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gewinnt, daß ne jetzt unternommenen Rüstungen für Den Ein- uitt eines solchen Falles berechnet sind. (W. Z.)
Berlin, 3. Juni. Die gestern mitgetherlten günstigen Nachrichten aus Warschau hören wir heute noch bestätigen. Es Mrs nicht nur als völlig gewiß angesehen werden, daß ter Kaiser von Rußland Den Schwarzrnberg'schen Wünschen für ein bewaffnetes Einschreiten zu Gunsten ter öfter', clchisch-dcut- scheu Politik nicht nachgegcbcn, sondern auch, daß derselbe sich aufs entschiedenste überhaupt gegen jeden Krieg zwischen Preußen und Oesterreich erklärt und für den Fall der Herauf- beschwör»ng eines solchen durch Oesterreich Andeutungen gemacht hat, die den Fürsten Schwarzenberg im Höchsten Maße verstimmt zur Abreise vermocht haben. Es treibt die Nöthe der Scbaam und des Zornes in die Wangen, daß man in Wien, München und Stuttgart undeutsch genug gewesen ist, eine deutsche Sache vor das Forum des Auslandes zu spielen. Da man indessen von jenen drei Höfen aus sich so eisreg bemüht hat, gegen die deutschen Bestrebungen Preußens einen russischen Einspruch zu veranlassen, so kann nur der Unverstand Preußen einen Vorwurf daraus machen, daß es nicht unterläßt, feine diplomatischen Gegenschrittc zu thun. Allein, wie wenig auch Preußen in dieser Sache ein specieller Vorwurf treffen kann, immerhin bleibt es doch tief beschämend für den deutschen Patrioten, sein schönes, großes Vaterland in solcher demüthigenden Stellung vor dem Auslande zu erblicken. Jm- mer bleibt es wahr, wenn über diese warschauer Konferenzen (in demokratisches Blatt ausruft: „Mag der Prinz von Preußen für die Sache Deutschlands in Warschau noch so würdig sprechen, so würdig, als es sich für den besten Mann ziemt — es ziemt sich für keinen deutschen Vlaat , daß er sich herah- laßl, für die Sache Deutschlands an eine fremde Macht, an Rußland auch nur ein Wort zu verlieren!" Es ist vollkommen wahr, wenn dasselbe Blatt uns erinnert; „Ls ist weit gekommen in Deutschland. Die Nation batte in ihren frankfurter Vertretern den alten Hader deutscher Zerrissenheit geschlichtet; aber ihr Ausspruch verhallte machtlos vor dem Klange der Waffen, dieser furchtbarsten Richter. Da schien Preußen selbst mit mächtiger Hand die ersehnte Einigung schaffen zu wollen; aber am Tage der Entscheidung verflogen auch dicßmal wieder alle die pomphaften Versprechungen sei- ncr nominellen und faktischen Minister in eitel Dunst und Rauch. Endlich sind es die Fürsten der Deutschen Union allein, in eigener Person, welche die Sache der Nation in die Hand nehmen — und nun?!" (K. 3)
Berlin, 4. Juni. Die Stellung, in der sich in diesem Augenblicke die beiden größern deutschen Staaten einander gegenüber befinden, wird für den Geschichtskundigen Verena lassung zu manchem lehrreichen Rückblicke. Es ist nicht das erste Mal, daß Oesterreich russische Hülfe gegen Preußen fordert. Was sie dem Kaiserhquse fruchtete, als es sie erhielt, wissen die Knaben in den Schulen. Sehr interessant ist aber eine Aeußerung des russischen Feldmarschalls Münnich, dessen Abneigung gegen Oesterreich Friedrich II. dazu benutzte, um Die Forderungen, Die von Oesterreich an das russische Kabinct wegen HüifSlcistung gegen Preußen gestellt waren, zu vereiteln. Die ausgezeichnete „Geschichte des russischen Staats" von Professor Hermann in Weimar theilt aus den in den dresdner Archiven enthaltenen authentischen GesandtschaftSberichten die erwähnte Aeußerung wörtlich mit. „Das Erste, worauf der General Botta (der österreichische Gesandte) augetragen — sagte Münnich, damals noch allmächtiger erster Minister des russischen Reichs, einem vertrauten Freunde des sächsischen Berichterstatters Pezold — sei gewesen, daß Rußland unverzüglich seine 30,000 Mann senden solle, ohne auch nur im geringsten Erwähnung zu thun, wie man solche gebrauchen und erhalten wolle. Die alte wienerische hochtrabende Art zu sprechen, sei noch immer im Flor, und aus Allem leuchte das allzu weit ausgedehnte Princip des dortigen Ministeriums ber- vor, das schon unter dem verstorbenen Kaiser Karl VI. Alles verdorben habe, nämlich daß Europa nicht besteben könne, wenn das österreichische System nicht bliebe, und daß mithin die Höse, wenn sie jetzo viel verdürben, über kurz oder lang
viel würden gutzumachen haben. Er, Der Feldmarschall, habe Dem Marquis (de Botta) vorgehalten, daß man sich ja in Wien im letzten Türkenkrieg nichts weniger als beeilt habe, Rußland die vertragsmäßige Hülfe zu leisten, er wundere sich, daß man sich in Oesterreich schon in solchen Nöthen befände, da ihnen, der König von Preußen nur mit 20,000 Mann zu- feße. Wenn sie sich auf einen solchen Angriff nicht besser gefaßt gehalten hatten, würden ihnen auch 30.000 Russen nichts helfen, und es sei schwer ein Land zurückzucrobern, wo Die Unterthanen leibst nach einem andern Herrn geseufzt batten." Wir wissen nicht, ob sich Graf Nesselrode ebenso offen äußert, wie sein Vorgänger im vorigen Jahrhundert. Aber schwerlich wird seine Meinung wesentlich verschieden sein von ter, Die Münnich äußerte, zumal ihm die Erfahrungen zu Statten kommen, welche die Magyarenrevolution in so reichem Maße bieten. Die österreichischen Publicisten, welche schon von einer Rückeroberung Schlesiens mit russischer Hülfe träumen, mögen den Schluß der mitgetheilten Münnichschcn Aeußerung beherzigen. . (Lith. Nachr.)
Berlin, 5. Juni. Nachrichten aus London sollen Die bestimmten Angaben über revolutionäre Umtriebe Der dortigen Flüchtlingsvercine enthalten. Der Geh. Regierungsrath Delbrück ist, wie das Korresp. -Bureau berichtet, vom Ministerium zum diesseitigen Kommlssarius für Den Kasseler Zollkongreß designirt.
Berlin, 6. Juli. Wir hören, meldet die C. C., daß hinsichtlich der Vertretung der hohenzollernschen Länder Die Absicht besteht, denselben Die Wahl eines Abgeordneten für jede von beiden Kammern zuzugestehen. Die Wahl selbst kann, da die Zahl Der Mitglieder beider Kammern in der Verfassung festgesetzt ist, eist nach, Aenderung Der betreffenden Bestimmung der letzteren, also erst nach Erlaß eines unter Mitwirkung der Kammern selbst zu Stande zu bringenden Gesetzes, vorgcnom- men werden. Da es aber im Interesse der neuen LandeStyeilc liegt, daß deren Abgeordnete an Den Kammerdebatten möglichst bald Theil nehmen, so dürfte das betreffende Gesetz den Kammern gleich am Anfang ihrer nächsten Sitzung vorgelegt und vor allen anderen Vorlagen diskutirt, inzwischen aber Die Einleitungen zur Wahl dergestalt getroffen werden, daß die hohen- zollernschen Abgeordneten gleich nach Erlaß des Gesetzes gewählt und zu den folgenden Kammcrbcrathungen zugezogen werden können.
Mewe, 2. Juni. Heute ist hier ein Grausen erregendes Unglück geschehen. Morgens um 8'/2 Uhr sollte die große Procession von hier ab nach Lork, einem, ein wunder- thätiges Marienbild enthaltenden Kloster in Der Gegend von Neumark, gehen, und es waren eben Altar und Bilder im Begriff, zum Uebergange über die Weichsel cingcschifft zu werden, als ein, wenige Minuten vorher abgegangener, mit vielleicht 120 bis 130 Wallfahrern besetzter Spitzbrahm, 40 Schritte vom Lande, versank! Wenige Menschen sind gerettet; 24 Leichen (22 Frauen, 2 Männer) liegen bereits hier im Lazarethe, 19 sind bei Ostrowo, 74 Meile unterhalb Der Stadt, aufgefischt. Man nimmt Die Zahl der verunglückten Wallfahrer auf mindestens 100 an. Der Jammer Der Zurückgebliebenen ist herzzerreißend. Die Procession ist unterblieben, wenigstens sind Priester, Altar und Fahnen zurückgeblieben. (Sp. Z.)
Gotha, 2. Juni. Die Vorlage der Staatsregierung über die organische Vereinigung der beiden Herzogtbümer Gotha und Koburg ist gestern der hiesigen Abgeordnctenvcrsamm- lung mitgetheilt worden. Charakteristisch für dieselbe ist, daß sie durchaus feine Beziehung zu der Union enthält, indem sie festsetzt, daß das Herzogthum Koburg-Gotba ein Bestandtheil des deutschen Bundec-staateS, und als solcher den Bestimmungen Der allgemeinen deutschen Verfassung unterworfen sei. Die Vorlage, bafirt auf das getbaisebe Staatsgrundgesetz, bestimmt, daß fortan nur 30 direkt zu wählende Abgeordele, 21 für Gotha, 9 für Koburg, die Ständevcrsammlung bilden sollen, paralysirl jedoch das aus diesem Zahlenverhältniß für den go- thaischen Antheil entspringende Uebergewiebt durch die Anordnung, daß in den Abstimmungen über Erbverträge, Veräußerungen einzelner Gebietstheile, Abänderungen des Slaatsgrund-