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angebetet war, kosten können, das Bestehen der Monarchie gefährdet. Eine andere der drei ministeriellen Schwestern entsetzt sich vor dem Gedanken, daß wir am Ende gar zur Steuerverweige- rung rathen würden. Auch ras würden wir thun, wenn sich die Mitglieder der ehemaligen Stänveversaminlung vom Jahre 1848 bei der zum 1. Juli zu erwartenden Konfe­renz beikommen lassen sollten, ungesetzmäßiger Weise Sleu- crn zu verwilligen. Vor der Hand bezweifeln wir sehr, daß Vieß geschieht. Außervem werden wir nicht müde wer­den, so lange cs uns vergönnt ist, unsere Stimme zu erheben, jeden ehemaligen Landstanv darauf aufmerksam zu machen, raß er einen Verfassungsbruch begeht, wenn er, seines Eires uneingerenk, nach rem Zusammentritt der Konferenz vom 1. Juli unterläßt, gegen die verfassungswidrigen Maßregeln der Regierung zu protestiren und ras Manrat, das ihm die Re­gierung aufzwingcn will, zurückzuweisen. Wer noch Ach­tung vor der Heiligkeit der Eibe und Gefühl für Män- nerwürre hat, kann nichts Anderes thun."

Frankfurt, 5. Juni. Preußens Politik ging von dem Gedanken aus: Ehrlich währt am längsten. Man hat in Be­folgung dieses Wahlspruches eine Selbstverläugnung geübt, Vie dem heftigsten Tadel ausgesetzt war, weil sie den Muth, der zur raschen That Drängt, unbefrievigl, die Erwartung, welche weder rechts noch links, sondern immer nur auf das zu erstrebenre Ziel allein blickt, mehr und mehr ihres Inhalts beraubt erscheinen ließ. Die Stunde, wo sich jener Satz, vessen Gewicht im Mittelpunkte der sittlichen Weltorvnung ruht, an Preußen unv Deutschland bewähren, wo Preußen den Lohn der Redlichkeit für die deutsche Nation als deren strahlenves Siegeszeichen hinnehmen, wo die verzweifelnde Er­wartung das angelegte Trauergewand abwersen, unv Die ver­jüngte Hoffnung wie mit einem Schlage in Den Genuß der Wirklichkeit cintrctcn soll, — diese Stunde naht. Ja, wir dürfen sagen: düse Stunde ist schon gekommen. Eine Nach­richt, Die heute hier von Mund zu Mund geht, versetzt uns an das Ende aller Wirren, indem wir zugleich mit dem Aus­wege die unmittelbare Nähe des sehnsüchtig erstrebten Zieles vor Augen sehen. Man hatte in letzter Zeit mit freventlicher Verleumdung von Preußen zu sagen gewagt, es nahe bittend ver ehemals so befreundeten Großmacht Rußland, und Die Aufgabe vcs Prinzen von Preußen bei seiner Reise nach War­schau bestehe Darin, Den Zorn des kaiserlichen Schwagers vom berliner Kabinet abzuwenven. Weiter gehend wurde behaup­tet, Preußen nehme Rußlands Hülfe in Anspruch, um nur nicht mit seiner Unions-Politik elenden Schiffbruch zu leiden. Ein deutsches Herz war zu stolz, solche Schmähung Der ersten Macht im weiten Vaterlande auch nur zu beantworten. Preu­ßen konnte nur eine Forderung stellen, an Rußland wie an die ganze gesittete Welt: Die Anerkennung seines Rechtes. Auf Lügengewebe, Die man gegnerischerseits um den Kaiser von Rußland gezogen, war Der saubere Plan gebaut, Preußen unv Deutschland ihrer Hoffnungen, ja jeder Zukunft zu be­rauben ; der Prinz von Preußen hat diese Gespinnste in ihrer ganzen Nacktheit aufgcveckt, Der helle Blick des Kaisers hat Vie Lüge durchschaut. Kein Ereigniß konnte auch hier gewal­tiger einwirken. Man sieht jetzt in Den zum Theil völlig durcheinander geworfenen diplomatischen Kreisen einer absoluten Umwandlung entgegen, und zwar um so mehr, als Mancher zu seinem Entsetzen erfahren mußte, wie der Kaiser Die treu­losen Machinationen auch einiger kleinen deutschen Höfe voll Entrüstung zur Sprache gebracht hat. (K. Z.)

Mainz, 8. Juni. Heute Morgen wurde die Sitzung im Frei- schaarenprocesse schon um 7 Uhr begonnen, damit nach beendigten Resumë vesPräsidenten Die Geschworenen zeitig in ihr Bcralhungs- zimmer kommen könnten, das sie, gesetzlicher Vorschrift zufolge, vor beendigter Sitzung nicht verlassen Dürfen. In einem vier­stündigen Resumë wiederholte Der Präsident Die wider jeden Angeklagten vorgebrachten Belastungs- und Vertheitigungs- grünve. Gegen 11 Uhr zogen sich Die Geschworenen in ihr Berathungszimmer zurück. Der Saal blieb fortwährend dicht mit Menschen angefüllt, großentheils Verwandte unv Freunde der Angeklagten, Die mit Spannung Der Antwort Der Jury

entgegensahen. Um 3 Uhr Nachmittags traten die Geschwo­renen und der Assisenhos ein. Der Chef der Jury verliest deren Verdikt. Es lautet auf jede der sieben und neunzig Fragen: „Nein, die Angeklagten sind nicht schuldig." Der Präsident läßt hierauf die Angeklagten vorführen unv Vorlesung von dem Verdikt der Jury geben. Der Assisenhos verordnet sofort, daß sämmtliche Angeklagten, insofern sie nicht wegen eines anderen Deliktes in Untersuchung sind, augen­blicklich in Freiheit gesetzt werden. Sämmtliche Angeklagte, mit Ausnahme Eines, Der sich wegen einer anderen Beschul­digung noch in Haft befindet, werden augenblicklich in Freiheit gefetzt. Die in Freiheit gesetzten Angeklagten werden von Verwandten und Freunden vor dem Assisensaale freudigst be­grüßt. Eine dichtgedrängte Menschenmasse erwartet in Den dem Justizpalast zunächst gelegenen Straßen, Die zum Theil durch österreichisches Militär und Polizeiagenten abgesperrt sind, Die Nachricht über das Schicksal Der Angeklagten.

München, 6. Juni. Seit einigen Tagen werden, wie cs scheint, auch bei uns die Rüstungen eifriger und schneller betrieben, als es seit Wochen der Fall war, und cs ist so Manches angeordnet worden, was vielleicht unterblieben wäre, wenn nicht in Preußen neuerdings Kriegsrüstungen angeordnet worden wären, resp, wenn Der Stand Der deutschen Frage nicht ein so trauriger wäre. Es ist u. A. vor drei Tagen Die Anordnung erlassen worden, in Den hiesigen Militärwerk­stätten 2 Millionen Stück scharfe Patronen und eben so viel Kapseln anzuferligen. — Durch ein heute beim Präsidium Der zweiten Kammer eingelaufenes k. Dekret wird der gegenwärtige Landtag bis 15. Juli l. I. verlängert. Es ist voraussicht­lich, daß Die Buvgetberathungen in beiden Kammern auch bis zu diesem Zeitpunkte nicht beendigt werden können. (W. Z.)

Oesterreich.

Wien, 4. Juni. Die Wiener Zeitung druckt über die deutsche Frage unter Den aus amtlichen Mittheilungen fließen­den, als nicht amtlich bezeichneten Dingen einen Aufsatz aus Der niedersächsischen Zeitung ab. In diesem Aufsatz heißt eS, der von Oesterreich beschrittene Weg sei der einzig mögliche und rechtliche, zweitens seien die deutschen Fürsten gar keine Souveraine, die vollkommene völkerrechtliche Freiheit und Un­abhängigkeit besitzen — was sagt Hr. von der Pforvten dazu? — sie sind himmelweit entfernt, europäische Mächte zu sein und haben überhaupt nur insoweit ein völkerrechtliches Dasein, als sie Mitglieder des durch die Bundesakte konstituirten deut­schen Bundes sind, ihre Souverainelät ruht lediglich in Der Bundesakte! Diese Ausdrücke gränzen unsers Erachtens an Unverstand. Sagt doch die erste Zeile der Bundesakte: „Die souveraine» Fürsten und freien Städte Deutschlands" sind übereingekommen u. s. w., was doch offenbar eine Souverai- netät voraussetzt, ehe Der Bund bestand. Wie kann man glauben, sagt die niedersächsische Autorität, daß Oesterreich oder Baiern mit Den Fürsten von Reuß oder Walkeck unter# handeln werde, wenn diese nicht mehr die Bundesakte aner­kennen ; nur durch Die Bundesakte besteht zwischen jenen gro­ßen Staaten und diesen kleinen Herren Rechtsgleichheit, inso­fern sie als Mitglieder deS deutschen Bundes Souveraine sind. Ehren sie Die Bundesakte nicht mehr, so haben sic gleich­sam Den Freibrief ihrer Souverainelät zerrissen.....Das ist also Die Weisheit unserer Politik. Ihr seid Vasallen und müßt daher den Hirngcspinnstcn eines Schwarzenberg, Schmer­ling rc. gehorsam sein, ruft man den deutschen Fürsten zu! Es ist gut für Diese Herren, so verständlich über ihr Verhält­niß zu Oesterreich aufgeklärt zu werden. Eines weitern Kom­mentars bedarf diese Sprache nicht. (D.R.)

Wien, 6. Juni. Eingetretener wichtiger Umstände we­gen wurde dle Abreise Sr. Exc. des Ban wieder auf unbe­stimmte Zeil verschoben.

Wiener Neustadt, 3. Juni. Seit einigen Tagen wird der Name „Metternich" in unseren Mauern wieder sehr häufig genannt. Veranlassung dazu bietet der jüngste Sohn des Fürsten; derselbe ist vorläufig bei einem Jägerbataillon als Kadett eingetreten, und befindet sich in Begleitung eines ihm zugetheilten k. f. Majors seit Kurzem hier, um in der