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politischen Handlungen — nicht bloß nothgedrungen — enthielt, wendet seit Kurzem ihre Aufmerksamkeit einer Möglichkeit zu, deren Eintritt ihrer Thätigkeit eine neue Richtung geben würde. Diese Möglichkeit ist ein Krieg Preußens gegen eine österreichisch - russische Allianz. Dabei würde der eklere Theil Der Demokratie aushören, die Rolle des Zuschauers zu spielen, aber nicht etwa eine dritte Macht zu bilden suchen, welche sich im Rücken Der beiden kämpfenden organisirle (ein früher ihr zugeschriebener Operationsplan), sondern entschieden Partei ergreifen, und zwar die Partei Preußens. Sie setzt für diesen Fall voraus, daß Preußen sich hinlänglich zur Annahme dieses Bündnisses molivirt sinken würde. Bereits im vorigen Jahre kam dieser Fall zur Frage, und das hiesige „Organ der Demokratie" erklärte damals schon (in ihrer Nummer vom 27. November 1849!), sogar auf Kosten seiner Konsequenz: „Etwas anders wäre cs, wenn Rußland sich auf Oesterreichs Seite stellte. Und wenn cs die Zeit für seine Entwürfe gekommen glaubt, so wird es die österreichische Armee als seine Borhut gebrauchen, um Deutschland fofadifcb zu machen, und Oesterreich nachher durch die slavischen Spm- pathien ruiniren. In diesem Falle müßte sich allerdings das ganze deutsche Volk erheben und die demokratische Partei würde zuerst mit im Felde erscheinen, wenn auch das gegenwärtige Preußen das Centrum wäre, an welches sich die Schaaren der Kämpfer anlehnen müßten. — Vor einigen Tagen bringt nun die preußische „Nationalzcilung" folgenden bemerkens- werthen Artikel: „Köln, 3. Juni. Preußen rüstet. Wem gilt es? Die Zeitungen bringen uns die Nachricht, daß die Diplomaten und Gesandten in Berlin Dem Hrn. Minister des Aeußern die Schwelle ablausen, um die Antwort auf diese Frage zu finden. Wir sind keine Diplomaten und werden daher Hrn. v. Schleinitz ungestört lassen; aber das verhindert nicht, daß auch wir uns diese Frage stellen, und in Ermangelung eines Andern selbst sie zu beantworten suchen. Es ist vielleicht nie in der Geschichte vorgekommen, daß ein Land und Volk, wie das preußische, bei Zuständen, wie die, welche gegenwärtig in Europa herrschen, sich zum Kriege rüstet, und dann alle Well im Zweifel ist, gegen wen kiese Rüstungen gemeint seien. Keiner weiß, ob Preußen mit Rußland und Oesterreich sich gegen Frankreich rüstet, oder ob es sich waffnet, um im Falle der Noth Rußland und Oesterreich die Spitze zu bieten. Beide Möglichkeiten sind vorhanden, und so wollen wir denn Den preußischen „Staatsmännern" offen sagen, was das deutsche Volk thun werk, je nachdem Preußen sich zum Handlanger Rußlands in Europa herabwürdigen lassen oder offen und keck Rußland und Oesterreich in der innern, wie in der äußern Politik Deutschlands den Handschuh hinwerfen wird. Es gibt heute nur Eine Frage, die der Welt Geschicke entscheidet, die Frage: Mit oder gegen Rußland. Läßt Preußen sich verleiten, mit Rußland gegen die europäische Kultur, gegen Freiheit und Volksrccht einen Krieg zu beginnen, dessen äußeres Ziel die Vernichtung Frankreichs wäre; — so mag Preußen darauf rechnen, daß es in Deutschland selbst, daß es in den Reihen seiner eigenen Kämpfer nicht^das Herz und die Seele findet, Die zum Siege führen, zum Siege unerläßlich sind. „Mit Rußland gegen Frankreich!" würde ein Kriegsruf sein, Der in Deutschland selbst Schwäche und Zerrissenheit verbreiten müßte, Der Die deutschen Heere zur Schlachtbank geleiten würde. Aber wenn diese Rüstungen in Preußen gegen Rußlands Anmaßungen gerichtet wären, wenn eines Tages Der Ruf von Preußen ausginge: „Genug des Nachgebens, genug des Schwankens; wir wollen in Deutschland nicht russische Ordre, in’« Oesterreichische übersetzt, pariren, wir wollen unsere Brüder in Holstein und Schleswig schützen gegen Die dänische Eitelkeit, durch russische Aufreizung zur maßlosen Ungerechtigkeit hinaufgeschraubt," — dann könnte Preußen auf ganz Deutschland rechnen, und Viele, die jetzt von Schein- unD Trugwesen sprechen, würden am Tage, wo Preußen die erste Kugel über die russische Gränze oder in ein russisches Lager schickte, alle Täuschungen vergessen und als Freiwillige
zu Den Fahnen Preußens treten. Es ist gesagt worden: „die Kaiserkrone wird nur auf dem Schiachtfelde gewonnen" — mag's sein, wenn cs denn einmal nicht ohne blutigen Kampf abgehen soll; aber wir setzen hinzu: „nur auf Den Schlachtfeldern gegen Rußland und für deutsche Selbstständigkeit im Innern wie an den Gränzen Deutschlands!"
Stuttgart, 9. Juri. Die Württemb. Zeitg. enthält eine scharfe'Kritik der Deutschen Politik des Ministeriums, welche mit folgenden Worten schließt: Die Dinge in Deutschland stehen jetzt so, daß ein berechtigtes Organ nicht vorhanden ist, und bei der politischen Abspannung haben zunächst allerdings Die Regierungen die Macht, nichts, oder nur wenig zu geben. Allein Die Abspannung wird vorübergehend sein, und wenn sie auch wider Erwarten lange dauern könnte, so findet sic doch jedenfalls nicht Statt in Beziehung auf die materiellen Verhältnisse. Die Civillistcn, Die Apanagen, Die stehenden Heere, die Beamten, die Zuchthäuser, Die Verwaltung, Justiz, Unterricht rc. verschlingen so ungeheure Summen, und seit Erhöhung der Staatsschulden durch Eisenbahnen rc., sowie seit der Abnahme des Staatsvermögens durch die Ablösungen ic., ist man so ganz in die Hände der Steuerpflichtigen gegeben, daß diese nothwendig bei Laune erhalten werden müssen, wenn sich die Staatsmaschine fortbewegen soll. Bei Laune können sie aber nur dann erhalten werden, wenn man sie in Die Lage versetzt, etwas zu erwerben, und in diese Lage werden sie ohne eine befriedigende Lösung der deutschen Frage nicht gesetzt werden, weil ohne sie das für Den Geschäftsverkehr so nothwendige Vertrauen nicht zurückkcbren wird. Die Finanzverhältnisse werken wohl Dem guten Willen Der Machthaber zu Hülfe kommen müssen. Diejenigen aber, welche diese Rücksichten mißachten, werden, wenn es zur Rcch- nungsablegung kommt, ihren am Ende nur ihnen verderblichen Egoismus zu bereuen haben.
Die Württembergische Zeitung sagt in einem größeren Artikel: Kann man es leugnen, daß, während 600 Vertreter Der deutschen Nation sich nach zehnmvnatlichen parlamentarischen Kämpfen über eine deutsche Verfassung zu einigen wußten und während Die dissentirende Minderheit der Nationalversammlung mit Aufopferung ihrer Ansichten, Neigungen und Wünsche sich den Beschlüssen der Mehrheit unterordnete, 34 deutsche Kabinette seit einem vollen Jahre nichts zu Stande bringen, und in Folge ihrer Uneinigkeit Deutschland an den Rand des Verderbens führen? Kann man es leugnen, daß 34 deutsche Kabinette in den Zeiten der Noth viel versprochen haben, und daß man jetzt, nach Beseitigung der Noth, im Begriffe ist, wenig zu halten? Kann man es in Abrede ziehen, daß man gern ungeschehen machen möchte, was sich in den letzten 2 Jahren ereignet hat? Und wenn diese Fragen bejaht werden müssen — wir verweisen auf die nach der pariser Februarrevolution veröffentlichten Proklamationen des Deutschen Bunkes und der deutschen Regierungen, so wie auf Die gegenwärtige Lage des deutschen Vaterlandes — kann man annebmen, daß Den deutschen Regierungen das Vertrauen der Völker zur Seite stehe, und daß diese, wenn Der Sturm sich wiederholt, abermaligen Versprechungen Glauben schenken wer-: den? Wir bestreiten nicht, daß Die Revolution durch Die Fehler, theilwcise durch das Verbrechen mancher BolksfühlM aufgemuntert und genährt worden ist; aber die Gcfabren Der Volksanarchie sind längst verschwunden, und dennoch arbeitet man daran, sich den alten Zuständen wieder zu nähern. Die Organe der Höfe und Regierungen ziehen gegen die Freiheit Der Presse, gegen das Recht der Vereine und Versammlungen, gegen Die Zweckmäßigkeit Der Volksbewaffnung, gegen Den Grundsatz ter politischen Gleichberechtigung aller Staatsbürger durch Aufhebung der StandeSvorrechte, gegen die durchgeführt! Beseitigung der Feudalverhältnisse zu Felke, rathen sogar zu Verfassungssuspensioncn und benutzen den Schuß eines Wahn- sinnigen zu Lügen aller Art, um Den errungenen Freiheit« Den Todesstoß zu versetzen.
Serantwortliitcr Herausgeber - svr. Oetker. - Redaktion: Fr. Oetker und Dr. A. Pfaff. — Druck von Friedr. Scheel in Gaffel.