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Preußen wäre seiner Ehre um so mehr schuldig, seiner Politik Achtung zu verschaffen, je mehr es in derselben die Rechte und Freiheiten Anderer streng geachtet und geehrt hat.
— Nach dem Bulletin vom 6. Morgens hat der König erst nach Mitternacht ruhig geschlafen. Die Entzündungsge- schwulst am Fuße hat noch weiter abgenommen, der Heilungs- proceß der Wunde macht den erwünschten Fortgang.
— Heute fand eine Sitzung des Staatsministeriums Statt. Die von Sr. Majestät vollzogene Deklaration in Bezug auf die Presse wird, wie wir hören, morgen oder übermorgen pub- licirt werden. (D. R.)
Berlin, 7. Juni. Der Nordv. Ztg. wird von hier geschrieben: Der Vorgang Nassau's ebensowohl als die Rührigkeit der gothaischen Partei in Darmstadt sind auf die Haltung der Regierung dieses Landes nicht ohne bedeutenden Einfluß gewesen. Hessen-Darmstadt, das auf dem Fürstenkongreß nicht votirt hatte, wird sich an der Errichtung des Provisoriums dennoch betheiligen. Hr. v. Lepel ist so gut als ernannt, um Darmstadt in dem Fürstenkollegium zu vertreten. — Der Verwaltungsrath hat, nach der V. Z., bei den einzelnen Regierungen der Unionsstaaten auf die Umwandlung des provisorischen Schiedsgerichts in das Schiedsgericht der Union angetragen. — Endlich ist, schreibt die V. Z., der preußische Bevollmächtigte beim frankfurter Staatenkongresse in der Person des Geheimenraths Mathis ernannt worden. Derselbe ist am 2. d. M. von hier nach Frankfurt abgereist. In seinen Instruktionen spricht es sich deutlich aus, daß Preußen nicht nur an der Union festhält, sondern auch enl- schlosscn ist, derselben nötigenfalls mit Gewalt der Waffen Geltung zu verschaffen. Bevor mir zu dem Inhalte der Instruktion selbst übergehen, bemerken wir noch, daß in den Lor- unterhandlungen, welche mit dem österreichischen Gesandten, Herrn Prokcsch von Osten, hier in Berlin gepflogen worden, Preußen die beiden Punkte vurchgesetzt hat, 1) daß Der Staatenkongreß in Frankfurt weder Namen noch Charakter des Bundesplenums trägt und die Unterhandlungen in Frankfurt selbst nur als freie Unterhandlungen zu betrachten sind, und 2) daß die Leitung dieser gemeinsamen freien Unterhandlungen abwechselnd von Preußen und Oesterreich geführt wird. Die Anerkennung der Union wird unumwunden gefordert. Sollte es sich herausstellen, daß man den gegenwärtigen Einigungsversuch Preußens wieder benutze, um den Abschluß der deutschen Angelegenheiten in die Länge zu ziehen und der Union dadurch nach und nach den Boden zu untergraben, so ist Hr. Mathis angewiesen, in diesem Falle die Theilnahme von Seiten Preußens an den Verhandlungen sofort abzubre- chen. Schließlich ist Hr. Mathis angewiesen, mit den Gesandten der Unionsstaaten den lebendigsten Verkehr zu untere halten, damit dieselben, nach der bei dem Fürstenkongresse getroffenen Verabredung, ihre Stimmen mit Preußen einmütig abgeben. Bekanntlich beträgt die Zahl der der Union bei getretenen Staaten 22 und ist somit die Majorität Preußen gesichert. Auch wird das Münchener Verfassungsprojekt vom 27. Februar in einer besonderen, den Instruktionen beigefüg- len Denkschrift, erwähnt, und dargethan, unter welchen Bedingungen und Gesichtspunkten dasselbe mit der Verfassung der Union in Verbindung gebracht werden könne. — Im Widerspruch mit den bisherigen Mittheilungen über die Haltung des russischen Kaisers und die Aufnahme des Prinzen von Preußen, die auch in Privatkvrrespendenzcn aus Wien bestätigt werden, schreibt heute der Lloyd: Oesterreich steht mit seiner ganzen Macht hinter dem Bundesrechte, und es ist nicht wahr, daß Rußland ihm entgegen sei; vielmehr ist es neueren Nachrichten zusolge gewiß, daß Rußland sich für dasselbe erklärt habe. Jetzt wird man wieder über fremde Einmischung schreien, die vor zwei Wochen trefflich war.
Berlin, 7. Juni. Dem Vernehmen nach wird Herr Sundikus Banks von Hamburg während der Dauer der Ab- Wesenheit für die Herren Bürgermeister Smidt aus Bremen und Syndikus Elder aus Lübeck, welche sich zu dem Frankfurter Staaicnkongrcffe begeben , sämmtliche 3 Hansestädte im Verwaltungsrathe vertreten.
— Das Korresp.-Bureau schreibt: Kurhessen hat sich entschieden geweigert, einen Bevollmächtigten für das Fürstenkol- legium zu ernennen. Hessen-Darmstadt verharrt in einer nicht ganz klaren Stellung zu den Unionsangelegcnhciten. Seitdem Hr. v. Lepel in Darmstadt gewesen ist, und dort seine Ansichten in Bezug auf die deutsche Frage sich wieder Geltung verschafft haben, werden dem Großherzog gewisse Verbindlichkeiten unangenehm, die er kurz vor dem Berliner Fürstenkongresse dem Kurfürsten von Hessen gegenüber eingegangen ist. Es muß abgewartet werden, wie weit die Verpflichtungen zu einem gemeinschaftlichen Handeln mit Kurhessen in Darmstadt werden interpretirt werden. — Mecklenburg - Schwerin hat sich auch bis jetzt noch nicht definitiv über die Ernennung eines Bevollmächtigten ausgesprochen. Mecklenburg - Strclitz ist wohl als zurückgetrctcn anzusehen.
Breslau, 5. Juni. Heute Vormittag hat die Abtheilung für Strafsachen des hiesigen Stadtgerichts dem erneuerten Anträge auf Freilassung des Grafen Oskar v. Reichenbach Statt gegeben und denselben in Freiheit gesetzt.
Schwerin, 4. Juni. Wie ich höre, hat General v. Both die Mission nach Frankfurt abgelehnt, und wird an seiner Stelle der Ministerpräsident v. Bülow dorthin gehen. Der den Bevollmächtigten begleitende Ministcrialassessor v. Bülow ist vor einigen Tagen zum Legationsrath ernannt. (D. Ref.)
Köthen , 4. Juni. (D. R.) Am gestrigen Tage war Sonderlandtagssitzung. Das Ministerium legte den Finanz- etat für das nächste Rechnungsjahr vor. Nach Erneuerung des Büreaus stellte der Abg. Wolter die dringliche Interpellation : wodurch gedenkt das Ministerium die Aufhebung des Vereins freier Gemeinden, welcher hier tagen wollte, zu rechtfertigen? und verlangt die Dringlichkeit. Diese wurde denn von dem Ministerium auch zugcstanden, und Minister v. Goßler beantwortete die Interpellation sofort dahin: daß nach der Verfassung nur Inländern das freie Vereinigungsrecht zustände, von Ausländern in der Verfassung überall keine Rede sei. und daß er seine erste Pflicht, für die Wohlfahrt des Landes zu sorgen, dadurch verletzt haben würde, wenn er eine Versammlung, die von dem preußischen Gouvernement ausdrücklich ihm als staatsgefährlich bezeichnet worden wäre, hier hätte Statt finden lassen. Die Versammlung freier Gemeinden von Inländern beabsichtige er nicht zu stören, das habe er am verflossenen Sonntage bewiesen, wo eine solche hier Sratt gefunden habe, ohne das geringste Hinderniß Seitens der Sraats- regierung. Der Abg. Wolter erklärte, sich mit dieser Beantwortung nicht beruhigen zu können, und suchte in längerer Rede eine Verfassungsverletzung nachzuweisen , unterließ aber, einen weiteren Antrag zu stellen, wodurch diese Angelegenheit beseitigt ist. — Der Landtag vertagte sich hierauf auf unbe- sttmmte Zeit.
Leipzig, 4. Juni. So weit sind wir denn unter der Fahne Oesterreichs und des Bundestages, daß die Regierung ohne Neuwahl die vor dem März 1848 bestandenen Kammern kinberuft. Dieß ist wohl der stärkste Versuch, der bisher in Deutschland gemacht worden ist, um die Jahre 1848 und i849 aus der Geschichte auszulöschen. Ein Extrablatt Der Leipziger Zeitung brachte uns heute Vormittag diese Beschcc- rung; wer es nicht selbst gelesen hatte, wollte es nicht glauben; und selbst wer es gelesen hatte, traute seinen Augen nicht. Die Aeußerungen darüber sind sehr verschieden: Die Radikalen sagen gar nichts und freuen sich im Stillen; die ehemals Konservativen bedauern theils Den schnellen Sturz, sind aber zum Theil auch damit zufrieden, daß das Ministe- rium, Dem sie längst ihr Vertrauen entzogen haben, endlich in seiner wahren Gestalt auftritt; die Gleichgültigen gegen konstitutionelle Formen und Rechte wundern sich, daß dieses Ministerium von Den vorvorletzten Kammern, die es |id£ ausgewählt hat, unterstützt zu werden erwarten könne; Die Kaufleute begreifen nicht, wie man auf solche Sicherheit hin eine Anleihe von 16 Millionen unterbringen wolle; Andere erklären das Ganze für einen Scherz, der nicht in Betracht käme, während von Osten Die Oesterreicher und von Norden die Preußen heranrückten. Die Sache ist noch zu neu, um über