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Deutschland.

Berlin, 12. Juni. Heute ist Die erste Sitzung des provisorischen FürstenKollegiums. Dieselbe dürfte sich auf die Konstttuirung des Kollegiums und auf die Annahme der in dir Sitzung des Verwaltungsraths »om 31. Mai vorgelegten Geschäftsordnung beschränken. Die wesentlichsten Bestimmun­gen dieser letzteren sind folgende: Jeder Unionsstaat kann sich im Kollegium besonders vertreten lassen; die Stimmführung in jeder ganzen oder halben Kurie steht jedoch nur Einem da­zu beauftragten Bevollmächtigten, mit Substitionsbefugniß in Bchinderungsfällen, zu. Preußen hat den Vorsitz und unter­zeichnet alle Namens des Kollegiums erfolgenden Ausfertigun­gen. Die Beschlüsse werden durch einfache Stimmenmehrheit gefaßt; bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Die Sitzungen sind regelmäßig (wahrscheinlich zweimal wöchentlich), wobei Preußen das Recht bleibt, außer­ordentliche Sitzungen anzusagen. 3m' Erstattung von Vor­trägen werden entweder Ausschüsse oder Referenten durch Wahl der stimmsührenden aus sämmtlichen Bevollmächtigten bestellt.

Die angeblichen Rüstungen im Königreich Sachsen sollen sich den neuesten Nachrichten zufolge auf die Einziehung eini­ger Reservemannschaften beschränken und diese nur den noth­wendigen Ersatz für die Regimenter bilden. Dagegen ist von einer Zusammenziehung der Truppen nicht die Rede, und eben so wenig sind andere Merkmale vorhanden, welche auf grö­ßere Rüstungen schließen lassen könnten. Die Stimmung ge­gen das Ministerium soll insbesondere in Dresden sehr gereizt sein. Neberall tadelt man die Sympathien der Regierung für die antideutschen Tendenzen Oesterreichs, obwohl man es aus Besorgniß vor dem Einrücken fremder Truppen zu that­sächlichen Aeußerungen der Mißstimmung nicht kommen lassen wird. E. C.

Berlin, 12. Juni. Mit dem heutigen Tage tritt das provisorische Fürsten - Kollegium seine Wirksamkeit an. Eben so wird schon in den nächsten Tagen das Unionsministerium, dem Vernehmen nach aus den HH. v. Schleinitz und v. Man­teuffel bestehend, seine Thätigkeit eröffnen.

— Die Sp. Z. und V. Z. enthalten heute folgende dem Inhalte nach übereinstimmende und wie es scheint, öfficiöse Mittheilungen: Die neuesten Thatsachen beweisen, daß das Wiener Kabinet seine Preußen-Feindlichkeit, sein gänzliches Abwinden von derjenigen wahrhaft deutschen Politik sorlsetzt, Die sich durch Preußen vertreten findet. Es ist bekannt, daß etliche Unionsstaaten Vermittelungs-Vorschläge in Frankfurt versucht haben. Allein diese sind erfolglos geblieben — Oester­reich hat in Frankfurt die Vermittelungsvorschläge von der Hand gewiesen, und beharrt darauf, daß die jetzige Fianlfur- ter Versammlung das auch ferner aufrecht zu haltende Plenum des Bundestages sei, sowie daß die Führung des Präsidiums lediglich Oesterreich gebühre. Es macht sich auch bereit, Die ausbleibenden oder nicht gehorchenden Regierungen rechtskräf­tig contumaciren zu lassen. Freilich kann die Union, für welche ohnehin nichts in Frankfurt zu hoffen, dem Allen so ruhig zuschauen wie bisher, allein eö ist traurig, der Erneue­rung des Schauspiels zuzusehen, welches 1815 in Wien ge­geben ward, wo auch nur der Sturm von außen Einigung zu Stande brachte. — Die sächsische Regierung setzt fich in Die möglichste Fassung, um dem österreichischen desolaten HecrcS- zustande in Böhmen zur Hülfe zu kommen, indem sie ihre Truppen möglichst laut mobil macht. Die Oesterreicher in Böhmen müssen diese Demonstration durch Hin- und Her­märsche unterstützen und verlegten unter anderem kürzlich eins ihrer Kantonnements dicht (auf zwei Meilen Nähe) an Die schlesische Gränze, — Und was beschließt Preußen und die Union dem allen gegenüber? — Dein Vernehmen nach wird das Parlament zu Anfang des Monats Juli wieder nach Er­furt berufen und Die definitive Union der treuen Verbündeten proklamier werden, nicht mehr bloß die provisorische. (C.Z.)

Berlin, 13. Juni. Der StaatS-Anzciger enthält die amtliche Nachricht von der Ernennung des Gcneralliculenants v. Ra- Dowitz zum Bevollmächtigten in dem provisorischen Fürstenkol- legium der verbündeten deutschen Staaten und der Beauftra­

gung des Gesandten bei der schweizerischen Eidgenossenschaft, Kammerberrn und Geheimen Legationsraths v. Sydow, mit dessen einstweiliger Stellvertretung.

Das Bülletin über das Befinden des Königs vom 12. Juni Morgens besagt, daß der König die am 11. Stall ge­fundene Uebersiedelung von Charlottenburg nach Sanssouci ganz gut ertragen und den größten Theil der Nacht ruhig geschlafen hat. Der Vcrnarbungsproceß der Wunde hat den regelmäßigen Fortgang.

Dem Geheimen Staatsminister der auswärtigen Angele­genheiten, Freiherrn v. Schleinitz ist die Erlaubniß zur Anle­gung der von den Großherzogen von Sachsen - Weimar und Baden ihm verliehenen Großkreuze resp. des weißen Falken- und Zähringer Löwen-Ordens ertheilt.

Kiel, 11. Juni. (Die Friedens - Unterhandlungen.) — Der Regierungsrath Heinzelmann, einer der Vertrauensmän­ner, ist von Kopenhagen hier eingetroffen, und knüpfen sich an seine Rückkehr die verschiedenartigsten und widersprechendsten Gerüchte, indem sowohl ein völliger Abbruch der Unterhand­lungen als auch deren Fortbestehen und endlich der Abschluß eines fünfjährigen Provisoriums behauptet wird. Das Wahre an Der Sache möchte sein, daß die Verhandlungen keineswegs definitiv und völlig abgebrochen find, und die Herstellung eines Provisoriums noch gehofft wird. Diese Annahme gewinnt, von andern Gründen abgesehen, auch dadurch an Wahrschein­lichkeit, weil, wenn der Syndikus Prehn auch, wie behauptet wird, auf der Rückreise von Kopenhagen begriffen sein mag, doch der Graf Reventlow - Farve noch dort verweilt, und da von dänischer Seite an die Wiederaufnahme des Krieges jetzt nicht gedacht wird, wie die dortigen Permittirungen schließen lassen. — Der bekannte Graf Blome von Salzau soll vom König von Dänemark zum Ober- Ceremonienmcistcr ernannt sein. (H. Bh.)

Dresden , 6. Juni. (D. Ztg.) Das Gerücht, welches die Schics. Zeilg. unlängst mittheilte, wonach Sachsen von Oesterreich aufgefordert sein sollte, mit seinen Truppen die nächsten preußischen Festungen anzugreifen, während Oesterreich Schlesien flankiern wollte, klingt freilich gar zu abenteuerlich, um ihm Glauben zu schenken. Thatsache ist indeß, daß wie­derholt in der neueren Zeit höhere österreichische Osficicee an verschiedenen Orten unseres Landes, namentlich in Dresden und Leipzig, an ersterem Orte in Begleitung sächsischer Slabs- vsficicre, gesehen worden sind. In Leipzig haben dieselben das Schlachtfeld sehr sorgfältig begangen und Pläne davon aufge- nommen. Ausgefallen ist auch, daß unlängst der sächsische Kriegsminister sich, wie man hörte, in das österreichische Hauptquartier in Böhmen begeben hat. So viel wenigstens glauben hier Viele, daß zwischen Sachsen und Oesterreich ein Vertrag bestehe, der die Natur einer Militärkonvention oder eines Offensiv- oder Defensivbündnisses gegen Preußen habe. Freilich fragt man sich, wie es möglich sei, daß Die Negie­rung eine Verbindung habe eingchen können, welche den In­teressen und Sympathien des allergrößten Theils des Volks — das darf man getrost sagen — schnurstracks zuwiderläuft? ob sie nicht einsche, daß sie mit einer solchen Politik fast ganz allein dastehe, daß dadurch Die Dynastie vom Volke vollends loogetrennt werde, und daß beim ersten Zusammenstoß Der bei­den Großmächte Sachsen zunächst der Kampfplatz, sodann aber Die Beute des Siegers werden, also gerade das eintreten müßte, was man angeblich durch den Anschluß an Oesterreich vermeiden wollte? Aber das Ministerium oder vielmehr Hr. v. Beust, dem seine Kollegen in dieser Sache blindlings zu folgen scheinen, ist so verrannt in den Gedanken Der österrei­chischen Allianz , daß er weder rechts noch links sieht. Und Oesterreich, das muß man sagen, kennt seine Leute wohl und weiß sie zu fassen, die Einen durch Orden und andere Aus­zeichnungen, die Anderen durch allerlei kleine Zuvorkommenhei­ten, die es beim Grenzverkehr und sonstigen Berührungen den Diesseitigen LandeSintcressen scheinbar ganz uneigennützig be­zeigt. Das mag freilich besser zusagen, als die rauhen Wahr­heiten, Die Herr v. Zeschau und Herr v. Beust bei den Ver­handlungen in Berlin wegen ihrer unzuverlässigen und zwei-