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Wien, 7. Juni. Die österreichische Korrespondenz weiß von Dem heiligen Rechte Oesterreichs und Der Weisheit in seiner Politik zu erzählen, Die Presse dagegen sagt: „Wir sind überzeugt, der wahre Oesterreicher muß ebenso entschieden, wie Der wahre Deutsche Die Tendenzen des GroßdeutschthumS von sich weisen. Wir können Die Verblendung derjenigen nicht begreifen, Die nicht einten können oder nicht einsehen wollen, daß Die Ideen des GroßdeutschthumS, in welcher Form sie immer realisiirt werden mochten, nichts anderes als Die gleiche Schwächung Oesterreichs wie Deutschlands zur Folge haben würden, daß ein Staatsorganisinuö erzeugt würde, der durch die Komplicität seiner innern Beziehung schwerfällig und durch die Eifersucht zwischen seinen zwei mächtigsten Theilen ohnmächtig, einem kräftigen Andrange durch einen auswärtigen Feind, wie durch eine innere Revolution nur schwachen Widerstand zu leisten im Stande wäre. Die letzten Perioden des Kaiserreichs und das schmachvolle Ende des deutschen Bundestags sollten Regierungen und Fürsten warnen. Allein nicht blos Die Männer Der rücksichtslosen Umwälzung verachten jede Warnung der Geschichte . . ."
Wien, 5. Juni. Die Oesterr. Reichszeitung enthält ein interessantes Dokument zur Geschichte des ungarischen Kriegs — ein Schreiben Kossulhs an Bem, worin diesem Vorwürfe gemacht werden wegen Der von ihm verfügten Herabsetzung Der Salzsteuer, und wegen der Milde, Die er gegen die Sachsen übe. Er nennt diese Milde unzeilig und gefährlich. Theoretische Philantropie gegen Schuldige sei ost Die größte Grausamkeit gegen Unschuldige. „Der Herr Gencrallicutenant ertheilen mir Rathschläge über Milde, die man beobachten muß gegen den Feind, ich will Milde und Gnade ertheilen, wenn dieselbe die Bürgschaft für Die künftige Ruhe bieten kann. Ich will Gnade in Aussicht stellen als Lohn für eine gute Aufführung; ich will aber nicht voreilige Gnade, die einem Messer gleicht, das man dem Feinde gibt, um es in unser Herz zu stoßen."
Frankreich.
Paris, 10. Juni. In der Nationalversammlung wurde heute das Gesetz über die Pensionsklassen für invalide Arbeiter viskutirt. Der Ausschuß des Dotations-Gesetzes har de Mornay, Gegner desselben, zu seinem Präsidenten ernannt. Die noch fehlenden acht Mitglieder Der Nekrutirungskommission werden nach der von Der Majorität festgestellten Liste gewählt. Cavaignac ist nicht darunter. — Der Hanvelsminister Dumas, von Dem es ausgefallen war, daß er bei Den AbtheilungS- Debatten über das Dotationsgesetz geschwiegen hatte, läßt heute im „Constitutionnel" erklären, daß er sich in Den vorhergehenden Privat-Uttterhaltungen in demselben Sinne und eben so entschieden, wie seine Kollegen, geäußert habe. Das große Publikum bleibt hinsichtlich des Dotationsgesetzes ziemlich kalt. Die Bezahlung der durch den Präsidenten der Republik gemachten Schulden unter ehrenvollen Formen würde wohl, wie es scheint, von der großen Mehrzahl gebilligt werden, da es bekannt ist, daß diese Schulden zum größten TheUe von einer oft unüberlegten und oft mißbrauchten Freigebigkeit herrühren. Das Ministerium hat aber kiesen Ausweg im Voraus abgeschnitten, indem es sich gegen jedes Amendement erklärte, und Die Politik steht daher vor einem „Entweder- Oder", wie lange keines vagewesen ist. — Der Justizminister hat an sämmtliche Staatsanwälte ein Circular über das Benehmen der Friedensrichter bei Anfertigung Der neuen Wahlliste erlassen.
— Man schreibt aus Genua vom 5. Juni, daß der Groß- Herzog von Toskana abdanken wolle, um sich auf eine seiner Besitzungen in Böhmen zurück zu ziehen. Die Regentschaft soll bereits bestellt sein.
— Der Präsident der Republik ist gestern nach mehreren kurzen Aufenthalten, während deren er in den verschiedenen Lokalitäten die Behörden empfing und Musterung über die Nationalgaidcn und Linientruppen hielt, in St. Quentin eingetroffen, woselbst er bei Abgang der letzten Nachricht sich eben
zu einem Bankett begab, das die Stadt ihm zu Ehren veranstaltet hatte. Zu Soissons hatte Der dortige Bischof eine Anrede an den Präsidenten der Republik gehalten, worin er u. A. sagte: „Ihr Name, Herr Präsident, wird durch seine Betheiligung bei dem nützlichen Werke (Die Erbauung der Ei- senbahn von St. Quentin) mächtig zum Erfolge desselben beitragen, und Die Geschichte wird gern daran erinnern, daß im Jahre 1850 ein Bonaparte diese Stadt aus Veranlassung der Einweihung Der Eisenbahn beehrt hat, wie in den Jahren 1801 und 1810 sein Onkel, der nach einander erster Konsul und Kaiser wurde, ihr einen Beweis seines ganz besondern Interesses gegeben hatte, als er sie zur Ermunterung und Beschleunigung der ungeheuren Arbeiten des Kanals von Saint Quentin besuchte." Die AniwortSrede des Präsidenten Der Republik ist noch nicht bekannt. Der Empfang desselben von Seiten Der Bevölkerung soll überall gut gewesen sein.
— Der Präsident ist von seiner Reise wieder zurück. — Hr. Thiers ist nach England zu Ludwig Philipp, der seinem Ende nahe ist, abgereist. Er versicherte dem Präsidenten, seine Reise habe keinen politischen Zweck. — Aus Vendome sind heute Nachrichten eingelaufen, welche nielden, daß Abdel-Kader gefährlich krank sei.
Briefkasten und Briefwechsel.
®- zu R. Zu Dank erhalten.--y. Nächstens.
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Dekanntmachmigen.
' WilhelmM.
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Kunstanzeige. Letzte Vorstellung
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Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Qclkcr. — Redaktion : Fr. Vetter nnd Dr. A. Psark. — 4. ruck von Friedr. Scheel in Kassel.