1075 —
den wahrscheinlichen Verlaus eine bestimmte Meinung aussprechen zu können.
Frankfurt, 7. Juni. Gestern Nachmittag wurden die hier in Besatzung stehenden zwei Bataillone des fön. preußischen 31. Infanterieregiments nebst den königl. preußischen Kürassieren und Artilleristen, so wie das Frankfurter Linienbataillon zum Grindbrunnen befehligt, und ihnen daselbst das Unstatthafte unD Aergerliche der seit einigen Tagen vorgefallenen Excesse durch die betreffenden Befehlshaber vorgehalten, sie zur Eintracht ermahnt und vor den Folgen solcher Auftritte gewarnt. Nach solchen eindringlichen Reden des preußischen und des Frankfurter Kommandanten, und nachdem sich beide Staabsofficiere vor der Fronte umarmt hatten, mußten von den verschiedenen Kompagnien die ältesten aller Chargen hervortreten und sich gegenseitig die Hand reichen. Zum Schlüge brachte der preußische Kommandant der Eintracht ein Hoch, was mit vieler Begeisterung erwidert wurde. Um 7 Uhr Abends rückten die Truppen gemeinschaftlich unter dem klingenden Spiele ihrer Musiken wieder in die Stadt ein. Die Mannschaft war nur mit dem Seitengewehre bewaffnet.
(F. O.P.A.Z.)
Frankfurt, 7. Juni. Dem Fr. Journ. wird folgende Mittheilung gemacht: Die Plenarversammlung der Bundes- bevollmächligten hat gestern eine Sitzung gehalten, bei welcher auch der Eintritt des Bevollmächtigten von Hessen-Darmstadt und Strelitz angezeigt und deren Vollmachten verlesen wurden. Eine verwahrende Erklärung Baicrns in Betreff des Gesandten des Königs von Dänemark als Großhcrzogs von Holstein-Lauenburg wurde zurückgenommen, nachdem der Prä- sidialgesandte Oesterreichs dargethan, wie es sich hier um bestimmte Bunvkszwccke handle, worüber mitzusprechen dem anerkannten Souverain von Holstein-Lauenburg nicht verwehrt werden könne, ohne dieses Land vom Bunde auszuschlicßcn. Die Gesandten Preußens, sowie derjenigen Regierungen, welche sich zu Berlin für die Union erklärten, waren nicht zugegen.
Frankfurt, 8. Juni. Der Bevollmächtigte zum Slaa- tenkongresse für Braunschweig und Oldenburg, Legationsrath Liebe, ist hier eingetroffen unD hat bereits eine Privatwohnung bezogen. — Als Bevollmächtigter der freien Stadt Frankfurt für den Kasseler Haudelskongreß ist, wie es heißt, vom Senate Herr Senator Coster ernannt worden. — Se. königl. Hoh. Der Großherzog von Hessen ist, auf der Rückreise von Kassel nach Darmstadt begriffen, gestern Mittag hier eingetroffen, wo Höchstdensklbcn seine Gemahlin auf Dem Mainweserbahnhofe erwartet hatte.
Darmstadt, 6. Juni. Noch im Laufe dieser Woche wird Die Ausschreibung der Wahlen erfolgen, und zwar, als letzter Versuch, nach dem bestehenden Wahlgesetze. Diese Gewißheit, zusammen mit der verbürgten Nachricht, daß der Bevollmächtigte im Verwaltungsrathe angewiesen ist, sich an Dem Provisorium der Union zu betheiligen, hat einen überaus beruhigenden Eindruck im Lande gemacht. — Der Bürgermeister von Butzbach erklärt die Mittheilung, daß der durchreisende Großherzog von Baden insultirt worden sei, für eine —Verwechselung : man habe ihm vielmehr ein Hoch! nachgcrufen. Eine sehr wunderbare Verwechselung! (K. Z.)
Main;, 6. Juni. Die Vertheidignngsrcden scheinen dazu ausersehen, neuen Glanz über den Freischaaren - Proceß zu verbreiten. Der Vertheidiger Lehne ist vom Assisenhof mit der disciplinarischen Strafe des Verweises, Der Vertheidiger Müller mit der Strafe des scharfen Verweises belegt, und als Der Vertheidiger Görz seinen Vortrag kaum begonnen hatte, veranlaßte eine Aeußerung desselben die Staatsbehörde, ihn zu unterbrechen, um ihm Etwas zu entgegnen. Hr. Görz verzichtete auf jede weitere Vertheidigung, die übrigen Vertheidiger und sämmtliche Angeklagten schlossen sich ihm an. Dieß hatte eine allgemeine Aufregung zur Folge, weshalb der Präsident die Sitzung aus der Stelle schließen und bis morgen aus- setzen mußte. (D. Z.)
Karlsruhe, 6. Juni. Das Regierungsblatt bringt amtlich die Ernennung des Legationsratbs v. Porbeck zum Bevollmächtigten am Kongreß in Frankfurt und des Lega
tionsraths Freiherrn v. Meysenbug zum Bevollmächtigten int provisorischen Fürstenkollegium der deutschen Union.
Stuttgart, 5. Juni. Der Ausschuß der Lanvesver- sammlung hat (wie bereits gestern kurz mitgetheilt worden) tu seiner heutigen Sitzung beschlossen, die in dem Berichte der staatsrechtlichen Kommission, vorgetragen von dem Abg. M. Mohl in Der letzten Sitzung der Landesversammlung vom 3. D. M., unter 1 a. b. vorgeschlagenen Erklärungen an die fön. StaatSregierung vorläufig zu seinen eigenen zu machen, bis die Landesversammlung über dieselben selbst entschieden haben wird, und gegen jedes einseitige Vorgehen Der Regierung in Dieser Hinsicht die Rechte des Landes aufs Entschiedenste zu wahren; so wie die königliche StaatSregierung sowohl im Hinblick auf Die Dringlichkeit einer Berathung der Landesversammlung über diese Punkte, als auch hinsichtlich der von dem Ausschüsse für eben so dringlich erachteten Entscheidung der Landesversammlung über die gegen den Chef der auswärtigen Angelegenheiten, Freiherrn v. Wächter-Spittler, von der staatsrechtlichen Kommission und von dem Ausschüsse für begründet erachteten Anklage vor dem Staatsgerichtshofe um unverweilte Wiedereinberufung der Landesversammlung zu bitten. (S. M.)
Oesterreich.
Wien, 3. Juni. Gestern war wieder Ministerratb, in welchem Die deutschen Angelegenheiten vorzugsweise besprochen sein sollen. Der Austritt Sachsenö aus Dem Bündnisse vom 26. Mai, der schon lange vorauszusehen war und daher keinen besonderen Jncidenzpunkt abgibt, ist hier sehr wohlgefällig bemerkt, und Die Zuversicht auf ein glückliches Durchführen Der österreichischen Umgestaltungspläne der Bundesverfassung gesteigert worden. Bezeichnend ist es indessen, daß Der von Den Unionsregierungen, eingelegte Protest gegen Die von dem kaiserl. Kabinette beliebte Form der frankfurter Kongreßver- handlungcn und gegen Die aus Den letzteren gefolgerten Konsequenzen von unserer ministeriellen Tagespresse bisher ziemlich oberflächlich behandelt wurde, und auch im diplomatischen Wege darüber noch ein völliges Stillschweigen zu herrschen scheint, da nirgends hierüber etwas verlautet, und sogar die Fama über angeblich gewechselte energische Noten, wie dieß so oft früher Der Fall war, dieß Mal schweigt. Erzherzog Albrecht, Truppen-Oberkommandant in Böhmen, ist ebensalls hier eingetroffen, wie es heißt, um Instruktionen einzuholen, ob er fortfairen solle, Die an den Grenzen gegen Sachsen ausgestellten Korps fernerhin in weiteren Kantonirungen und mehr nach dem Innern des Landes hin zu verlegen, oder ob Die Armee wieder auf bestimmte Punkte eng zu koncentrireu sei. Den Anlaß zu dieser Bedenklichkeit wird wohl Die durch die Zeitungen gebrachte Nachricht Der Mobilisirung einiger Korps Der preußischen Armee gegeben haben, der man hier eine große Wichtigkeit und hohe Bedeutung beizulegen sucht, ohne zu bedenken, daß sie eigentlich weit früher hätte erfolgen müssen, um gegen unsere ohne irgend einen haltbaren Grund beliebten Rüstungen in Böhmen die Reciprocität auszuüben. Einen zweiten Stein des Anstoßes bieten noch immer die kasse- 1er ZollvereinSkonferenzen dar, und der Handelsminister bat in Der Ueberzeugung, daß der Eindruck, den die österreichische Denkschrift über die allgemeine deutsche Zolleinigung hervor- gebracht, bereits verwischt worden ist, und daß dieß Feld, welches Der österreichisch-deutschen Politik ein so vortreffliches Mittel bietet, sich Anerkennung und Geltung zu verschaffen, nicht unbebaut bleiben darf — eine zweite Denkschrift verfassen und dieselbe Graf Thun nach Frankfurt senden lassen, um sie einstweilen unter der Hand zu verbreiten, späterhin aber als ein neues Agens hervortreten zu machen. (D. R.)
Wien, 4. Juni. Die österreichischen Blätter bringen nichts Neues: in Ungarn die Fortdauer von Begnadigungen zu vielen Fcstuugsjahren in schwerem Eisen, in Mähren die Der epidemischen Judenkrawalle. — Die Einführung der Pickelhauben für Artillerie und Infanterie ist, als definitiv beschlossen, von den Montirungskommissionen bereits in Angriff genommen worden. Schon sah man gestern Wachtposten mit dieser neuen Kopfbedeckung.
Wien. Der Lloyd läßt sich aus Frankfurt schreiben