Einzelbild herunterladen
 

Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Mittwoch, 19. Juni 1850 ^^ 283* Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Untcrhattungsblalt beigegeben. Die Morgen Ausgabe wird von '/JI bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr ererdirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kastel in der Lttckbardt'schcn und Vollmauu'schen Buch - und Kunsthandlung. Der ÄbonnrmentSpreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Auzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Petitzcile berechnet und in der Expedition dieses Blattes, Karlsstraße Nr. 88, sowie in der Luckhardt'schen Buchhandlung, Dionysienstraßc Nr. 165, angenommen.

-- ITT II! II HMII IIIIIMMIMHITBII IlfÜlllll I I |71> IMI IIBBwT -'- ^"^ -" ^ » ^^^. n.r. .i^m^nMinBMUM nrill »Ml"K !ir»rn^^sTnCTaaaaCTMrara»MMW»i3a*JM^^ «^«y,Jn^»»<»/<^n.^m^.rwm'^^y.rJ^

Deutschlaud.

Berlin, 15. Juni. Man hat hier Kunde von einer Seitens der russischen Regierung in ganz bestimmter Form abgegebenen Erklärung, worin dieselbe ihren bestimmten Willen dahin ausspricht, den von Seiten Englands auf mehreren E Punkten Eui opa's ähnlich wie in Griechenland versuchten Ein­mischungen und Uebergriffen mit Entschiedenheit cntgegenzu- trctkn. Dem König von Neapel, den der Kaiser von Rußland bei der deSfaUsigen Kundgebungseinen getreuesten Verbün­deten" nennen soll, seien sogar, wie hinzugefügt wird, für diese Eventualität russischer Seits Truppen und Schifte zur Disposition gestellt worden. Es ist richtig, daß dem Hrn. v. Mcyenvorff der Vorschlag gemacht worden ist, den Gcsandt- schaftsposten in Wien statt des Grafen Medcm zu übernehmen. Derselbe hat dieß Anerbieten jedoch bestimmt abgclebnt und den Kaiser vielmehr wegen seiner überaus geschwächten Gesund­heit um seine Pcnsioniruug gebeten.

Briefe aus London melden, daß sich daselbst plötzlich die ungarischen Officicre in großer Zahl versammeln. Man ist hier in manchen Kreisen geneigt, diesem Faktum eine politische Wichtigkeit beizulegen und will dahinter Pläne bedeutsamer Art suchen. Vorgestern kam hierselbst der russische Geheime Staatsrath v. Tengoborski an. Wir verweisen schon jetzt auf die Wichtigkeit der Reise dieses Staatsmannes, deren nächstes Ziel die österreichischen Staaten sind. Herr v. Tengoborski war bekanntlich längere Zeit bei der russischen Gesandtschaft in Wien angcsteUt und schrieb damals ein zweibändiges be­deutsames Werk über Vie österreichischen Finanzen, welches von der tiefsten Sachkenntnis' zeugt. Er ist gegenwärtig der persönliche Berichterstatter des Kaisers über alle in dieses Fach einsehlagcukcn Fragen. Da nun aber der Kern der ganzen Angelegenheiten Oesterreichs im Augenblicke in den finanziellen Verhältnissen liegt, so werden sicherlich die Beobachtungen, welche Herr v. Tengoborski auf dieser Reise hierüber macht, nicht ohne Rückwirkungen bleiben.

Berlin, 16. Juni. Ueber die Stellung und Anzahl des böhmischen Armeekorps berichtet ein Korrespondent der Leipz. Zeitung aus eigener Anschauung Folgendes: In den vier mit Sachsen gränzenden Kreisen von Eger, Saatz, Lcit- meritz und Jungbunzlau standen zu Ende vorigen Monats 16 Bataillone Infanterie, 5 Kavallerieregimenter, 2 Abtheilungen Jäger und 8 Batterien, wovon aber 2 auf die Festung The­resienstadt fallen. Im Ganzen und als präsent angenommen beträgt diese Macht 28,500 Mann ; die zahlreichsten Garni­sonen sind im Leitmeritzer und Saatzer Kreise, aus dem ein­fachen Grunde, weil dort die größeren und wohlhabenderen Ortschaften sich befinden. Im eigentlichen Grânzbezirke liegen nur kleine Detachements, Die Stäbe und das Gros haben sich tiefer zurückgezogen. Hauptquartier ist Lobositz; die ge­lammte in Böhmen vertheilte Militärmacht ist nicht über 45,000 Mann auzuschlagen, was für ein Land von mehr als 4 Millionen Menschen und eine im Belagerungszustand be- sindliche Hauptstadt selbst in gewöhnlichen Zeiten nicht zu viel sein dürfte. Der Sch les. Zeitg. wird von hier geschrieben: Fürst Schwarzenberg und seine Gesinnungsgenossen gedenken an einen europäischen Kongreß zu appelliren'. Es ist klar, daß die europäischen Mächte ziemlich alle ein Interesse daran

haben, die alte Bundesverfassung mit ihrer ganzen Zersplitte- luug aufrecht zu erhalten. Wiewohl nun die Bundesgrund- gesetze ausdrücklich eine Einmischung desselben verbieten, würde doch für Oesterreich, Sachsen, Baiern, Württemberg, ja wohl auch Hannover nichts erwünschter sein, als ein solches euro­päisches Restitulionsedikt, das den Bundestag dekrelüte. Wir glauben, daß in diesem Falle es Pflicht der Union sein würde, die Ehre des deutschen Namens zu retten. Die Union kann und darf keinen solchen Schritt dulden, sie wird dann zuerst sich als deutsche Macht dem Auslande gegenüber zu zeigen huben , und ihr erster Wahlspruch wird sicherlich ein »Nee aspera terrent! sein. Hier eiugelroffcncn Nachrichten zufolge, schreibt die V. Z., hegt man in Kassel, neben dem Plane der Vereinigung der beiden Hessen, auch noch die Ab­sicht, die Fürstenthümer Schaumburg-Lippe und Waldeck, als vormalige Lehen des Kurfürstenthums, mit Kurhrssen zu ver­binden. Dem Vernehmen nach sollen von kurhessischer Seite keine Mühen gespart werden, um diesen Plan zu erreichen, eine Aussicht auf Erfolg jedoch nicht vorhanden sein. Be­sonders ist cs der Erbprinz von Schaumburg-Lippe, welcher nichts weniger als Sympathien für Kurhessen hegt. Die V. Z. und Sp. Z. halten cs für nothwendig, Dem Gcrüchte zu widersprechen, daß sich die preußische und dic sächsische Regie­rung über die Behandlung der Preßangrlegenbeiten verständigt haben. Die Sp. Z. setzt noch hinzu: Die Verordnung vom 5. Juni ist in unserem Staatsministerium durch allgemeine Betheiligung und Abstimmung der Mitglieder geschaffen wor­den. Ein Gerücht läßt insbesondere die Betheiligung unseres Handclsministcis bei den Bestimmungen der Verordnung her­vortreten. Der Fall wird ein anderer bei den Abstimmungen im Unionsministerium , worin bekanntlich nur zwei unserer Minister, die Herren v. Manteuffel und v. Schleinitz, ihre Departements haben. Daher wird wohl das dem Parlamente vorzulegente Preßgcsctz in sämmtlichen Unionsländern anders gestaltet sein, unD man hört, daß es insbesondere die polizei- iidjen Befugnisse , welche in der Verordnung vom 5. Juni aufrecht erhalten sind, auf einen bedeutend kleineren Kreis zu- rüdfübren wird. Die letztere Mittheilung bestätigt eine von uns schon vor einigen Tagen gegebene Nachricht. Auch die V. Z. theilt mit, daß bei der Abfassung des neuen Entwurfs zum Paßgesetze für die Union die Principien der Verordnung vom 5. Juni n i tb t zum Grunde gelegt worden sind.

Berlin, 16. Juni. Schon seit geraumer Zeit ist im Schooße der Regierung der Plan angeregt worden, einen Staatsrath, wie er in anderen konstitutionellen Staaten cxistirt, zu bilden. Minister v. Manteuffel gab gelegentlich in der II. Kammer bestimmte hierauf bezügliche Hinweise. Bei der jetzi­gen legislativen Thätigkeit in den Ministerien hat sich wieder­holt die Nothwendigkeit einer solchen Institution herausgestellt, umsomehr, als cs sich immer zeigt, wie die Gesetzgbung der letzten zwei Jahre in gewisser Hinsicht eine mangelhafte ist, weil sie dem Eindrücke bestimmter, oft nur vorübergehender Ver­hältnisse unterlag, die einer so schleunigen Begegnung bedurf­ten, daß nicht immer eine gründliche Vorbereitung und Durch­arbeitung der Gesetze, wie sie sonst in Preußen Statt fand, möglich war. Diesen Uebclständcn, die provisorische Gesetze hauptsächlich Hervorrufen, wird man bemüht sein, fernerhin