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chen wird. Es liegt aber auch eine Aufgabe für die Unions- gewalten nahe, welche wegen der kurzen Dauer des Unionsprovisoriums bald ihrer Lösung entgegengehen muß; dieß ist die Festsetzung der weiteren Gestaltung des Provisoriums und des Ueberganges der Union in das Dcfinitivum. Die Trostlosigkeit, welche uns aus den dunkeln Intentionen der Gegner von Frankfurt a. M. und aus den gegnerischen Kabinetten entgegenkemmt, wird so gemildert durch die klare Thatsache, daß die Union ein fester Eckstein ist, aus dem der Bau der deutschen Dinge einen soliden Fortgang nehmen wird.
Berlin, 15. Juni. Der Nachricht, daß der Wiederzu- sammentrilt des Erfurter Parlaments im nächsten Monat zu erwarten steht, muß eine andere an die Seite gestellt werden, die nämlich, daß die preußischen Kammern dagegen gewiß nicht vor dem Monate November zusammenkommen werden. Abgesehen von der aus der Unmöglichkeit des gleichzeitigen Tagens beider Versammlungen hcrzuleitenden deßsallsigen Vermuthung soll diese Frage auch bereits eine bestimmte Entscheidung im Schooße unseres Staatsministeriums erfahren haben. Als cs sich um den Erlaß der Preßverordnung handelte und die Frage in Betreff der Nothwendigkeit einer Ok- tropirung zur Sprache kam, ist cs nämlich auch in Erwägung gezogen, inwiefern es zur Erledigung dieser und einiger anderer dringender Angelegenheiten nicht vorzuziehen sei, die Kammern in nächster Zeit zu berufen. Die Mehrheit der Minister sprach sich aber dahin aus, daß ein hinreichender Grund hierzu vor der gesetzmäßigen Zeit nicht vorliege. (Wes.-Z.)
Berlin, 17. Juni. Die Konstit. Korresp., bekanntlich ein ministerielles Organ, enthält Folgendes: Die Nachrichten aus Frankfurt lauten ungünstig und lassen wenig Hoffnung auf das Zustandekommen einer Einigung zwischen der deutschen Union einer- und Oesterreich nebst seinem Anhänge andererseits. Zwar legen wir geringes Gewicht auf Das, was uns über das persönliche Auftreten des Grafen Thun den Unionsbevollinächtigtcn gegenüber erzählt wird. Denn abgesehen davon, daß so etwas ganz individuell sein kann, ist es bekannt, daß kaiserl. Agenten seit der Pacifikation Italiens und Ungarns überall bemüht sind, durch einen hochfahrenden Ton den etwas zweifelhaft gewordenen Glauben an die ungeschwächte Macht ihres Staats wiederzubeleben. Man muß hier den Verhältnissen Berücksichtigung schenken. Oesterreich mußte den durch die Ereignisse von 1848 herbeigeführ- ten augenblicklichen Verlust seines Einflusses auf Deutschland um so schmerzlicher empfinden, als es sich zugleich zeigte, daß Deutschlands innere Verhältnisse sich ohne Zuthun Oesterreichs in völlig befriedigender Art gestalten ließen, daß es nicht einmal zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung in Deutschland (Dresden, die Pfalz und Baden) österreichischer Hülfe bedurfte , und als sich ferner durch die österrrichifche Verfassung vom 4. März v. J. klar darthat, daß cs Lebcnsbedingung des Kaiserstaats sei, das deutsche Interesse dem Interesse seiner außerdeutschen Länder unterzuordnen, ja gänzlich zu opfern. Wenn nun jetzt dahin gestrebt wird, den verlorenen Einfluß wiederzugcwinnen, so kann ein brüskes Auftreten um so weniger befremden, als außer dem natürlichen Gefühle der Erbitterung über den Verlust auch das Bewußtsein rege wird, daß die Lage des österreichischen Staats in finanzieller und politischer Hinsicht noch immer eine höchst bedrängte, fast verzweifelte ist, welche von selbst dazu auffordert, sich wenigstens auf der Seite, wo cs am ersten möglich scheint, die alte höhere Stellung wieder zu verschaffen. Diese Seite ist Deutschland, das man durch barsches Drängen und Drohen in das frühere Verhältniß zurückzuzwingen hofft.
Berlin, 18. Juni. Heute in den Vormittagsstunden fand die Grundsteinlegung des von dem Konnte für Berg und Mark angeregten und durch Sammlungen in allen Provinzen fundirten Denkmales für die in den Jahren 1848/49 gebliebenen Krieger Statt. — Auf dem großen Platze im Parke vor dem Jnvalidenhause war in der Mitte vor der Baugrube ein Zclt errichtet, das reich mit Laubgewindcn geschmückt, mehrere Prachtscssel für die K. K. M, M. enthielt. Eine große Tribüne war dem Gebrauch des Publikums vorbehalten.»
Unmittelbar vor derselben hatte der Domchor seine Stelle. Ebenso war eine Reihe Stühle für die Angehörigen der Gefallenen reservirt. — Zehn Minuten vor elf Uhr gaben drei Kanonenschüsse das Zeichen zum Beginn der Feierlichkeit. Die Fahnen von sechzehn Garde-Bataillonen, geleitet von einer Kompagnie Garde-Infanterie, eröffneten den Zug, der sich von dem Hofe des Jnvalidcnhauscs der Baugrube näherte. Die Geistlichkeit Berlins, geführt vom Feldprobst Bollert, die Deputationen von vielen Regimentern, die städtischen Behörden, die Deputationen der Universität, der Dikasterien der Schützengilde, bildeten in fernerer Reihe, außer einer zahlreichen Suite von hohen Militairpcrspnen den glänzenden Zug, der sich, die Fahnen neben der Baugrube, die Militairpersonen hinter und neben dem königl. Zelt, in einem weiten Kreise um den Grundstein aufstellte. — Um elf Uhr erschien der König und die Königin und nahmen auf den für sie bestimmten Sesseln Platz. Hinter ihnen die Prinzen des königl. Hauses, die Minister und das Hofgefolge. Nach einem einleitenden Choral, der vom Domchor mit Begleitung der RegimcntSmusik gesungen worden war, hielt Feldprobst Bollert eine kurze Predigt über die Bedeutung des zu begründenden Denkmals Im Namen des Komitës für Berg und Mark las hierauf der Artillerie- lieutenant Harkort I. die Urkunde vor, nebst dem Verzeichniß der dem Grundstein cinzuverleibenden Schriften und Dokumente, unter denen auch 4 Nummern der Wehrzeitung enthalten waren. Sc. Maj. der König vollzog hierauf die Urkunde und wurde demnächst dieselbe dem Denkstein übergeben, worauf von Sr. Maj. die üblichen drei Hammerschlägc gethan wurden. Nach einem Psalm auö Paulus von Mendelssohn: „Selig sind die da erduldet haben!" segnete der Feldpropst Bollert den Grundstein ein und eine Salve von schwerem Geschütz nebst einem von der ganzen Versammlung mitgcsungenen Choral beendete die Feierlichkeit. Zahlreiche Lebehochs, die dcm Königspaar dargcbracht wurden, erwiderte dasselbe durch Grüße. Der König und die Königin, die Beide ungemein heiter und wohl aussahen, unterhielten sich noch kurze Zeit mit den Angehörigen der Hinterbliebenen und fuhren nach dem Ende der Ceremonie auf den Kirchhof des Jnvalidenhauses, um dort einige Blumenkränze auf den Gräbern der am 18. März gefallenen Krieger niederzulegen. Obgleich der Himmel trüb und umwölkt war, störte doch kein Regen die Stunde der Feierlichkeit. — Das Gedenkfest hatte übrigens bereits gestern Mittag mit der Aufführung des Oratoriums Elias von Mendelssohn in der Garnisonkirche begonnen. Den Schluß der Festlichkeiten in dieser Woche wird eine am Sonnabend den 22. Nachmittags in der Sophienkirche stattfindende musikalische Dankfeier für Errettung und Genesung Sr. Maj. des Königs, mit Unterstützung der besten Kräfte der Hauptstadt, bilden.
— Von mehreren Blättern wird mitgetheilt, daß dem Hrn. v. Meyendorff der Vorschlag gemacht worden sei, den Gesandtschaftsposten in Wien statt des Grafen Medem zu übernehmen. Derselbe habe dieß Anerbieten jedoch bestimmt abgelchnt und den Kaiser vielmehr wegen seiner überaus geschwächten Gesundheit um seine Pensionirung gebeten. — In den hiesigen Militär-Gcwebrfabrikcn wird eine außerordentliche Thätigkeit , namentlich in Bezug auf die Anfertigung von Zündnadel-Gewehren, entfaltet. Die Thätigkeit ist eine solche, daß durchschnittlich alle vier Wochen ein Bataillon mit Zünd- nadkl-Gewchren versehen werden kann. Man ist nun auch damit beschäftigt, Zündnadel-Büchsen für das Garde-Schützcn- Bataillon zu beschaffen. Die Jäger-Bataillone haben bereits solche erhalten. — Die Friedensunterhandlungen zwischen Deutschland und Dänemark sind hier am 13. Juni wieder ausgenommen und schon am 15. Juni die zweite Konferenz mit den dänischen Unterhändlern gehalten worden. Natürlich läßt sich über dcn Inhalt dieser Verhandlungen noch nichts Sicheres melden. — Auch in diesem Jahre, am heutigen Gedächtmßtage des Sieges von Belle-Alliance, waren in der Frühe die Standbilder der Helden des Freiheitskrieges Blücher, Bülow und Scharnhorst reich bekränzt. Dieses Mal erfuhren wir, wie der wackere Patriot heißt, der dieses Opfer der Pietät alljährlich in nächtlicher Stille darbringt: cs ist