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ständiger Tagdieberei noch ein Mal für die Versammelten im Bundcspalais zurückgckebrt ju sein scheint. Inzwischen hoffen wir, daß die Ereignisse außerhalb Frankfurts den allseitig zu wünschenden Wechsel der hiesigen Sachlage herbeisübren werden. Wir empfangen Andeutungen von veränderter Auffassung im wiener Kabinet. Wohin unter solchen Umständen die Wege aller mittleren und kleinen deutschen Staaten gehen, dürfte bereits von Mecklenburg - Strelitz erkannt sein, da der Bevollmächtigte dieses Landes plötzlich, einer ihm zugegangenen Weisung gemäß, Frankfurt verlassen hat. Auch die groß- herzoglich 1) es fliehe Regierung soll mit der entschiedenen Annäherung des Hrn. v. Dalwigk an die österreichische Bundes- tagspartei unzufrieden und zur Abberufung dieses Bevollmächtigten entschlossen sein. Desgleichen bat Kurhessen bis zur Stunde keinen Vertreter hierher gesendet; man folgert daraus, und da Nassau mit unerschütterlicher Treue zur Union steht, raß die beiden Hessen bereits einer Taktik entsagt haben, deren komische Seite wir unerwähnt lassen, da sie allein schon der einfachsten Selbstliebe wie jeder verständigen politischen Anschauung zuwiderläuft. (Köln.Z.)
Mannheim, 12. Juni. Obergerichts-Advokat Brentano ist, weil er den gemachten Beweisauflagen nicht nachgekommen, verurtheilt, an die großherz. Generalstaatskasse 11,382 Fl. zu bezahlen. Wie bekannt, ist derselbe in Amerika, sein Vermögen aber schon früher mit Beschlag belegt worden. (F. I.)
Großbritannien.
London, 13. Juni. Die „Times" berichtigt heute die übertriebenen Angaben über LouiS Philipps Gesundheitszustand, derselbe ist durchaus nicht unmittelbar gefährlich; die Luft in St. Leonards hat dem Exkönige sehr wohl gethan, und er hat schon wieder spazieren fahren können. — Schlußkurse: 5pEt. 93, 70. 3pCt. 56, 30.
— Die preußische Regierung ist durch ihren Gesandten bei der hiesigen Regierung um Ausweisung einzelner deutschen Flüchtlinge eingekommen, hat aber einstweilen, wie wohl zu erwarten stand, eine abschlägige Antwort erhalten. Nach den englischen Gesetzen, einschließlich der im Jahre 1848 gegebenen neuen Fremdengcsetzcs, steht der hiesigen Regierung nur dann das Recht zu, einen hier wohnenden politischen Flüchtling auszuweisen , wenn ihr faktische Beweise vorgelegt werden, daß derselbe die Ruhe des seine Ausweisung fordernden, in freundschaftlicher Beziehung zu England stehenden Staals gefährdet. Wenn nun auch die Korrespondenz der hiesigen politischen Flüchtlinge mit Deutschland augenblicklich sehr lebhaft ist, so können doch schwerlich Beweise, wie das englische Gesetz sie fordert, geliefert werden.
— Aus Malta wird unterm 30. Mai berichtet: General Graf Dembinski, seine Frau und etwa 80 Polen haben sich von Konstantinopel kommend am 25. Mai nach England ein- geschifft.
Frankreich
Paris, 14. Juni. Der „Moniteur" berichtet: „Es scheinen hin und wieder Zweifel zu bestehen über die Art und Weise, wie die Abberufung unseres Gesandten Lord Palmerston notificirt worden ist. Die Zweifel über die Genauigkeit, womit Hr. Drouin de l'Huys die Absichten der Regierung erfüllt hätte, entspringen besonders aus der Vergleichung des Datums des Abberufungöschrcibens und des Datums der Mittheilung desselben. Einige kurze Bemerkungen werden binreichen, um diese Vermuthungen zu zerstreuen. Erstens ist das Abberusungsschreiben aus Paris vom 14. Mai datirt, und Hr. Drouin de l'Huys hat es bestimmt am 15. Lord Palmerston vorgelesen. Zweitens hat Hr. Drouin de l'Huys, ehe er das Abberusungsschreiben vorlas, eine sehr lange Unterredung mit Lmv Palmerston gehabt und sich darin bemüht, von Lord Palmerston die Zurücknahme des Ultimatums des Hrn. Wyse zu erlangen. Hr. Drouin de l'Huys hat sich hierbei ganz nach dem Buchstaben und dem Geiste der Instruktionen der Regierung gerichtet, die vor der Ergreifung ver ernsten Maßregel einer Abberufung alle Mittel der Ver
söhnung erschöpfen zu müssen glaubte. Der Eifer und die Treue, die Hr. Drouin de l'Huys in der Erfüllung seiner delikaten und schwierigen Sendung bewiesen hat, haben bereits von der Regierung ein feierliches Zeugniß der Billigung erhalten. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Debatten, die vor der Nationalversammlung Statt finden werden, noch besser zur Würdigung der ausgezeichneten Dienste deS Hrn. Drouin de l'Huys beitragen werden, indem sie dieselben besser erkennen lassen werden." Man sieht bereits in dieser amtlichen Note eine Art Vorbereitung zum Eintritte des Hrn. Drouin de l'Huys ins Ministerium. — In wenigen Tagen werden die bedeutendsten Männer der orleanistischen Partei zu St. Leonards bei Louis Philipp versammelt sein. Hr. Guizot, der gestern Abend Paris verlassen hat und als dessen Reiseziel Deuschland angegeben wurde, wird sich, wie es heißt, wenigstens zuerst auch nach St. Leonards begeben, und Hr. de Broglie soll ihm heute ebenfalls dahin folgen. Der angebliche Zweck dieser Pilgerschaft, die an die nach Belgrave Square erinnert, ist die Mittheilung des von Louis Philipp entworfenen politischen Testaments. In gut unterrichteten Kreisen wird jedoch behauptet, daß cs sich vorzugsweise darum handele, die Herzogin von Orleans, die der Hauptwikerstand bei der beabsichtigten Versöhnung der beiden Bourbonenfami- lien ist, zum Nachgeben zu bewegen. — In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurden die Anträge, welche die Departementalräthe ermächtigen sollen, im Falle revolutionärer Ereignisse zu Paris in außerordentlicher Weise zusammen zu treten, mit bedeutender Mehrheit zur Berücksichtigung zugelassen. — In den Kasernen von Paris ist abermals eine Schrift der socialistischen Propaganda mit Beschlag belegt worden. Dieselbe zeigt weder den Namen des Druckers, noch des Verfassers, und führt den Titel: „Handlungen der nächsten provisorischen Regierung". Sie enthält ein Dekret, das in allen Truppenkörpern die Grade der Armee von den Korporals-Tressen bis zu den Obersten - Epaulettes der Wahl der Soldaten übergibt. Die Brigadegenerale werden von den Officieren und Unterofficieren jeder Brigade gewählt, die Divisionègcnerale von denen der Division. Der Exekutivgewalt bleibt bloß die Ernennung der Oberbefehlshaber Vorbehalten. — FelvmarschaU Radetzky ist am 9. Juni in Mailand angekommen. — Der Kaiser von Rußland hat für den Fall, daß Lord Palmerston in Toscana und Neapel gewaltsam einschreite und den Forderungen Englands durch die Kanonen seiner Flotte Nachdruck gebe, mit beschränkenden Maßregeln gegen den Aufenthalt der Engländer in Rußland gedroht. — Schlußkurfe: 5pCt. 93, 70. 3pCt. 56, 30. Bankaktien 2247, 50. 3pCt. Span. 337/9.
Bekanntmachungen
[479] Zum An - und Verkauf von StaatSpapiercn, desgleichen zu Wechselgeschäften aller Art, empfiehlt sich H. M. DeUevie, Hedwigsstr. Nr. 995, der Realschule gegenüber.
(477) Ich habe seit einer Reihe von Jahren alle neuen Geschäftsaufträge ablehnen müssen. Da die Hindernisse größ- tentheils gehoben sind, so dient meinen Freunden zur Nachricht , daß ich wieder für Aufträge (auch in Korrespondenz- sachen) zugänglich bin.
Kassel, den 14. Juni 1850.
Henkel, Obergerichts - Anwalt.
Todesanzeige.
Heute Morgen wurde meine innigstgelrebte Frau und die sorgsamste Mutter meiner fünf unmündigen Kinder, Helene, geb. Hünere^ t o r f f, nach dem unerforschlichen Rathschluß des Herrn von meiner Seite zu einem bessern Leben abgerufeu. Entfernten Verwandten und Freunden widme ich mit tiefbetrübtem Herzen diese schmerzliche Anzeige, mit der Bitte um stille Theilnahme.
Kassel, am 16. Juni 1850.
[480] Karl Badenhausen.
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Beramwortlicher Herausgeber: Fr. Setkrr. Redaktion: Fr. reifer unk Dr. A. Pfaff. — Truck von Friedr. Scheel in Kassel.