Niederbeugung des deutschen Liberalismus Theil nähme, wie über die Gefahren, welche Oesterreich dadurch für die gesummte Konföderation heraufbeschwört, indem es den einzigen Planen, welche zugleich die Bewahrung der Ordnung und die nothwendige Achtung vor der Meinung eines aufgeklärten begeisterten Volkes in Aussicht stellen, blinden Widerstand entgegensetzte."
Frankreich.
Paris, 17. Juni. Die Minister wollen im Falle der Verwerfung des Dotationsgesetzes zurücktreten. Der Präsident der Republik wird jedoch in diesem Falle bloß das Elysee- National verlassen, um als Privatmann zu leben und seine Präsidentschaft ohne officiellcn Aufwand zu beenden. Alle Befürchtungen vor extremen Entschlüssen sind verschwunden.
— Die „Opinion-Publique" will wissen, daß der Präsident der Republik, besser berathen als seine Minister, sich gestern entschlossen habe, die durchaus ehrenvollen Vorschläge, die der Ausschuß der Nationalversammlung machen wird, an- zunehmen. Ein anderes Blatt behauptet, daß man im Elysee- National die Absicht hege, im Falle der Verwerfung des Do- tationsgcsctzes eine Berufung ans Volk unter der Form einer National - Subskription ergehen zu lassen.
— Das „Univers" behauptet mit Bestimmtheit den „Debüts" und dem „Konstitutionnel" zum Trotz, woran auch eigentlich Niemand zweifelt, daß die Reise des Hrn. Thiers zu Ludwig Philipp einen politischen Zweck gehabt habe. Die legitimistische „Opinion publique" gibt deutlich zu verstehen, daß Hr. Thiers zur Versöhnung der beiden Bourbonenlinien beigctragen habe. — Die kürzlich entlassene Militärs sind plötzlich, zum Theil sogar noch auf dem Marsch in ihre Hei- math, wieder einberufen worden. Es heißt, daß die Mitglieder der Majorität die Beurlaubung einer Anzahl gedienter Soldaten als eine anteilige Maßregel mißbilligt haben. — Die Nationalversammlung berieth in ihrer heutigen Sitzung nur Gegenstände von untergeordnetem Interesse. Der Präsident machte eine Anspielung auf die bevorstehende Vertagung. Schon um 3'/< Uhr schloß die Sitzung. — Schlußkurse: 5pCt. 93, 35. 3pCt. 56, 15. Bankaktien 2220. 3pCt. Span. 34.
Schweiz.
Bern, 16. Juni. Auf den 1. Juli ist die Bundesversammlung einberufen. Es werden von derselben namentlich auch der Bundespräsident und Dicepräsident, die Präsidenten und Vicepräsidenten des National- und Ständeralhs gewählt werden.
Ernennungen rc.
Es wurde dte erbetene Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen folgender vom Großherzogthum von Hessen verliehener Orden ertheilt:
dem Generalmajor und Chef des Generalstabes, v. Helm- schwer d, und
dem Generalmajor und Generaladjutanten v. Specht zur Annahme und zum Tragen des Großkreuzes des Ordens Philipps des Großmüthigen ;
dem Rittmeister Ludwig v. Schenck zu Schweinsberg zur Annahme und zum Tragen des Ritterkreuzes des Ludwig-Ordens, und
dem Stallmeister T h i e l e m a n n zur Annahme und zum Tragen des Ritterkreuzes des Ordens Philipp des Großmüthigen.
Börfennachricbteu
Frankfurt, 18. Juni. 5pSt. Metall.: Papier 797«, Welt 797«. 472pßt.: Pap. 697«, G. 697«- Bankaktien: Papier 111 5, Ä. 1110. 500 fl. Loose: Pap. 1487,, G. 148. 250 fl. Loose: Pap. 94, G. 93 72. Bad. 35 fl. Loose: Pap. 317«, 65.317«. Hess. 40 Tblr. Loose: Pap. 32 7«, G. 327«. Großberz. Hess. 50 fl. Loose: Pap. 75'/«, ®.7474. Poln 500 fl. Loose: Pap. 81'/«, G. 81. Frdr.-Mlh.Mordb. : Pap. 42'/,7G. 42-/,. Lerbach: Pap. 8074, Ä. 80y4. Nöln-Mindcn: Pap. 96, G. 9572. 3pCt. inllrnd.Span.: Pap. 33-/,,, G.33'/.,. 4'/2pGt. Sßürt.: Pap. 97'/«, G. 967„. 5pCt. Bad.: Pap. 1017-, ®. 1007«. 5pCt. Nass.: Pap. 103-/,, G. 1027«. 4^pCt. Belg.: Pap. 91'/«, G. 9074.
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und Dr. A. Pfakk. — Oruck von Friedr. Scheel in Kassel.