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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Mittwoch, 12. Juni 1850. ^M 271» Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigcgeben. Die Morgen -Ausgabe wird von */2ll bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirl bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckhardt'schen und DoÜmann'schkn Buch- und Kunsthandlung. Der Abonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Naum einer Petitzeile berechnet.

Deutschland.

Kassel, am 10. Juni. Seine L Hoh. der Prinz George von Preußen ist nach Ems abgereist. (K. A. Z.)

Berlin, 8. Juni. Der Dtseh. Ztg. wird geschrieben: Nach den in sehr bestimmter Weise von mehreren Blattern gegebenen Nachrichten könnte es scheinen, als sei man preußi­scher Seilö entschlossen, alle Rechtsansprüche an Hannover und Sachsen auszugeben. So wird namentlich berichtet, man habe die bei dem Schiedsgericht anhängig gemachte Klage gegen Hannover fallen lassen; diese Nachricht ist jedoch gänzlich er­dichtet. Daß auch in Betreff Sachsens der Verwaltungsrath keineswegs seine Rechtsansprüche aufgegeben, zeigt die vor Kurzem beschlossene Ueberweisung der sächsischen Austrittser- klärung an den Verfassungsausschuß. So unrichtig, als die Nachricht von dem Aufgcbcn der Klage, ist auch die Behaup­tung mehrerer Blätter: der preußische Minister des Auswärti­gen habe einem von dem hannoverschen Gesandten angeblich zur Feier des Geburtstages des Königs von Hannover gege­benen Diner beigewohnt. Dieß Diner ist nämlich gar nicht gegeben worden, weil, wie es heißt, der hannoversche Gesandte zweifelhaft gewesen ist, ob auch Herr v. Schleinitz der Einla­dung Folge geben würde. Da ich doch einmal bei den Be­richtigungen bin, so möge hier noch bemerkt werden, daß die Gerüchte über eine Ausgleichung mit Württemberg aller Be­gründung entbehren. Die Nachricht von einer durch die Reise des Kaisers von Oesterreich veranlaßten Reise des Prinzen von Preußen nach Petersburg ist ebenso unwahr, als diejenige von der Reise des Kaisers Franz Joseph.

Die Antwort, welche nach der Wormser Zeitung der groß­herzoglich hessische Ministerpräsident Jaup einer Deputation in Bezug auf sein Verhalten zu dem Bündnisse vom 26. Mai v. I. gegeben, steht, obwohl an sich schon höchst zweideutiger Natur, dennoch im Widerspruch mit dem Schritte des Hrn. v. Dalwigk, der in den Kongreß eingetreten ist, ohne sich vor­her mit den preußischen und den Bevollmächtigten der übrigen UnionSstaalcn in Einvernehmen zu setzen. Denn es ist fak­tisch einem Rücktritt von ter Sache ter Union gleich, wenn man in Darmstadt es für gut findet, ohne Weiteres sich an einem Kongreß zu betheiligen, der für sich einen dem Bun­desstaate durchaus feindseligen Charakter in Anspruch nimmt.

Berlin, 10. Juni. Das heutige Bülletin über das Be­finden Sr. Maj. des Königs lautet: Se. Maj. der König haben nach 17lagigem ununterbrochenen Krankenlager gestern zum ersten Male auf einige Stunden das Bett verlassen kön­nen. In Folge der hierdurch herbeigeführten Ermüdung haben Se. Maj. zwar den ersten Theil ter Nacht weniger gut ver­bracht, während des übrigen Theils derselben aber sich eines erquickenden Schlafs zu erfreuen gehabt. Die Entzündung am Fuß ist vollständig beseitigt. Die Wunde geht ter Vernarbung entgegen. Se. Durch l. der Prinz Friedrich von Hessen- Kassel ist nach Wien abgereist.

Berlin, 10. Juni. Glaubwürdigen Nachrichten zufolge ist dicht an der böhmisch-sächsischen Grenze ein starkes öster­reichisches Armeekorps unter dem Generalfeldzcugmeister Khe- venhüller aufgestellt, einem Führer, der sich einer ganz ähnli­chen Celebrität, wie Haynau, erfreuen soll. Ungeachtet dieses drohenden Aspekts sind aus Frankfurt die friedfertigsten Nach­richten eingelaufen. Oesterreich bewilligt der preußischen Re­gierung den Wechsel des Präsidiums, und stimmt dem Ver­langen bei, den Kongreß nicht als Plenum des Bundestages

anzusehen. Demnächst werden daher die preußischen Bevoll­mächtigten gemeinsam mit den andern deutschen ihre Thä­tigkeit beginnen. (Konst. Ztg.)

Der Nürnb. Korr. meldet von hier, daß die preußi­sche Regierung auf die Note des sächsischen Kabinets vom 25. vor. M. vorgestern an dasselbe eine energische Antwort abge­sendet hat, in welcher die Politik Sachsens seit dem Mai vor. I. einer scharfen Beleuchtung unterworfen, der Inhalt jener Note desavouirt und erklärt wird: daß Preußen durchaus nicht gewillt sei, Sachsen seiner Verpflichtung gegen die Union als enthoben zu betrachten.

Gestern Mittag um 2 Uhr verschied nach langen und schweren Leiden General v. Rauch im 60sten Jahre seines Lebens. Ueber den Tag, Ort und sonstige Dispositionen des Begräbnisses wurden heute noch, wie wir vernehmen, die Befehle Sr. Majestät des Königs erwartet, dem in der Per­son des Verstorbenen einer der vertrautesten Diener und Rath­geber durch den Tod entzogen worden ist.

Ältona, 8. Juni. Mit dem heutigen Vormittagszuge kam aus Kttl die Nachricht, daß die Unterhandlungen in Kopenhagen abgebrochen seien und die Vertrauensmänner be­reits Kopenhagen verlassen und auf der Rückreise begriffen wären, und beute oder morgen hier cintrcffen würden.

Nostock, 7. Juni. (N. C.) Als Sitz des mecklen­burgischen Schiedsgerichts in der obschwebenden Streitfrage ist von v. Langenn, wie wir vernehmen, Hamburg vorgeschla- gen und von den beiden andern angenommen worden.

Frankfurt, 8. Juni. Die Deutsche Zeitung fügt der Mittheilung über die vorgestrige Konscrdnz hinzu, daß sich das sogenannte Plenum in einer ziemlich gereizten Stimmung befunden haben soll und dieß nicht etwa wider Dänemark oder sonst einen Reichsfeind, sondern darüber, daß sich die hier anwesenden Herren v. Peucker, Matthis, Liebe, Lappenberg und andere Bevollmächtigte deutscher Staaten so wenig be­eilen, im Eschenheimer Palaste tagen zu helfen. Die Präklusiv­frist, von der schon früher verlautete, soll den zögernden Re­gierungen jetzt wirklich gesetzt worden sein.

Frankfurt, 10. Juni. Nachdem die Bundeskommission beschlossen hat, daß die hiesige Garnison verstärkt werden soll, wird die bisher an hiesigem Platze stehende halbe Eskadron des k. preuß. 8. Kürassierrcgiments in ihre Friedensgarnison Deutz zurückkebrcn, statt deren aber eine ganze Eskadron des k. preuß. 12. HusarenregimentS von Saarlouis hierher mar- schiren; von Koblenz wird eine ganze oder eine halbe Batte­rie Artillerie hierher dislocirt werden, da über die hier stehende k. preuß. halbe Batterie zur Zeit noch nicht verfügt ist. Die Dislocirung dieser Truppenkörper wird mit Ende der Woche stattfinden, und somit die Garnison unserer Stadt um eine halbe Batterie und eine halbe Eskadron Kavallerie vermehrt.

Frankfurt, 10. Juni. Als Bevollmächtigte für den Staatenkongreß find weiter hrer eingetroffen: für die sächsischen und tbüring. Staaten: v. Seebeck; für Nassau: Ministerial- rath Bertram; für Bremen und Lübeck: Syndikus Elder; für die freie Stadt Frankfurt soll, wie man vernimmt, Herr Schöff Dr. Harnier ernannt worden sein. (Fr. I )

Oesterreich.

Von den ungarischen Liberalen wird im Gegensatze zu der Denkschrift der Altkonservativen ein Programm mit fol­genden Forderungen ausgestellt: 1) Allgemeine Amnestie und Verbannung der gefährlichsten Individuen; 2) Aufhebung des