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mß setze, ertheilt Ich Ihnen zugleich die Anweisung, dem provisorischen Fürstenkollegium der Union darüber entsprechende Mittheilung zu machen. Charlottenburg, den 7. Juni 1850. Friedrich Wilhelm. (gegengez.) v. Schl e i ni tz. Daß auf ausdrücklichen Befehl und im Bci>cin Sr. Majestät des Königs Allerhöchstihr Unterschrifts-Stempel vorstehend beige­oruckt worden, bescheinige ich hierdurch, w. o. Jllaire. An den Geheimen LegationSrath, Gesandten und zeitigen Lor- sitzenden im provisorischen Fürsten-Kollegium der deutschen Union, v. S y d o w.""

„Hiermit sind die beiden ersten Akte verkündigt, durch welche das bei dem Bünkniß vom 26. Mai v. J. Beabsich­tigte wirklich ins Leben tritt. Es geschieht dies zunächst nur in der Gestalt eines Provisoriums. Auch nehmen noch nicht alle diejenigen deutschen Regierungen daran Theil, deren thätige Mitwirkung zu erwarten wir ein volles An­recht hatten. Allein es geschieht nichtsdestoweniger in der Zuversicht, daß ein in gutem Glauben unternommenes, mit Vertrauen und Hingebung gefördertes vaterländsiches Werk, gegründet eben so sehr auf das zweifellose Recht der frei hinzugetretenen Theilnehmer, als aus das offenkundige Be­dürfniß, eines gesegneten Fortganges nicht ermangeln werde. Hoffentlich ist daher der Tag nicht fern, wo kein noch be­schränkten Provisorium das erwünschte Definitivum folgt, wah­rer Freiheit ein starker Schutz, der Revolution aber, der poli­tischen wie der sozialen, eine unüberstciglichc Schranke. Der Erreichung dieses Zieles wird der König, mein allcrgnäkigstcr Herr, wie bisher so forthin bereitwillig Opfer bringen, glei­cher Treue und gleicher Beharrlichkeit auch von Seinen Ver­bündeten gewärtig. Die nächste Thätigkeit des provisorischen Fürstenkollegiums bat sich ohne Zweifel vornehmlich auf die Gesetzvorlagen zu richten, deren baldige Berathung erforderlich ist, damit das Unionsparlament bei seinem nächsten Zusam­mentritte die Erledigung der dringendsten legislativen Fragen gehörig vorbereitet sinke. Es wird dabei besonders der Gedanke vorwalken müssen, daß eben so sehr der erschütterten obrigkeit­lichen Autorität neue Anerkennung, als den unlerwühlten Grundlagen des sittlichen Lebens im Volke neue Befesti­gung zu gewähren sei. Je früher die kräftige Hand­habung fester und freier Institutionen hierfür volle Sicher­heit tarbictet, um so eher wird auch die materielle Noth der Gegenwart gemildert und jeder erwerbenden Thätigkeit erhöhte Förderung zugewankt werden können. Für die kurze Zeit der mir obliegenden Stellvertretung des abwesenden königlichen Bevollmächtigten, wiederhole ich, meine Herren, die Bitte um Ihr entgegenkommendes Vertrauen und die Versicherung meiner regen Theilnahme für Ihre große Aufgabe, wie ich dieß bereits am 23. v. M. im Verwaltungs- rathe ausgesprochen habe. Schließlich darf ich noch der Ob­liegenheit mich erfreuen, Worte aufrichtigen Dankes für die Männer auszusprechen, welche mit hingehender Treue sich den nun abgeschlossenen verdienstlichen Leistungen des Verwaltungs- rathes bisher gewidmet haben. Mehrere derselben verwetten Ättr Zeit in Frankfurt a. M. Möge unter göttlichem Bei­stände der Anwesenden und der Abwesenden eng berbunbene Thätigkeit zum Wohle des deutschen Vaterlandes mit dem reichsten Erfolge gekrönt werden!" Diese Ansprache und Mit­theilungen des Vertreters der königl. preußischen Regierung fanden in dem Kreise' der Mitglieder des provisorischen Für- stcnkollegiums lebhafte und dankbare Erwiderung. Der Schluß der ersten Sitzung des provisorischen FürstenkollegiumS, über deren geschäftliche Verhandlungen weitere Mittheilungen folgen werden, trat gegen 2 Uhr ein. Die nächste Sitzung ist auf Sonnabend, den 15. d., festgestelll. Ordentliche Sitzungen des provisorischen FürstenkollegiumS werden von da an wö­chentlich Dinstags und Freitags Statt finden.

Kiel, 11. Juni. Das Kieler Korrespondenzblatt schreibt Folgendes: Das gestrige Gerücht von einem vereinbarten Pro­visorium scheint lekiglich ein Gerede gewesen zu sein. Wie wir vernehmen, sind die Verhandlungen in Kopenhagen durch­aus abgebrochen. Heinzelmann versieht bereits wieder seine amtlichen Geschäfte. Prehn hat seine Reise von Kopen­

hagen über Schweden genommen und ist vielleicht schon in Altona angekommen.

Hannover, 12. Juni. In der 2. Kammer stellte heute Ellissen folgende Anfrage an den Ministerialvorstand des In­nern: Wohl erkenne er die Nothwendigkeit fortwährender Ar­beiten an den Gesetzentwürfen an, ist man aber auch damit beschäftigt, einen Bau aufzurichten, so muß man doch seinen Blick darauf wenden, ob der Boden fest ist. Nicht über die deutsche Frage wolle er Auskunft, er wisse ja, daß er eine trostlose Antwort erhalten werde. Auch von den deutschen Verhältnissen dem Auslande gegenüber wolle er nicht reden, nicht von dem Frieden, der mit Dänemark drohe, er erinnere an den antalcivischen Frieden zwischen Griechenland und Per­sien, aber Griechenland sei klein gewesen, Deutschland kann groß sein. Eben so wenig wolle er des Staates gedenken, wo Treubruch und Willkür am Ruder sitzen. Nur über die sächsischen Verhältnisse wünsche er Auskunft, wenn es im Hausc des Nachbars brennt, ist es nicht Zett die Hände in den Schooß zu legen. Die Anfragen, die er stelle, seien folgende: 1) kann und darf die Regierung einen Einfluß geltend ma­chen, um den Versassungsbruch im Königreich Sachsen zu hin­dern; 2) hält sie das Land Hannover vor ähnlichen Attenta­ten hinreichend gesichert; 3) und ist sic gcwillt, die Mitwir­kung der Stände in Anspruch zu nehmen und ihnen Anträge zugehen zu lassen. Mit diesen Fragen wende er sich an den Minister des Königs, er erwarte für jetzt keine Antwort, aber er halte es an der Zeit, daß sie bald gegeben werde. Er er­warte sie von dem Manne, der für die Verfassung unseres Landes kämpfte, von dem Manne, an den das Volk seine schönsten Hoffnungen knüpfte, an ihn, der noch jetzt seinen Feinden ein Dorn im Auge ist.

München, 10. Juni. Das königl. Dekret, welches den Landtag bis zum 10. Juli verlängert, spricht zugleich die Erwartung aus, „daß die beiden Kammern bis dorthin kie ihnen vorgelegten Gegenstände in Erledigung bringen werken." Die neuesten Nummern des Gesetzblattes bringet das Gesetz über die Herstellung eines telegraphischen Netzes für Baiern und über die Einleitung des Elsenbahnbaues zwischen Augs­burg und Ulm. Diese Einleitung, für deren Kosten 100,000 fL aus dem Eisenbabnbaufonds angewiesen werden, ist im Lausc der Jahre 1849/51 nach Maßgabe des Erfolges der Unter­handlungen mit den beteiligten deutschen Staaten zu treffen. Die Telegraphenlinien aber, welche, mit einem Kostenaufwand von 500,000 fl., in Angriff genommen werden sollen, sink 1) München-Salzburg, 2) München-Hof, 3) Augsburg-Ulm,

4) Bamberg-Frankfurt a. M., 5) München - Kufstein, 6) München - Landshut - Regensburg - Passau, 7) München-Ingol- stakt, 8) Augsburg-Lindau, 9) Nürnberg-Ansbach, 10) Bam- bcrg-Bayreuth, 11) Luvwigshafcn-Speyer-Germersheim-Landau. Das neueste Regierungsblatt bringt die Bekanntmachung über den Vollzug des Gesetzes vom 22. Mai k. I., den Kredit für außerordentliche Bedürfnisse der Armee betreffend. Be­hufs der Aufnahme der Anlehenssumme von 7 Millionen fl. al pari werden 5pCt. Schuldscheine, zu 1000 fl., zu 500 fl. und zu 100 fl., im 24'/2 fl.-Fuß ausgegeben und nach dem Wunsche des Darleihers auf den Inhaber oder auf Namen gestellt; die Zinsabschnitte lauten aber sämmtlich auf den Inhaber. Sogleich mit der Anmeldung hat der Darleiher das Geld zu erlegen und von diesem Tage an laufen die Zinsen. Die Zinscoupons werden bei allen k. Kassen und Aemtern an Zahlungsstatt angenommen und bei sämmtlichen Staatsschulventilgungskassen, Oberaufschlagämtern und Rent­ämtern, so wie bei dem Handlungshause M. A. v. Rothschild und Söhne zu Frankfurt eingelöst.

München, 11. Juni. Die Kammer der Abgeordneten hat den Antrag angenommen, welchen ihr deutscher Ausschuß gestellt hatte. Sie hat den Beschluß gefaßt, keinen Beschluß zu fassen. Dies das Enke der zweitägigen Debatte, wenn auch die Mehrheit so gering war, daß nur Mc Gegenprobe den Entscheid feststellte. Es sprachen heute neun Redner; unter ihnen Abg. v. Lasaulx und der Ministerpräsident, Beide in einer Weise, wie es wenigstens in Deutschland wohl selten