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Russe Bakunin an Oesterreich ausgeliefert worden ist. Vor­gestern ging Abends halb 5 Uhr auf der böhmischen Eisen­bahn ein Militärkommando von 25 Mann , sämmtlich ausge­wählte sichere Leute der Brigade Prinz Albert, unter dem Kommando des Oberlieutenants Vollborn von hier ab, ohne daß die Mannschaft über den Zweck und das Ziel der Expe­dition in Kenntniß gesetzt worden war. Auf der Station Königstein erwartete das Kommando der im Militärkommando hierselbst funktionirende Hauptmann v. Schimpf, welcher es auf die Festung führte. Nach Mitternacht wurde Bakunin ge­weckt unb- sofort in einem verschlossenen Wagen unter Bedek- kung des vorerwähnten Militärkommandos nach Peterswalde, an der Straße nach Teplitz gelegen, gebracht und daselbst am 13. Mai früh 6 Uhr einer bereits harrenden Abtheilung österreichischer Kürassiere übergeben. Die sächsische Eskorte trafge- stern gegen Abend in der hiesigen Kaserne wieder ein. (D. A. Z.)

Frankfurt, 10, Juni. Bekanntlich lauten die Nach­richten über die Warschauer Konferenz in Wien ganz anders als in Berlin. Auch die Augsb. Allg. Zeitung hat ihre be­sonderen Nachrichten, welche wieder anders lauten. Sie be­merkt unter nebenstehendem Datum Folgendes: Die Nachrich­ten, welche man hier über die Verhandlungen in Warschau empfangen hat, lauten ganz anders, als sie in Berliner und Wiener Berichten zu lesen sind. Es scheint eben damit zu gehen wie mit vielen andern Dingen, die sich jedem nach seinem Standpunkte verschieden darstellen. Der Kaiser von Rußland soll wenig Geneigtheit zeigen, sich in die inneren An­gelegenheiten Deutschlands einzumischen, und in dieser Hinsicht auf die im Laufe der beiden letzten Jahre mehrfach durch Cir- kulardcpeschen an seine Gesandten abgegebenen Erklärungen hingewiesen haben. Als seinen Ausgangspunkt zur Beurthei­lung hat er aber namentlich die 1815er Verträge bezeichnet, und soll ausdrücklich erwähnt haben, daß er der Verpflichtung, dieselben aufrecht zu erhalten, sich nicht entziehen werde, von welcher Seite die Beeinträchtigung erfolge, und von welcher Seite er zur Lösung seiner Garantiepflicht aufgcsordcrt werde. Dabei hat er dringend an die Nothwendigkeit ermahnt, nicht durch Zwistigkeiten der Kabinette einen allgemeinen Krieg zu entzünden. Daß ter Kaiser dem Unionèprojckl Preußens das Wort geredet oder daß er Preußen aufgefordert habe, zu der Bundesform von 1815 wieder zurückzukehren, darüber hat man keinerlei Nachricht. Es scheint vielmehr diese innere Fiage der Ausgleichung der deutschen Staaten unter sich überlassen zu sein. Dagegen wird mit Bestimmtheit versichert, daß Ruß­land von Oesterreich dringend erbeten habe, von dem Projekte der Einfügung des gesummten Kaiserstaats in den teutschen Bund abzustehen, und daß als Motiv dafür angeführt worden sei, daß das Slaventhum in dieser großen germanischen Ver­bindung sonst verkümmern müsse. Das wenigstens soll als der ostensible Grund eingestellt worden sein. Welcher Einfluß dadurch auf die innere Politik Oesterreichs geübt werden wird, ist nunmehr abzuwarten. Seine Politik in der deutschen Frage ist dadurch natürlich bedingt. — Von einer andern, als einer gesellschaftlichen Annäherung der Unionsdepulirten an die anderen zum Staatenkongreß versammelten Bevollmächtigten ist nichts zu vernehmen. Man scheint beiderseits verlegen, den Weg zum Anfang zu finden, und cs wird heute erzählt, daß Graf Thun sich Verhaltungsbefehle von Wien durch Entsen­dung eines Mitglieds seiner Legation erbeten habe. Personen, welche im österreichischen Vertrauen sind, sprechen die Ansicht aus, daß Oesterreich der Union nichts in den Weg legen werde, wenn sie am Main ihre Gränze ziehe und wenn die Unionsverfassung aufgegeben werde. Dem Ucbergriff nach Baden werde es beharrlich entgegentreten, und die Unions­verfassung könne cs nach feinem Standpunkte nicht anerkennen, weil der parlamentarische Vortheil, der darin dem Volke zuge- schievcn sei, dieselbe in einen nothwendigen feindlichen Ge­gensatz zu den außerhalb des Unions-Gebiets verbleibenden Staaten bringe. Die Sache sei so, daß der eine Verein den andern würde aufzehren müssen. (Bei VerfassungS- Auslegun­gen, wie sie eben bei den preußischen Preßverordnungen Statt gefunden, schwinden diese Besorgnisse.) Man glaubt, daß da

weder die Union dauernd gestiftet, noch auch nur für den Au­genblick ins Leben getreten ist, indem beide Hessen derselben ohne Zweifel den Rücken kehren werden, der Weg zur Ausgleichung sich noch finden lasse, besonders da, wie versichert wird, Oester­reich gegen eine Alternative mit Preußen im Präsidium der Bundesversammlung keine Bedenken erheben werde.

Frankfurt, 12. Juni. _ Hier in Frankfurt ist seit Menschengedenken nie eine öffentliche Institution mit mehr Gleichgültigkeit betrachtet worden, als die s. g. Plenarsitzun­gen der Bundeskonferenz. Eine der ersten Vorfragen 'des Grafen Thun betraf die Einsetzung eines provisorichen Central- organs. Gleich hierbei äußerten die kleineren Staaten ihre Beden­ken und Schaumburg-Lippe, Hessen-Homburg, Luxemburg und Mccklenburg-Strelitz fanden es nöthig, von vorn herein dar­auf aufmerksam zu machen, daß man (hört!) gegen allfällige Mediatisirungsvcrsuchc besondere Garantien auf stellen solle. Es haben darüber seither vertrauliche Separatsitzungen Statt gefunden und vorgestern ist der Gesandte von'Mccklenburg- Strelitz, Hr. v. Oertzen, wiederum abgereist. In denjenigen hiesigen Blättern, welche das nationale Element als das we­sentlichste erkennen, wird dieses Treiben der Konferenz als ein höchst würdeloses bezeichnet. Von den unionstrcucn Staaten hat noch keiner einer Konfercnzsitzung beigewohnt und wenn in mehreren Blättern Hr. Dr. garnier als der hiesige Abge­ordnete bezeichnet ist, so kann ich Ihnen auf's Gewisseste sa­gen, daß die Verlegenheit unseres Staats nie peinlicher ge­wesen ist, als gegenwärtig. Das Erfurter Parlament haben wir nicht beschickt, sondern uns für neutral erklärt; jetzt dür­fen wir, wie zum Spotte, die Konferenz in der eigenen Stadt nicht beschicken, um unsere vorgeschobene Neutralität nicht selbst zu verletzen. Der Senat wartet daher, bis er gezwungen wird, und daher ist weder Hr. Harnier noch sonst Jemand als Abgeordneter ernannt. — Zwischen dem preußischen und unserem Stadtmilitär herrscht wieder völlige Uebereinstim­mung. Die Oberofficicre von beiden Garnisonen haben durch kräftiges Einschreiten den Reibereien ein Ende gemacht.

(Hamb. N.)

Frankfurt, 13. Juni. Wie man hört, hat gestern eine vertrauliche Besprechung des Grafen Thun mit den Be­vollmächtigten der außerhalb der Union stehenden Regierungen Statt gefunden, bei welcher Gelegenheit die „Verfassungs­Kommission" ihre Arbeiten vorgelegt haben soll. Was von den letzteren verlautet, möchte schwerlich auf irgend einer Seite Billigung finden, da die Vorschläge das Münchener Projekt zur Basis nehmen und nur das Gruppensystem, welches zu­gleich mit einer siebenfachen Theilung Deutschlands auf Degra­dation Oesterreichs wie Preußens berechnet ist, weiterhin aus­gebildet vor Augen führen. Der Plan hat demnach nur die Repräsentanten der vier Königreiche zu seinen Urhebern; er weicht eben so sehr von dem, was angeblich scstgehalten wer­den sollte, von den Verträgen des Jahres 1815, wie von den Intentionen und Interessen der beiden Großmächte und der kleineren Staaten ab. (K. Z.)

Stuttgart, 14. Juni. Das heutige Regierungsblatt bringt endlich eine Bekanntmachung der nunmehr erfolgten Ausgabe des neuen Papiergeldes mit beigefügter Beschreibung desselben, sodann eine Verfügung über die Rangvcrhältnisse der Oberofficiere der Bürgerwehr. Der Führer eines Banners oder mehrerer Kompagnien hat Majors-, der Befehlshaber von mchreren Bannern Oberstlieutenants-, der Bezirksinspektor und der Befehlshaber der Stuttgarter Bürgerwchr Oberstenrang.

Frankreich.

Paris, 13. Juni. In der heutigen Sitzung der Na­tionalversammlung wurde das Gesetz wegen Pcnsionirung der im Juniaufstande Verwundeten und deren Hinterbliebenen von Seiten der Ordnungspartei mit 461 gegen 97 Stimmen ge­nehmigt. Der Minister des Innern legte einen Gesetzentwurf über die Theaterpolizei vor. Pascal Duprat's Antrag wegen Wahl der französischen Gemeinde- und Dcpartcmcntalbcbörden durch allgemeines Stimmrecht wurde mit 376 gegen 194 St. zurückgcwicsen. — Der Ausschuß für das Dotationsgesctz hielt heute eine Sitzung; vier seiner Mitglieder sind unbe-