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wo Leben ist, da ist noch Besserung möglich, wo aber der Tod herrscht, da ist die Verwesung.

Berlin, 9. Juni. (K. Z.) Durch das neue Preßgesetz sind bekanntlich auch die lithographiern Korrespondenzen mit Dem Untergang bedroht. Man merkt es der heutigen berliner Korrespondenz an. Sie schweigt möglichst über Herrn v. d. Heivt's Fehlgeburt. So beginnt schon die Demoralisation, welche von einer solchen Willkürherrschaft unzertrennlich ist, wie sie gegen die Presse wieder eingeführl werden soll.

Berlin, 10. Juni. Die C. C. schreibt: Die Sitzungen veö Verwaltungsrathes sind, wie man hört, augenblicklich sus- pcndirt, da derselbe sich vor weiteren Berathungen als pro­visorisches Fürstenkollegium zu konstituiren beabsichtigt, die Vollmachten aber noch nicht für alle Mitglieder desselben ein# getroffen sind. Für die I. Kurie , Preußen, ist Herr v. Ra- vowitz ernannt und demselben während der Dauer seines Ur­laubes Herr v. Sydow subsüluirt. Für die II. Kurie, Sach­sen und die thüringischen Staaten, ist als Stimmführer der letzteren Herr v. Plötz und außerdem bis jetzt für Sachsen- Meiningen besonders Herr Seebeck bevollmächtigt. In der III. Kurie sind für Oldenburg, Braunschweig und die Hanse­städte die bisherigen Mitglieder des Verwaltungsrathes, näm­lich die Herren Mosle, Liebe, Smidt, Banks und Elder er­nannt; die Ernennung für Mecklenburg-Schwerin steht noch zurück. Die IV. Kurie, Baden, vertritt Herr v. Meysenbug. In der V. Kurie ist für Nassau Herr VoUprachl ernannt; für das Großherzogthum Hessen sieht Herr v. Lepel seiner Er­nennung täglich entgegen, wogegen Kurhcssen bis jetzt noch in zuwarttnder Stellung verharrt. Aus Frankfurt vernimmt man, wie die C. C. mittheilt, daß der preußische Bevollmächtigte, Herr Mathis, entschlossen ist, die Theilnahme an den von Oesterreich veranlaßten Verhandlungen so lange abzulehnen, als letzteres eine auf Art. 5 der Bundesakte gegründete Prä- sidialbefugniß in Anspruch nimmt. BemerkcnSwrrth erscheint, daß Graf Thun auf dieser Besugniß beharren soll, während direkte Mittheilungen aus Wien die Geneigtheit der kaiserlichen Regierung zu erkennen geben, jenen Anspruch fahren zu lassen, sofern man Oesterreich den Vorsitz aus Rücksichten des Ran­ges und der Courtoisie zugcstche.

Berlin, 11. Juni. Wie verlautet, schreibt die C. C., sollen in den letzten Tagen wieder österreichische Truppen in der Nähe der schlesischen Grenze erschienen, namentlich 1 Ba­taillon in Trautenau und einige Kompagnien in den benach­barten Dörfern eingerückl sein. Auch sprechen Privatnachrich- mi von Krikgerüstungen im Königreich Sachsen. Wir glau­ben jedoch diesen Nachrichten, selbst wenn sie gegründet sink, leine große Bedeutung beilegen zu dürfen.

Die C. C. enthält Folgendes: Alle Nachrichten aus Sachsen stimmen darin überein, daß die letzten Schritte des Ministeriums Beust die öffentliche Meinung in verschiedenem Sinne gegen die Regierung eingenommen haben. Die Kam­merauflösung wirkt zunächst nur erbitternd auf die demokrati­sche Partei, würde aber für sich allein dem Ministerium schwer­lich erhebliche Hindernisse in den Weg legen. In Verbindung jedoch mit der gänzlichen Lossagung Sachsens von der deut­schen Sache macht jenes einen ebenso ungünstigen Eindruck auf die konstitutionelle Partei; denn diese erkennt den Widerspruch, welcher darin liegt, daß die Regierung in ihren häuslichen Angelegenheiten einen formellen RechtSbruch nicht scheut, um das materielle Recht zu retten, während sie der Union gegen­über alle materiellen Ansprüche Deutschlands auf Einheit und Macht in den Wind schlägt und sich mit rabulistischer Pein­lichkeit auf den Buchstaben ihrer formellen Verpflichtung steift, über welche sie nicht eine Linie breit hinausgehen will, stände auch Deutschlands Frieden und Wohlfahrt auf dem Spiele. In diesem inneren Widerspruche durchschauen die Konstitutio­nellen in Sachsen nur zu demlich das Motiv, von dem das Ministerium sich leiten läßt, nämlich ein ganz einseitiges dy­nastisches Interesse, und diese Partei, welche die redlichsten und einsichtigsten Patrioten in ihren Reihen zählt, ist, bei aller Anhänglichkeit an den Thron, doch nicht gemeint, Sachsens und Deutschlands Wohl persönlichen Wünschen, etwa nach der

Kaiserkrone für eine Tochter des regierenden Hauses, zum Opfer zu bringen.

In einer in diesen Tagen unter dem Vorsitz des Prof. Stahl abgehaltenen Konferenz evangelischer Geistlicher hat man die Resolution gefaßt, daß die in den Vereinen der sogenann­ten Urchristen, der freien Gemeinden und der Deutschkatholiken vollzogenen Taufen nicht anzuerkennen und die Mitglieder je­ner Vereine als Zeugen bei kirchlichen Taufen nicht zuzulassen wären. (C. Ztg.)

^'. B.) Die Rüstungen werden zwar fortbetrieben, doch nicht in dem Umfange und mit derselben Eile als bisher. Es darf daraus auf eine friedliche Stellung unserer auswär­tigen Politik geschlossen werden. Die Mobilmachung der Ka­vallerie unterbleibt vorläufig ganz. Die Verstärkungen der Artillerie, sowie die Instandsetzung der Festungen dauert fort.

Berlin, 11. Juni. Mecklenburg - Schwerin hat jetzt seine zweideutige Stellung in der Union ausgegeben. Es hat, wie Die Deutsche Reform meldete, den bisherigen Bevollmäch­tigten im Verwallungsrath, Hrn. v. Schack, für Den Fürsten- kongrcß ernannt. (D. A. Z.)

Frankfurt, 10. Juni. In Bezug auf die konfiden- tieslen Konferenzen, welche hier in Diesen letzten Tagen über Die Frage von einem bedingten Eintritte Der Bevollmächtigten Der Unionsstaaten in Den deutschen Staatenkongreß Statt ge­funden haben, verlautet jetzt, daß ihr Ergebniß ein negatives gewesen ist. Die Bevollmächtigten jener Staaten erklärten sich bereit, in Den Kongreß einjutrehn, jedoch unter Den prä- judicicllen Bedingungen, daß Der Vorsitz zwischen Den Bevoll­mächtigten Oesterreichs und Preußens alternire, und daß Der Kongreß sich nicht die Eigenschaft eines Bundesplenums bei­lege. Ein in solcher Weise bedingter Eintritt wurde indeß anderer Seits nicht für zulässig erachtet. Die Bevollmächtigten haben über dieses negative Resultat an ihre Regierungen be­richtet und einstweilen scheinen hier Die Unterhandlungen mit Den DissentirenDen Bevollmächtigten suspendirt zu sein. (D.A.Z.)

Oesterreich.

Wien, 6. Mai. Der Wanderer widmet heute einen mit treffenden Bemerkungen gefüllten Leitartikel der Wiener Zeitung mit ihrem aus Der ungekannten Niedersächsischen Ztg. berbeibesdworenen Geist Der schwarzenbergischen Politik:Un­sere Leser wissen, sagt Der Wanderer, wie wir Die deutsche Frage immer behandelt haben, die gegenwärtigen Zustände sprechen klarer als Alles für unsere Politik. Unsere Staats­männer scheinen ihre eigene frühere Politik vergessen zu haben. Man stürzte das Frankfurter Parlament, weil es diktatorisch float der Einigung Deutschlands Die Einheit, weil es centra- lisirend vorgehen wollte. Und nun, wo durch die Union Die Einigung gerettet wilden soll will man auch diese nicht, und sieht selbst darin CentralisationSiVeen. Aber unser Ka- binct weiß es ja am besten, daß nur durch eine Centralisa­tion ein Staal kräftig und stark sein kann, warum also Deutsch­land hindern, stark zu sein, und in seiner Stärke unser treue­ster, natürlichster Bundesgenosse? Mögen die Räthe unserer Krone endlich zur Ueberzeugung kommen, Die alten Zeiten lassen sich in Deutschland nicht mehr Herstellen. Ein Institut, das dreißig Jahre lang so sehr die Verachtung eines edlen Volkes auf sich geladen, wie der Bundestag in seiner Unthä- tigkeit, und war er thätig, in seiner geistigen Beschränktheit mit einer solchen Leiche lassen sich auf einige Augenblicke galvanische Versuche anstcUen, bald darauf muß selbst dieses Zucken ansbören. Die ungeheure Majorität in Deutschland, eben so wie die überwiegende Anzahl aller politisch Gebildeten Oesterreichs ist für eine genaue Verbindung beider Reiche, wodurch ihre innere Freiheit gewahrt, ihre Macht, ihr Ansehen nach Außen erhöht wird, man ist für einen völkerrechtlichen Verband in möglichst weiter Ausdehnung, aber man ist nicht für einen Bundestag, unter welcher Firma er immer auftreten mag. Mögen Die Räthe Der Krone dieses bedenken, und nicht Verlegenheiten Hervorrufen, wo ein Einverständniß so leicht wäre. Die deutsche Frage ist ein zweischneidiges Schwert, möge sie nicht durch ein unbedacht herauSsordeiudes Wesen zum Pfeil werden, der auf den Schützen zurückspringt."