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die preußischen Bevollmächtigten mit ihren Forderungen nicht durchdringen. Graf Tdun hat wiederholt geäußert:Der österreichische Doppelaar beugt sich nicht, es bat Oesterreich nie an Ausdauer gefehlt, wir werden auch jetzt ausharren und Allem entgegentreten, was die Heiligkeit der Verträge untergräbt." Graf Thuu, so versichern glaubhafte Briefe aus Frankfurt, sei ein Fanatiker gegen die Union und, selbst der ultramontanen Richtung angehörig, unterliege er den sich in Süddeutschland immer mehr geltendniachenden Einflüssen der Ultramontanen. Es geht Dieß soweit, daß die Vertreter vor­zugsweise protestantischer Länder, welche sich bisher Oesterreich angeschlossen haben, von dem Grafen Thun wenig ins Ver­trauen gezogen werden. Dadurch sowohl als vornehmlich durch die Protektion, welche Oesterreich dem Vertreter des zeitigen Reichsfeindcs Dänemark zu Theil werden läßt, ist unter den bis­herigen Mitgliedern der frankfurter Konferenz eine gewisse Miß­stimmung entstanden. Ueber den bairischen Protest gegen den Vertreter des Herzogs v. Holstein, Legalionsralh v. Bülow, haben zwischen dem Grafen Thun und General v. Zkylander Verhandlungen Statt gefunden. Es ist bei der moralischen Einwirkung, die diese Sache auf die ganzen frankfurter Be­rathungen erlangen kann, von Frankfurt aus eine direkte schleunige Verständigung zwischen dem wiener und Münchener Kabinet angebahnt worden. (D. A. Z.)

München, 12. Juni. Die Hoffnung, daß unsere Re­gierung einen entschiedenen Protest gegen die Zulassung des dänischen Bevollmächtigten v. Bülow dem Grafen Thun werde eröffnen lassen, ist leider! wie ich sicher erfahren, nur in be­schränktem Maße in Erfüllung gegangen. Projektirt war al­lerdings eine entschiedene Verwahrung. Oesterreichischen Vor­stellungen ist es aber gelungen, ihr die schneidende Schärfe zu nehmen. Hr, v. Lylander erhielt daher die Instruktion, sich nur unter der Voraussetzung für die Excludirung des Dänen auszusprechen, daß er in Frankfurt etwas gegen die Rechte der Herzogthümer unternehme, oder daß ein diese Rechte ver­letzender Friede von Preußen mit Dänemark geschlossen werden sollte. So lange indessen bloß die Verfassungsfrage in Frank­furt verhandelt würde, dürfe dem Souverän von Holstein die Theilnahme an den Berathungen nicht verwehrt werden, vor­züglich, um nichts unversucht zu lassen, was zu einer fried­lichen Lösung der obwaltenden Streitigkeiten führen könnte. Man kennt diese alte, abgedroschene diplomatische Wendung, wenn es gilt, Gehässiges, als den zärtlichsten Absichten für Recht und Gerechtigkeit entsprossen, darzustcUen. Die Forde­rung des Dänen nach einervertragsmäßigen Sonderstellung" scheint also nach baierischen Begriffen keine Verletzung ter Rechte Holsteins cinzuschließcn. Was nun den Friedensschluß Preußens betrifft, so weiß man hier sehr gut, daß das berliner Kabinet schwerlich ohne Einwilligung der anderen deutschen Staaten den Frieden abzuschließen geneigt ist. Andererseits würde Hr. v. d. Pfordten eben so wenig für die Herzogtbii- mer das Schwert ziehen, falls sie von Deutschland getrennt würden. Den Waffenstillstand erkannte Baiern nicht an, cr- bob gewaltigen Ruf für Deutschlands Ebre--ließ aber die Truppen nach Hause febren und hinterher durch die Regic- rungspreffe die Sache der Dänen vertheidigen.

München, 14. Juni. Der König hat dem k. griechi­schen Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Hrn. Anastasias Londos in Athen, das Großkreuz allerhöchstihres Verdienst­ordens vom beil. Michael verliehen. (N. M.Z.)

München, 14. Juni. Der sächsische Minister Hr. v. Beust, der nach den Dresdener ministeriellen Blätternledig­lich in Privatangelegenheiten" hier verweilte, ist von hier nach Stuttgart gereist. Auchlediglich in Privatangelegenheiten"?

Großbritannien.

London, 14. Juni. Kurz nachdem das Haus der Lords sich gestern versammelt hatte, trat Hr. Thiers, begleitet von Sir Edward Ellis, durch eine der Thüren in der Nähe des Thrones ein. Der französische Exministcr sah sehr ge­sund aus; er schien in der heitersten Stimmung zu sein und

G»De»^$Hr3raisrTraMP3>T.^«Lrarir.r3«Kwzti^JK;.^irnisazr,nr-,r?^zrv3i«^aiB£acaBiatoJ?«x5Äe3raimöaCT.MBxaMir^

unterhielt sich längere Zeit lebhaft mit verschiedenen Peers und Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, die an ihn her- antraten. Lord Palmerston, welcher von der Anwesenheit des französischen Staatsmannes benachrichtigt zu sein schien, eilte rasch herbei, und nach einer herzlichen Begrüßung von beiden Seiten fand eine lebhafte Unterhaltung von Beiden Statt, welche einige Minuten bauerte. Darauf näherte sich auch Lord Brougbam und nach ihm der Marquis v. Lansbowne dem Throne. Beide schüttelten Hrn. Tbiers die Hand, dem Anscheine nach mit der größten Herzlichkeit. Der Geschicht­schreiber des Konsulates und des Kaiserreiches blieb nur kurze Zeit im Hause; allein während seines kurzen Aufenthalts schien er Augen für jedes anwesende Mitglied und für jede Eigenthümlichkeit des Sitzungs-Lokals Ihrer Herrlichkeiten zu haben.

Anfragen, Rügen und Wünsche.

Es wäre sehr wünschenswerth, wenn die (jetzt wieder be­vorstehenden) Schulferien bei den verschiedenen öffentlichen und Privat-Schulanstalten zu einer und derselben Zeit einträ­ten. Die Verschiedenheit der Ferienzeit ist für diejenigen Eltern, deren Kinder verschiedene Schulanstalten besuchen, in vielen Beziehungen sehr störend, dürfte auch schwerlich dem Interesse der zahlreichen Lehrer entsprechen, welche bei ver­schiedenen Anstalten zugleich beschäftigt sind. Als Norm für die gemeinschaftlichen Ferien würden die Gymnasialferien die­nen müssen, weil gerade diese Anstalt an das System der sämmtlichen Landesgymnasien gebunden und nicht im Stande ist, etwaige Aenderungen vorzunehmen, eine Schwierigkeit, welche bei allen übrigen hiesigen Sehulanstalten nicht im Wege steht. x.

Vermischtes.

Der Kaiser Sculouque von Haiti hat einen Schriftsteller, der eine kleine Schrift gegen den Kaiser und seine Gemahlin veröffentlicht, in siedendes Pech werfen hissen. Da der Verfasser jedoch aus der kleinen unter dem Schutze der nordamerikaniscken Freistaaten stellenden Republik Liberia war, so hat der nordamcritanisckc Konsul energischen Protest gegen das Verfahren seiner schwarzen Majestät eingelegt. Man glaubt, daß die nordamerikanische Regierung alle Maßregeln ergreifen wird, um künftig die unter ihrem Schutze stehenden Personen vor einem gleichen Schicksal zu bewahren.

Posen, 9. Juni. AuS unseren polnischen Zeitungen erfahren wir jetzt, wie cs mit der Civilisation der Israeliten in Krakau ausücht. Der dortige Rabbiner Bär Meiselcs bat einen aus jüdischen Geistlichen zusammengesetzten religiösen Gerichtshof gebildet, der am 21. Mai d. I. folgenden Urtbcilèspruch that:Den jungen Leuten, die sich mit welt­lichen Wissenschaften beschäftigen, soll zur Strafe dafür, daß sie Bücher lesen, die der Religion und ihren Gesetzen zuwider sind, bis jum Monat Elal d. I. (September) das Lesen polnischer und deutscher Schriften überhaupt verboten sein. Ebenso sollen Bücher belletristischen, historischen und philosophischen Inhalte, die in der gelehrten hebräischen Sprache geschrieben sink, vor Beendigung des 25sten Lebensjahres nicht gelesen werden. Auch das Erlernen der Geschickte aus Rotteck ist unbedingt verboten; gegen Bcckcr'ö Weltgeschichte dürfte nichts cinzuwenden fein ; die Bücker werden erst nach dem Monat Elal ccnsurirt werden." Ter dortige Rabbi Melsch hat sogar alle jungen Leute, die höhere Schulen besuchen, crkommunicirt, und gestattet ihnen den Zutritt zu den Bethäu­sern nicht. (A. 3 )

Aekanntmachungen.

In Dem zum Verkaufe des Den Koch'schen Erben zustchcm Den, in der hiesigen Bellevue-Straße unter Ni. 12 belegenen Wohnhauses sammt Zubebörungen, anbezielt gewesenen Termin ist kein annehmliches Gebot erfolgt. Es wird deßhalb zweier Verkaufstermin auf den 24. d. M. und eventuell dritter auf den 4. k. M., Vormittags 12 Uhr, in mein Geschäftslokal, Kölnische Straße Nr. 265, angesetzt, zu welchem Kauflustige mit dem Bemerken ringelnden werden, daß die Versteigerung mit dem Gebote von 20,000 Thaler eröffnet werden -soll und daß die Bedingungen bei mir zur Einsicht offen liegen.

Kassel, am 10. Juni 1850.

[473] Alsberg, Obergerichtsanwalt.

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Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Dctkcr. Redaktion: Fr. Detker unk Dr. A. Pfaff. Druck von Friedr. Lcheel in Kassel.