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Gesetzes u. s. W. nicht %, sondern 3/< der Stimmen zur Fas­sung eines gültigen Beschlusses erforderlich sein sollen, so daß also in diesen wichtigeren Fragen die Einhelligkeit aller go- tbaischen Abgeordneten gegenüber der koburgischen Minorität ohne Erfolg bleiben würde. Auch in financiellcr Beziehung enthält diese Vorlage einige für den gothaischen Landestheil bedenkliche Punkte, indem unter Andern das Domäncnvcrmö- gen Gothas, welches Staatsgut ist, während die koburgischen Domänen unveräußerliches Familieneigenthum des Herzoglichen Hauses sind und nur einen Theil zu den (koburgischen) Staats­lasten beitragen, — fortan die Verbindlichkeit haben soll, daß seine Einkünfte zur Bestreitung der Kosten des (Gesummt-) Herzogthums verwendet werden müssen. (O. P. A. Z.)

Oesterreich.

Wien, 3. Juni. (D. R.) Die Nachricht, welche seit zwei Tagen die allgemeine Aufmerksamkeit beschäftigte, die Abreise des Kaisers nach Warschau, wird heute widerrufen; daß dieß nicht früher geschehen, daß sich Die Nachricht selbst in den bestunterrichtelen Kreisen so lange er­hielt, läßt vermuthen , daß ein gefußter Entschluß im Augen­blick der Ausführung ein Bedenken und erst jetzt eine Aende­rung erfahren hat. Ueber die Beweggründe herrscht völliges Dunkel; man versucht jedoch im Widerspruche mit der aUge- meinen Ansicht, zu verbreiten, daß Fürst Schwarzenberg mit des Kaisers von Rußland völliger Billigung der österreichi­schen Politik zurückgckchrt sei. Es wäre dieß um so über­raschender, als diese Politik eine ganz unausführbare und die russische Diplomatie, wenn auch bei uns nicht eben beliebt, aber doch in dem Rufe einer gewissen praktischen Geschicklich­keit ist, die sich schwer mit der Unterstützung eines immer Projekte machenden und nichts vollendenden, immer kriegs­lustigen und nirgends pacificirenden Systemes vertragen dürfte. Inzwischen ist Erzherzog Albrecht hier eingetroffcn und wird vermuthlich über die Verwendung des böhmischen Armeekorps berathen , da dieselbe sich schon aus Gesundheits­rücksichten immer dringender herausstellt, und wie ein hoher Officier einmal gesagt, es doch immer vorteilhafter sei „die Soldaten auf dem Schlachtselde, als in den Spitälern zu verlieren." So viel bekannt ist, schmeichelt man sich, Die deutsche Angelegenheit im schlimmsten Falle mit einem sehr engen Bündnisse BaiernS, Sachsens, Württembergs und Oesterreichs abzuschlicßcn. Warum sollte dieß auch nicht? Die Finanzen dieser Lander werden bei ihren Papierfabriken leicht eine Münzeinheit mit uns Herstellen können, unser Zoll­tarif wird ihnen 4 Groschen für jeden Thaler, Den sie beim Zollverein bisher einnahmen, in Aussicht stellen, und dann haben ihre Truppen doch auch den Vortheil, mit unseren Se- ressanern und anderen romantischen Waffengattungen zur Festhaltung der verschiedenen schönen Gegenden der Monarchie Mitwirken zu können. Was vermag Preußen dagegen zu bie­ten? Den langweiligen Frieden, wo sich Die ritterlichen Charaktere nicht entwickeln können, die Vermehrung von Handel, Gewerbsthätigkeit und Wohlstand, welche eine wohlhäbige Bourgeoisie Heranziehl und die Armen des Hungers und Mangels entwöhnt, eine geordnete Finanzwirthschaft, bei welcher die Börsenspekulanten wenig wuchern können, eine praktische, staatsmännische Regierung, welche für fahrende Pro­fessoren keine Ministerstellen hat — wo bleibt Die Romantik, wo Die wohlthätige Bewegung, welche die Quelle und Ursache alles Werdens ist, weil sie das Gewordene stets zerstört? Nicht einmal Familientragödien, nicht einmal Staatsbankerotte sind dabei vorauszusehen! Wie großstaatenäbnlich sind Baiern und Sachsen in der letzten Zeit schon geworden, wie dem Kaiserthum naherückend in der Größe der Geldverlegenheiten? Vor einem Jahre waren sie schon in politischer Hinsicht in ähnlicher Lage wie Oesterreich. Wie dieses durch Rußland, so mußten sie durch Preußen vor Der Gewalt der Revolution gerettet werden. Achnlichc Verhältnisse bringen ähnliche Re- fultate bervor, die Sympathien zwischen Den drei Reichen, dem sächsischen, bairischen und österreichischen, sind daher sehr er­

klärlich. Die Austria beklagt sich, daß die londoner Kommis­sion Der Industrieausstellung Der österreichischen nur 30,000 Quadratfuß, der Zollvereinsindustrie aber 60,000 eingeräumt habe. Dieß Blatt bemißt Den nöthigen Raum nach der Aus­dehnung der Staaten und nicht nach Der ihrer Industrien. — In Kroatien ist eine Petition zu Gunsten des Wiederan- schlusses an Ungarn in Umlauf. In den banaler Bergwerken haben Die Bergleute ihre Arbeit eingestellt.

Wien, 3. Juni. (Bresl. Z.) Ueber Die Judenverfol­gungen in Mähren vernimmt man gegenwärtig Mancherlei, was nicht geeignet ist, Die Achtung vor Der Exekutivgewalt zu erhöhen. Neuerdings finD in Prerau sehr bedeutende Unruhen ausgebrochen, wobei es gleichfalls auf Die Juden abgesehen war, und die gegen den Unfug aufgebotene Nationalgarde soll nicht im Stande gewesen sein, dem tollen Treiben Einhalt zu thun ; allgemein ist die Klage über Die, aller Autorität entbeh­renden Beamten, Denen vielleicht noch Schlimmeres, nämlich absichtliche Duldung jener unwürdigen Scenen zur Last fällt.

— Auf die zahlreich entweichenden Honveds, die zur Ar­mee abgestellt werden müssen, wird jetzt von Seite der Mili- tairbehörden und Der Gensd'armerie ein förmliches Treibjagen veranstaltet, wobei es nicht selten zu blutigen Begegnungen kommt, die eine dunkle Partie in Der Geschichte des unglück­lichen Ungarns bilden. Neuerdings haben sich im Borsorder Komitat einige Haufen Honveds gegen Die Gensd'armerie mit Erfolg gewehrt und erst dem Andrange Der Ucbermacht gelang cs, Die Verzweifelnden zu bändigen, von denen ein Dritttbeil todt und verwundet war. Allein auch auf Seite der Militärmacht bedeckten 117 Gefallene den Kampfplatz und die Wiederholung ähnlicher Auftritte scheint so bedenklich, daß der Baron Haynau sofort in einem besonderen Erlaß vor Widersetzlichkeit mit bewaffneter Hand warnt und dieselbe mit Dem Strange bedroht. In Petrowic bei Neusatz kämpften gleichfalls vier flüchtige Honveds Drei Stunden hindurch gegen eine zehnfache Uebermacht, Die erst zu siegen vermochte, nach- Dem Drei Der Magyaren tovtlich verwundet zu Boden gesunken waren; in Der Nähe von Tihany am Plattensee ereignete sich ein gleicher Fall, nur daß Dort die Verfolgten glücklicher ge­wesen und der Gensd'armerie entgingen, indem sie in die nahen Wälder flohen, ehe noch die erwartete Verstärkung an- langte.

Anfragen, Rügen und Wünsche.

Welchen Zweck und welchen Nutzen hat es, daß Die Berg- eleven , nachdem sie ihr Examen zurückgelegt haben, Jahre lang auf ihr Zeugniß warten müssen? q.

Kekanntmachungen.

[463] Zur öffentlich meistbietenden Verpachtung der Bahn- bofs-Restauration zu GuntrrShausen ist Termin auf Montag den 17. D. M., Nachmittags 3 Uhr, in Die Wohnung des Bahnhof-Inspektors dortselbst anberaumt worden, waS Pacht­liebhabern mit dem Bemerken zur Nachricht dient, daß Die Pachtbcdingungcn in dem Termine werden bekannt gemacht werden.

Kassel, am 6. Juni 1850.

Hübner, Sekretär.

(462) Morgen, Sonnabend den 8. d. M., Nach­mittags 5 Uhr, bei gutem Wetter Koncert des Quartett- Vereins auf dem Dieling' scheu Felsenleller (sonst Lip- üus) zum Besten der Binger Abgebrannten.

[464] Sonnabend, Den 8. Juni findet Konzert des sämmtlichen Musikchors Der Schutzwache auf dem ^sthcimschcn Keller zwischen und nach Dem Theater Statt. Stracke.

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[455] Die am 1. Juni d. J. gezogenen kurhessischen 40 Thaler-Serienlvofe werden abgegeben und angekauft bei O» M. Dellevie, Hetwigsstraße Nr. 995, der Realschule gegenüber.

tBimnnrcrtiitbcr Senut^rber: Fr. Peifer. — Redaktion - Fr. Peifer und Dr. A. Pfaff. — Pruts von Friedr, achtel in «lasset.