Neue Hessische Zeitung.
Organ der konstitutionellen Partei.
Montag, 17. Juni 1850. 279» Morgen - Ausgabe.
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Deutschland.
Kassel, 16. Juni. In Nr. 277 d. Bl. ist auf den engen Zusammenhang der Auflösung der Stände» er- sammlung mit der deutschen Frage hingewiesen. In der That liegt auch in dieser Frage der tiefste Grund des Zwiespalts zwischen der Mehrheit der Ständeversammlung und dem Ministerium. Es ist bekannt, daß der Ministerwechsel in erster Linie nicht sowohl wegen der allgemeinen politischen Richtung des Märzministeriums, als vielmehr zunächst Behufs einer Aenderung der von demselben zu dem Bündnisse vom 26. Mai v. I. eingenommenen Stellung herbeigeführt worden ist. Die erste Handlung der neuen Minister war die Abberufung des damaligen Bevollmächtigten im Verwaltungsrathe, eines entschiedenen Anhängers des engern Bundesstaates. Wie ein rother Faden zieht sich seitdem die Feindseligkeit gegen das definitive Zustandekommen der deutschen Union durch alle offenen und versteckten Schritte des Ministeriums. Dieser Umstand ist es vorzugsweise, welcher die Ueberzeugung der Majorität befestigte, daß die jetzigen Minister „das Unglück des Landes, das Verderben der Regierung" seien. Diese Ueberzeugung und die damit zunehmende Erbitterung erreichte ihren Gipfel durch daö Auftreten Hasscnpflugs in Berlin. Die Ständeversammlung hatte noch keine Gelegenheit gehabt, ihren Unwillen hierüber und die volle Mißbilligung der Regierungspolitik auszusprechen; nur einzelne Redner hatten in beiläufigen Aeußerungen ihrem Herzen Luft gemacht. Endlich wurden die vielfach verlangten und erinnerten Aktenstücke vorgelegt. Der Ausschuß erstattete seinen Bericht *), in welchem das Verfahren Hassenpflugs aktenmäßig dargestcUt und einer scharfen Kritik unterworfen, auch der bekannte, die Hassen- pflugsche Politik mißbilligende Antrag zu Gunsten der Union mit Preußen gestellt wird. Der Bericht hält sich nur an die officirllcn Protokolle; bei der Diskussion in der Ständeversammlung würde aber ohne Zweifel auch das reiche Material der öffentlichen und Privatnachrichten benutzt worden sein, um HassenpflugS Verfahren im richtigen Lichte zu zeigen. Der Gefahr dieser Diskussion und dem unzweifelhaften Beschlusse der Ständeversammlung wußte sich Hassenpflug durch die übereilte und unzeitige Auflösung derselben zu entziehen.
Berlin, 14. Juni. Die V. Z. erzählt folgende Aeußerung des preußischen Gesandten am sächsischen Hofe: „Als derselbe die Antwortnote der hiesigen Regierung dem sächsischen Minister des Auswärtigen übergab, sagte er, und wahrscheinlich nicht ohne Auftrag seiner Regierung: Preußen werde den Krieg nicht provociren, aber auch nicht vermeiden. Preußen betrachte Sachsen als noch rechtlich zur Union gehörig, und es würde, im Falle österreichische Truppen in Sachsen ein- rücklen, das Recht der Union dadurch zu wahren wissen, daß es seinerseits ebenfalls eine Armee über die sächsische Grenze marschiren lassen werde." Wir erinnern daran, daß diese „Antwortnote" nur eine Empfangsbestätigung der von Sachsen ergangenen Note enthielt. — Nach der V. Ztg. sind in letzter Zeit von würtembergischer Seite hier Schritte geschehen, um den unterbrochenen diplomatischen Verkehr zwischen dem hiesigen und dem Stuttgarter Kabinet wieder herzustellen. Die hiesige Regierung habe aber alle dahin gehenden Anträge entschieden abgelchnt.
*) Wir lassen unten einen Auszug dieses Berichtes folgen. D. Red.
Berlin, 14. Juni. Der Staatsanzeiger bringt einen Nachtrag zur Preßverordnung, nämlich einen an die Regierungspräsidenten gerichteten Erlaß der Minister v. Manteuffel und v. d. Heydt, in welcher in Betreff der Koncessionsgewäh- rung und Entziehung für die zum Betrieb der Presse dienenden Gewerbe die Weisung ertheilt wird, daß eine von den Regierungspräsidenten mit Einsicht geleitete Plenarberathung in allen Fällen dahin führen werde, diejenige Linie zu finden und zu beobachten, welche ein Einschreiten des Staats vom gewerbpolizeilichen Standpunkte aus rechtfertigt und erheischt, ohne in eine dahin nicht gehörige Kritik von Specialitäten einzugehen. Es handele sich keineswegs um Wiedereinführung der Censur u. s. w.
Berlin, 16. Juni. Das letzte Büllctin über das Befinden des Königs lautet: „Se. Majestät der König haben diese Nacht vollkommen ruhig geschlafen. Die Vernarbung der Wunde ist bis aus einen kleinen Punkt vollendet. Se. Maj. der König haben daher zu befehlen geruht, daß fernerhin keine Berichte über allerhöchstderen Befinden veröffentlicht werden sollen. Schloß Sanssouci, am 15. Juni, Morgens 9 Uhr. (gez.) Schönlein. Grimm. Langeubeck.
Erfurt, 12. Juni. Hr. v. Ravowitz ist gestern Nachmittag von Baden-Baden wieder hier angelangt. Die Kur, obgleich er derselben kaum 14 Tage obgelegen, scheint, seinem Aussehen nach, auf seine geschwächte Gesundheit kräftigend eingewirkt zu haben. Wie wir erfahren, wird er nach sehr kurzem Aufenthalt sich nach Berlin begeben, um den ihm übertragenen Vorsitz im Fürsten - Kollegium einzunehmen.
Kiel, 13. Juni. Durch eine Verfügung des Departements des Innern vom gestrigen Tage wird ungeordnet, daß die allgemeinen Wahlen zu der ersten ordentlichen Landesversammlung bis zum 1. Juli, die andern, der Verfassung gemäß , bis zuni dreißigsten Tage nach der Publikation dieser Verfügung vollzogen sein sollen.
Altona , 13. Juni. (Alt. M.) Syndikus Prehn ist nun wirklich über Rostock hier oingetroffen und mit dem heutigen Abendbahnzuge weiter nach Kiel gegangen. Es läßt sich wohl nicht mehr daran zweifeln, daß einstweilen die Verhandlungen ganz abgebrochen sind.
Hannover, 12. Juni. In der heutigen Zeitung für Norddeutschland" macht Dr. Julius Frese bekannt, daß er die Redaktion dieses Blattes übernommen habe, und daß er in der Erhebung des deutschen Volks von 1848 den Boden erkenne, auf dem er „mit feinem ganzen politischen Dasein wurzele."
Braunschweig, 11, Juni. (D. R. Z) Zu dem am 18. d. M. hier Statt findenden Walerloo-Feste haben bereits mehr als 600 der noch lebenden Krieger jener^ denkwürdigen Zeit ihre Theilnahme angemelket. Interessant wird diese Versammlung besonders durch das Beisammensein jener einst für das theure deutsche Vaterland so hochbcgcisterten hel- dcnmüthigen Kämpfer vom v. Schillschen, v. Lützowschen, v. Hellwigschen und v. Marwitzschen Freikorps, so wie auch von fast allen Theilen der damaligen alliirten Armee. Selbst die Nassauer Brigade, welche bei Quatrebras ruhmwürdig gefochten hat, wird hier vertreten sein.
Dresden, 14. Juni. Von zuverlässiger Seite geht mir so eben die Mittheilung zu, daß gestern der wegen seiner Betheiligung am vorjährigen Maiausstande zum Tode ver- urtheilte und auf dem Königstein bis jetzt inhaftirt gewesene