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Magistrats als Polizeisenats ist auf Grund des Ausschreibens der k. Regierung von Mittelfranken vom 22. April d. I. der Nürnberger Turnverein geschlossen und dessen Mitgliedern das Tragen der Turnzeichen unter Androhung der im Art. 22 des Vereinsgesktzes angeführten Strafen verboten. — Laut Be­kanntmachung des L Telegraphenamts wird die Telegrapben- linie von Augsburg bis Bamberg als Fortsetzung der bereits dem Betrieb übergebenen Linie von Salzburg über München nach Augsburg am 10. d. M. eröffnet.

Oesterreich.

Wien, 4. Juni. Man will hier in gut unterrichteten Kreisen wissen, daß Hr. Nesselrode dem Kaiser von Rußland vor dessen Abreise" nach Warschau eine Denkschrift vorlegte, worin er nachweist, daß durch die Kreirung eines slavisch­italienischen Reiches (?!) für den Kaiser von £eftemid) und eines deutschen Reiches für den König von Preußen , die un­ter den Völkern herrschende Aufregung beschwichtigt und eine Koalition bewerkstelligt würde, welche gegen Frankreich ener­gisch auftreten könnte; eS wäre dieß das einzige Mittel, um den revolutionären Ideen, die in Frankreich ihren Heerd ha­ben, einen Damm entgcgcnzusetzeu. Nebenbei gewinnen auch die Gerüchte über Unterhandlung zwischen Rußland und Oe­sterreich wegen Abtretung der Bocche di Cattaro täglich an Ausdehnung und Konsistenz.

— Die Reichszeitung bezweifelt, daß Rußland nicht mit des Ministeriums deutscher Politik vollständig zufrieden sei, glaubt nicht an Krieg und findet es sehr Unrecht von Preu­ßen, daß eS durch seine Rüstungen Oesterreich zu Geldalis- lagen veranlasse, da dieses sich natürlich auch rüsten müsse. Wir waren freilich bisher der Meinung, daß wir schon ge­rüstet seien, da wir uns sonst nicht die allmonatlichen 5 bis 10 Millionen betragenden Ausfälle in den Finanzen erklären könnten. — Prinz Albert, präsumtiver sächsischer Thronerbe, ist hier eingetroffen. — Baron Josika hat schon vor längerer Zeit drei Beschwerdeschriften von 103 siebenbürgischen Grund­eigenthümern cingereicht, welche zwar nichts auf dem politi­schen Gebiete, aber doch Sicherheit des Lebens und d:s Ei­genthums begehren. Sie wollen nicht, daß unfähige und ge­wissenlose Leute zu Beamten gemacht werden, sie bitten um Nachsicht wegen der plötzlich eingeführten hohen Steuern. Es verlautet, daß diese Bittschrift einen unangenehmen Eindruck gemacht habe. — In Szegedin ist die Befreiung der Adeli­gen vom Brückengelde, nicht auf deren Antrag, sondern auf unerwartete Verfügung der Landesbehörde wieder eingeführt worden. — Das freiwillige Anlehen in den italienischen Pro­vinzen hat leider nicht mehr als 12 Millionen Lire Unter­schriften gebracht. — Die „österreichische Korrespondenz" er­klärt das Gerücht, daß der Hafen von Cattaro der russischen Flotte eingeräumt werden soll, für grundlos.

Wien, 5. Juni. Aus Klausenburg schreibt man dem P. M. unter vielem Andern: Zur Einsammlung der, aus Münzen mit magyarischer Umschrift gefertigten Armbänder hat die Polizei Haussuchungen gehalten — von den Gold- und Silberarbeitern forderte sie das Namensverzeichniß der Besteller. Jetzt eben hören wir aus dem Siebenbürger Gesetz­blatt, daß dies Verfahren auf des Gouverneurs Befehl ge­schehen, welcher diese Einrichtung damit begründet, daß man durch Anfertigung solcher Arbeiten das Metallgeld nicht aus ter Cirkulation bringen dürfe; wie wir hören, bat ein Gold- arbeiter angefragt, ob es erlaubt sei, zum Halsschmuck der Ju- Venweiber uud Wallachenmädchen die kaiserlichen Dukaten und Thaler zu verarbeiten? worauf die Antwort erfolgte, daß dies eine ganz andere Sache sei, auf die sich jener Befehl nicht erstreckt. Das Klausenbulger Blatt steht, in des Wortes voll­ster Bedeutung, unter Polizei-Censur. Und bei allem Diesem wird auf die Feldpolizei gar keine Aufsicht verwendet, die Armen- und die Marktpolizei, Feuerlösch- und Reinlichkeits- anstaltcn sind im größten Stocken.

Vermischtes.

Berlin, 5. Juni. Von der Vortrcfflichkcit der preußischen Wehr- Verfassung gab am Montag wiederum die Mobilmachung der 3. Eskadron des 20. Landwehr-Regiments — ausschließlich aus Berlinern bestehend — einen schlagenden Beweis. Wenige Tage vorher wurde den Mannschaften der Befehl übermacht, sich in Wustcrbausen ju stellen, und zugleich dem Berliner Magistrat die Anweisung ertheilt, einen Theil der erforderlichen Pferde eben dort abzuliefern. Am Montag Morgen wanderten die Mann­schaften, größtcnthcils zu Fuß, ihr Gepäck in Ränzeln auf den Rücken und in bunten Elvilklcidcrn, in's Thor von Wusterhausen hinein, hinter ihnenZzer der Magistratökommiffar mit den abzuliefernden Pferden. We­nige Stunden daraus wurden die Militärklcidungsstücke verabfolgt, die Armirung bewirkt, und schon am Nachmittag saß die ganze Eskadron zu Pferde und rückte, als hätte sic wochenlange Exercitien durchgcmacht, in trefflich geschlossenen Gliedern zum andern Thore wieder hinaus. Der Marsch wurde auf Magdeburg gerichtet. Man äußerte sich außerdem über das ruhige und gesittete Verhalten der so plötzlich zusammenströmen- den Mannschaften im höchsten Grade erfreut und befriedigt. (B. Ztg.)

Börsenberichte.

Berlin, 8. Juni. Preuß. Frciw. Aul. : Brief 1053/4, Geld 105'/4. St. Schuld - Sch.: Brief 86, Geld —. Seebdl. - Pr. Sch.: Brief --, Geld 103'/4. Kurh. Pr. O. 40Thlr.: Brief 323/„ Geld 32'/.. Fr.- Wilh.-Nordb. 39'/4 bez. Prior. Akt. 98 G.

Wien, 6. Juni. Metalliq. 5proc. 933/4 — 7/8 , 94. 4'/2prcc. ~ /16/ Vr, 5Zn*___

Kekanntmachungen.

(’ o I o n i a,

Feuerversicherungs-Gesellschaft zu Köln.

[429] Nachdem am 3. d. M. den Aktionären über das Geschäftsjahr 1849 Rechnung gelegt worden ist, befindet sich bei der unterzeichneten Agentur ein Auszug aus dem Protokolle der Generalversammlung zur Behändigung an Jeden, der sich über den Geschäftsstand der Gesellschaft zu unterrichten wünscht.

Die den Versicherten bargebotene Garantie ist abermals stärker geworden.

Es sind bei mir jederzeit Prospektus und Formulare zu Versicherungsanträgen zu erhalten. Auf sorgfältige und rasche Besorgung der angetragenen Versicherungen kann man bei mir rechnen. Grebenstein, am 30. April 1850.

Der Agent:

Heinrich Berendt.

Allgemeiner Anzeiger.

[441] Um etwaigen Nachfragen zu begegnen, sehe ich mich zu der ergebensten Anzeige veranlaßt, daß ich vom 26. Juni bis 1. August d. J. von hier abwesend bin.

Kassel, den 2. Juni 1850.

____L. Stirn, Hoszahuarzt.

[463] Zur öffentlich meistbietenden Verpachtung der Bahn- bofS-Restauration zu GunterShausen ist Termin auf Montag den 17. d. M., Nachmittags 3 Uhr, in die Wohnung des Bahnbos-JnspektorS dortselbst anberaumt worden, was Pacht­liebhabern mit dem Bemerken zur Nachricht dient, daß Nt Pachtbedingungen in dem Termine werden bekannt gemacht werden.

Kassel, am 6. Juni 1850.

Hübner, Sekretär.

[467] Junge Leute, welche Unterricht in der älteren und neueren Geschichte wünschen, sinken gegen billiges Honorar einen Lehrer. Näheres bei G. E. Vollmann am Karlsplatz.

Repertoire des Kurfürstlichen HoftkeaterS.

Dinstag den 11. Juni. Rosenmüller und Finke oder: Ab­gemacht! Original-Lustspiel in 5 Aufz. von E. Töpfer.

Donnerstag den 13. Juni. Maric, oder: Die Regimeutstochter komische Oper in 2 Aufz. nach St. Georges und Bapard. Musik von Donizetti.

Sonnabend den 15. Juni. Gäcilic von Albano. Dramatisches Gedicht in 5 Aufz. von S. H. Mosenthal.

Sonntag den 16. Juni. Faust. Oper in 2 Aufz. voit Bernard. Musik von L. Spohr.

Dinstag den 18. Juni. Die Schule der Verliebten. Lustspiel in 5 Aufz. von C. Blum.

Das Kurfürstliche Hofthcatcr bleibt bis zum 1. August geschlossen.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und Dr. A. Pfaff. — Druck von Friedr. Scheel in Kastel.