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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Sonntag, 16. Juni 1850

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Morgen - Ausgabe.

Ticsc Zeltling erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Untcrhaltüngsblatt iqcaebcn. ^ic Morgen Ausgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Staffel von 5 bis 7 Uhr ercedirt. Sonnabends folgt die Ausgabe nur Abends, sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Pv>tämtrrn, in Kassel in der Luckbardt'schen und tonmannfdien Buch - und Kunsthandlung. Ter Abvnncmcmspreis beträgt halbjährlich 3 Thtr., vterteljährlich 1 Thtr. 15 Lgr., wofür lc kurhessischen.Postämter daS Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit I Sgr. für den Raum einer Petitzeile berechnet.

Dentfctckanv.

Berlin, 11. Juni. Der Prinz von Preußen hat be- cuntlich in Warschau mit Schwarzenberg besondere , private nterhaltungen gepflogen. Preußen könne und werde Oestcr- :ich das Piäsidialrccht in Deutschland,wo Preußen die eutsche Macht rcpräsentirc", nicht zusprechen. Die Union sei IV innern, deutschen Nothwendigkeit geworden und müsse an- , sannt werden. Endlich für das Organ des weitern Bundes i an eine Zustimmung zur Trias nicht zu senken. Dringe er Dualismus nicht durch, so müßten alle Staaten herange- ogen werden, die Exekutive aber bei Preußen und Oesterreich Uein ruhen. Schwarzenberg hat sich in dieser Privatkonse- cnz sehr nachgiebig erwiesen. Das Prasidialrccht sei für )estcrrcich keine Lebensfrage. Die Union könne unter Moda- itäten anerkannt werden. Kurz, er engagirt lieb fast! Daher eißt es in unserer halbosficieUen Welt, direkte Nachrichlcn us Wien klangen sehr accomodirend. v. Thun, der in Frank- urt schlecht unterrichtet war, erklärte über Vic Eröffnungen .nsercr Bevollmächtigten, die ablehnend ausfielen, wie Sie wissen, nach Wien berichten zu müssen. So steht cs. Wir sahrcn in Frankfurt noch alle unsere Positionen. Der Scp- embcrverlrag mit Belgien ist so gut wie verlängert, aber un- irr bedeutenden Movisikationen zu unsern Gunsten. Es scheint kur noch die Ratifikation der bclgischen Regierung erwartet u werden. (Wes.-Zlg.)

Was Oesterreich durch Nachgiebigkeit in Frankfurt chcinbar verlieren würde, darauf hatte cs mit Sicherheit von orn herein gar nicht gerechnet; es hatte viel gefordert, um wr etwas zu erlangen; den Hauptersap aber erwartet es in xr Okkupation Sachfens zu fincen, ans dem cs nicht so leicht vierer herausgehen wird, wenn cs erst festen Fuß in ihm ge­atzt hat. Sachsen selbst macht jetzt mobil, nicht um den remden Beistand überflüssig zu machen, sondern um den De- nonstralivnen des böhmischen Truppenkorps, ras sich in gar chlcchtem Zustande befindet, nachzuhclsen und es zll unier- ^en: ein kleines Korps hat jetzt zwei Meilen von der schle- lschen Grenze Kantonnements bezogen. Die Einrichtungen xr Union schreiten sachte vorwärts; von den Bevollmächtigten um Fürstenkollegium fehlen die mecklenburgischen und hessischen. Dr. v. Lepel, der sich hier aufhält, hat aus Darmstadt noch MM er keine Instruktionen erhalten, dagegen bat der Groß- wrzog einen seiner Beamten hergeschickt, der in Berlin zu Gunsten der österreichischen Prätensionen vermitteln soll. Daß ws Erfurtik Parlament im Anfänge des Monats Juli wieder inberufen wird, ist jetzt so gut wie zweifellos; die Union vird sich dann mit ihrem Bestände von treu gebliebenen Mil- ;lievern definitiv organifiren.

Berlin, 12. Juni. Dänemark hat, wie man hier in Berlin versichert, einen Schritt vorwärts zum Frieden gethan. Ls geht auf die preußischen Vorschläge mehr ein und erstrebt lur eine andere Formulirung berselben. Ferner hegt Danc- nark Den sehr eigenthümlichen Wunsch, man solle ihm garan- iren, daß es von Deutschland nicht angegriffen werde. Preußen ann das natürlich nicht versprechen. Seine Aktion muß sich darauf beschränken, die anderen deutschen Staaten zum Fric- eenSbritrilte einzuladen. Vielleicht wird zugegeben werden, daß man keinen Durchmarsch von Freischaaren nach den Her- wgthümern dulde. Es bestätigt sich übrigens, baß die Anträge der Vertrauensmänner von dem hiesigen russischen Gesandten

nicht mißbilligt wurden. Jetzt, da sie Dänemark verwirft, führt Herr Meycndorff freilich eine andere Sprache. Die englische Gesandtschaft wollte niemals davon hören, ein intern cssantcs Svmpiom, aus das ich znrückkommcn möchte.

Berlin, 14. Juni. Nach übereinstimmenden Mitthei­lungen Der Sp. und V. Z. sind an Die preußischen Bevoll­mächtigten nach Frankfurt neue Instruktionen ergangen, welche ihre Abreise von Frankfurt verschreiben, wenn Oesterreich da­bei stehen bleibt, der Versaminlung den Rechte- und Voll- machtScharakter des abgeschafften Plenums und sich selbst das ungerechtfertigte ausschließliche Präsidialrecht in der Versamm­lung beizulegen.

Preußen ist, wie die Sp. Z. berichtet, fest entschlossen, auf das erste Einrücken der Dänen in das ihnen zufolge Der WaffenstiUstandsbedingungcn verschlossene See- und Landge- bict Schleswigs wobei ganz unfehlbar die Armee Der Her­zogtümer Den Kampf sofort aufnimmt das Herzogtbum Holstein vollständig zum militärischen Schutze Deutschlands gegen Dänemark zu besetzen und jeden Angriff auf Holstein mit Waffengewalt abzuweiscu.

Wir entnehmen der Spcncrschen Zeitung folgende Mit­theilungen über Die obschwcbende Frage zwischen Oesterreich und Preußen und über die neuesten Schrille Der Frankfurter Plenarversammlung". Nie konnte daran geglaubt werden, sagt Dieses Blatt, daß Preußen, bei seinen durchaus ehrlichen Absichten in Betreff Deutschlands, bei seiner zusammengehal- tencn Krast, sich den süddeutschen kurzsichtigen Plänen wegen Der Bundeeverhältniffe fügen würde. Diese Planc Oesterreichs und seiner Freunde gehen wesentlich daraus hin, das deutsche Reich als ein Anncxum Der Sonderstaalen und ihrer Inter­essen zu behandeln. Preußen findet das Ziel des Wohls sei­ner Unterthanen, die Blüthe und Kraft des Staats, in der höherstehenden und klügern Berechnung, daß das ehrliche Aus­bringen und Geltcudmachcn der in den deutschen Ländern schlummernden Kräfte und der Naturbedingungen in der Lage dieser Länder auf das specifische Preußen am mächtigsten wohl­thätig zurückwirken müsse. Die Regierung ist so preußisch und entspricht dem Bedarfe der Preußen so sehr in ihrer Absicht, weil sie so deutsch ist; sie ist so ganz unumwunden deutsch, weil sie mit vermisst chligem Blicke so preußisch ist und ihre Geschichte vor Augen hat, die allemal große Fertschrilte durch reiubcutsche Politik hervorbrachte. Deutschland könnte sich aus Preußen nicht verlassen, wenn Preußen sich selbst durch Die Union schadete; Preußen dagegen kann und wird sich auf Deutschland verlassen, weil der gesuchte preußische Nutzen im teutschen Nutzen liegt. Die Interessen sind dieselben, die ma­terielle Grundlage der Politik ist gemeinsam, und das Beneh­men Preußens kann daher bleiben wie eS war, durchsichtig, ehrlich, ernsthaft. Hat wohl die leiseste persönliche Andeutung, haben die Worte, ja selbst die Mienen, hat irgend ein un­bewachter Zug im vertraulichsten Verkehr, hat irgend eine Aeu­ßerung der preußischen patriotischen Presse Den hier anwesend gewesenen Fürsten, den Ministern, den aufmerfenoen Ständen und Völkern auswärts auch nur eine Spur von Verdächtigung zeigen können, daß Preußen den deutschen Ländern eigensüch­tig und hinterlistig an ihr Glück wolle, an ihre Kraft und Geltung? Und so gebt Preußen in der Unionösache schlicht, allmälig, wie es die Verhältnisse erlauben, geradeaus vor­wärts, unterstützt von den ihm vertrauenden, hochherzigen