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gemeinsame Sache zu machen. Dieser Inhalt ist auch jetzt vcm §. 1 unserer Vers. Urf. verblieben, welcher Hessen als einen Bestandtheil des deutschen Bundes bezeichnet, und somit für die Regierung eine Verletzung der Bundespflichten auch als einen Bruch der eignen Versagung erscheinen läßt. Bis jetzt hat Kurhessen jene Pflicht gegen das durch die Dänen angegriffene Bundesland Holstein erfüllt, cS hat seine Trup­pen in den Reichskrieg gesandt, es ist ganz zufällig, daß nicht in diesem Augenblicke hessische Bataillone die Schanzen zu Alnor gegen die Dänen mit ihrem Blute vertheidigen, wäh­rend das hessische Ministerium mit eben diesen Dänen die deutsche Bundesverfassung überlegt. Diesem Kriege gegen die Dänen zu Gefallen zahlt das Land seit zwei Jahren ein dop­peltes Heerbudget, und das Ministerium verzehrt seine Diä­ten in voller Brüderlichkeit mit dem dänischen Diplomaten.

Oder hätte cs etwa im Stillen gegen denselben protestier? eine Faust, wie man cs nennt, in der Tasche gemacht? Nimmt eö vielleicht, ganz im Stillen, doch keinen Antheil mehr an jenen Berathungen, die, befleckt durch die Theilnahme deS fremden Feindes, einen Bruch der Bundespflichten, eine Ver­letzung der Landesverfassung, einen Verrath am Lande ent­halten ?

Wir wissen cS nicht, wir haben nur bei dem Anfang der Konferenzen Hessen Arm in Arm mit Dänemark gesehen, und seitdem von keiner Sinnesänderung vernommen.

So viel aber scheint uns klar, daß cs die Pflicht der Stänkeversammlung ist, die Mittel zu ergreifen, oder durch ihren Ausschuß ergreifen zu lassen, welche die Verfassung ge­gen ein verfassungverlchendes Ministerium gewährt.

Deutschland.

* Kassel, 11. Juni. Wir brauchten unser Verwcrsungs- urtheil über die preußischen Verordnungen gegen die Presse eigentlich nicht erst zu entwickeln, unsere Leser kannten es im Voraus. Wir halten sie für unsittlich, gewaltsam und gleich gefährlich für die Freiheit wie für die Ordnung. Wir beklagen es tief, daß ein Ministerium, welches wir nach so vielen Seiten ach­ten mußten, sich zu einem solchen Fehler hat fortreisen lassen. Wir bedauern, hier einmal dem Schmähen der „Hornisse" gegen die preußische Regierung in seinen Gründen Recht geben zu müssen. Eine solche Uebereinstimmung pflegt uns sonst mißtrauisch gegen unsern ersten Eindruck zu machen, hier aber ist nichts ab- und zuzutbun.

Glücklicher Weise hat auch die „Hornisse" für die uns er­freuliche Meinungsverschiedenheit schnell gesorgt. WaS meinst du nun, Getba? fragt sie, sie pocht auf den Erfurter Manteuffel, der die Presse unterdrücke.

Wer wird nach solchen Proben noch Neigung zu der Er­furter Union baben? das ist ihre nächste praktische Nutzanwen­dung des Unheils gewesen.

Seitdem das gute Blatt seine Leitartikel aus I. P. Proud- Hon abschreibt oder verwässert, werden wir, auch wenn wir wollten, nicht auf eine Widerlegung seiner Gedanken auszu- grben brauchen. Aber wir dürfen sie für weniger cingcweihte Leser vervollständigen.

Solche konnten jene Nutzanwendung dahin verstehen, man müsse aus der preußischen Union entfernt bleiben , um nicht die preußischen Prcßbeschränkungen sich über den Hals herein- zuziehen. Es ist aber gerade umgekehrt. Unsere erleuchteten Demokraten wissen so gut wie wir, daß die parlamentarische Verfassung der Union für Deutschland das einzige Mittel ist, um solchen Mißbrauch der Gewalt für die Dauer ebenso un­möglich zu machen, wie die preußischen Kammern ihn für Preußen bald genug beseitigen werden. Tritt die Union nicht in das Leben, so wird der Bundestag noch ganz andere Sai­ten aufziehen, die sich zu den preußischen Ordonnanzen ver­halten werden wie Haynau zu Wrangel, wie der Wiener Be­lagerungszustand zum Berliner. Die „Hornisse" aber wünscht eben vor Allem keine konstitutionelle Bürgschaft gegen die Despoten und Tyrannen, weil sie bei dem traurigen Stand der demokratischen Aktien nur in den Uebertreibungen des

Despotismus Hoffnung für einen gründlichen Umschwung nach ihrem Geschmacke erblickt.

Weg also aus der Union. Nicht, damit wir dort uns keine Preßbeschiänkungen holen, sondern damit wir von Frank­furt aus mit doppelten Ruthen gepeitscht werden. Denn erst dadurch wird das Volk erwachen.

Hassenpflug ist ihr lieber als Eberhard, der Bundestag erwünschter als ein Reichsparlament. Sie ist auch da ganz einig mit dem hessischen Volksfreunde, dem die Ganzdemo- kratcn lieber sind als die „Halbkemolraten". Beide hoffen, daß die extremen Gegner sich durch ihre rohe Gewaltsamkeit das Volk rasch entfremden und durch ihre tiefe Rechtlosigkeit sich selbst am Sichersten zu Grunde richten werden. Unserer Seits haben wir gegen diese Hoffnung beider Seiten nichts einzuwenden; der tiefe Singer, mit bim beide einstimmig auf Gotha und Erfurt blicken, ist für diese das sicherste Zeugniß, das Lob des Feindes.

Berlin, 10. Juni. Man versichert, daß die Stellung, in welche Hannover bei den bisherigen Verhandlungen in Frankfurt gedrängt wurde, die Regierung dieses Staates zu einer Opposition gegen alle österreichischen und baierischen Vorschläge animirt hätte. So soll der Vertreter Hannovers bei den bisherigen Konferenzen in Frankfurt auch der einzige gewesen sein, der Einwände gegen die sogenannte Konstitui- rung des Bundesplenums machte. Hannover will im umfas­sendsten Maße seine Selbstständigkeit wahren. Ihm gilt der baierische und der preußische Gesetzentwurf gleich. Die Bun- dcsvcrträge sind für die hannoversche Regierung das einzige zu Recht Bestehende. Es kann unter diesen Umständen, wenn Preußen und die mit ihm gemeinsam handelnden Staaten nach Erledigung der gestellten Präjudicialbedingungen wirklich sich an den frankfurter Verhandlungen betheiligen, leicht der Fall ein treten, daß Hannover in vielen Fragen beipflichtet. — Zu den Münchener Vorschlägen befindet es sich in entschiede­ner Opposition. Dem Vernehmen nach würde übrigens Han­nover der frankfurter Konferenz eine Note ^fertigen lassen, in welcher Vargethan werden soll, wie die Verhandlungen nur dann einen Boden hätten, wenn sie sich streng in ken Gren­zen der Bunvesverträge bewegten. — Sobald der Direktor un Ministerium des Innern, Herr v. Puttkammer, von seiner Urlaubsreife zurückgckebrt, würde, wie wir vernehmen, Herr v. Manteuffel eine neue Inspektionsreise antreten. Das Ziel derselben dürften die Rheinprovinzen sein. — Der Bestand der hauptstädischen Presse wird, wie es ken Anschein hat, in Folge des Gesetzes vom 15. Juni eine Veränderung nicht er­leiden. Soviel man vernimmt, werden alle Zeitungen, wenn das Gesetz die KautionSbcstcllung zur Pflicht macht, im Stande sein, ter Auflage zu genügen. Fühlbarer wird das Gesetz ker Provinzialpresse werken, ein Umstand, ker übrigens znr Folge haben bürste, daß kie demokratischen Organe der Haupt­stadt, die bisher nur wenig verbreitet sind, in die Absatzstellen der eingehenden Provinzialblätter rücken und durch diese Kon- centration einerseits für ihre Tendenz, andererseits für ihr eigenes Bestehen um so wirksamer arbeiten. Den Nachtheilen, die aus der Entziehung des Postdebits entstehen könnten, glaubt man durch Privatveranstaltungen, mit Hülfe der Ei­senbahnen, begegnen zu können. (Lith. Nachr.)

Berlin, 12. Juni. Wir dürfen hoffen, daß der neuen Prcßgesetzgtbung keine allzu lange Lebensdauer beschicken ist. Das Vcm Reichstage vorzulegende Preßgesetz, kas eine der er­sten Vorlagen bilden wird, soll in keiner Verwandtschaft mit der Verordnung vom 6. Juni stehen.

Berlin, 12. Juni. Wie wir hören, schreibt die N. Pr. Z., sollen die Einberufungsschreiben an die Abgeordneten zu Erfurt am 1. Juli und zwar der Art erlassen werden, daß das Unionsparlament gegen das Ende desselben Monates zu­sammentritt. Ein Preßgesetz soll die erste dem Parlamente zu machende Vorlage sein.

— (C. B.) Die Rückkehr des Prinzen von Preußen aus Petersburg wird in einigen Tagen erwartet. Sicherem Ver­nehmen nach wird der Prinz Berlin dann nicht so bald für längere Zeit verlassen, da die Verwickelungen der politischen