Einzelbild herunterladen
 

1048

Preußen die Union aufgebe, daß Sachsen bereits förmlich aus dem Bündniß vom 26. Mai geschieden sei und was derglei­chen Dinge mehr sind, welche den Wünschen unseres Ministe­riums entsprechen und die Kurse treiben. Ob Schwarzenberg, wte man sagte, bereits wieder hier eingetroffen sei, ist nicht mit Bestimmtheit zu erfahren. Die Nachricht eines eigen­händigen Schreibens des Königs von Preußen an den Kaiser von Rußland hat in den ministeriellen Kreisen übrigens ein eigenes Gefühl der Unbehaglichkeit herbeigeführt. Ueber den Inhalt hat man nicht vollständige Gewißheit und die öster­reichische Korrespondenz, welche annimmt, daß das Schreiben nur gegen Die Wiedererrichtung des alten Bundestages ge­richtet sei, versichert, daß Oesterreich selbst nie so etwas be­gehrt habe. Andere Leute wollen behaupten, daß das Schrei­ben auch noch Dinge enthalte, die kaum anders als durch einen Ministerwechsel zu lösen sein dürften, ein Gerücht, dem man boshafter Weise die höheren Kurse heute zuschreibt.

Der österr. Korresp. theilt mit Genugthuung einen Brief mit, welche der ihm befreundeten deutschen Volkshalle aus Leipzig geschrieben wurde, und der sich energisch gegen die von der Reform gegebene Nachricht, daß eine Militärkon­vention zwischen Sachsen und Oesterreich im Werke sei, aus­spricht. Es bleibt mir nur zu bestätigen, daß schon in diesem Augenblicke unsere Regierung auf die sächsische einen Einfluß übt, wie Preußen bisher auf keine der ihr verbündeten Regie­rungen, und daß der heute veröffentlichte, mit Toskana abge­schlossene Vertrag wohl zunächst das Schema desjenigen sein dürfte, welches von den Beziehungen zwischen Wien und Dresden Aufschluß gibt. An einem Einrückcn unserer Trup­pen in Sachsen ist kaum mehr zu zweifeln, wenn nicht der warschauer Kongreß eine andere Politik oder ein anderes Mi­nisterium herbeiführt.

Wien, 1. Juni. Obwohl die gestrige Frohnleichnams- procession von Sr. Maj. und vielen unserer höchsten Personen begleitet wurde, war die Zuschauerzahl doch gering.

Die Silberfrage wird uns durch den heutigen Bank­bericht wieder zu Gemüthe geführt. Es war: Ende März der Notenumlauf 243,864,354 gegen 63,214,472 Gulden Silber und Ende April der Notenumlauf 241,621,579 gegen 60,441,908 Gulden Wechsel und Ende Mai der Notenum­lauf 240,802,733 gegen 89,915,285 Gulden Wechsel; cs bar daher eine Besserung des Verhältnisses nicht Statt gc-

funden. Ferner war die Staatsschuld sammt

Kassenanweisungen

März 194,958,447

April 192,177,559

Mai 190,249,858

Zusammen

Vorschüsse auf Staats- Papiere 15,953,000 19,584,000 25,789,645

210,911,447

211,761,559

224,603,953

Es sind daher die Forderungen gegen Sicherheit von Staats­papieren wieder gestiegen. Bei solchen Geldverhältnissen klingen die Gerüchte höchst komisch, die von der kriegerischen Stimmung unseres Kabinettes erzählen, und heute wieder neue Nahrung durch die Mittheilungen aus Berlin erhalten. Die Bewegungen der böhmischen Armeekorps, welche bevor­stehen sollen, dürften wohl mit Unrecht einer feindseligen Ab­sicht gegen Preußen zugemessen werden, denn eines Theils macht die Zunahme der Cholera und des Typhus eine Ver­änderung Der Standquartiere nothwendig, andern Theils scheint von der sächsischen Regierung mit Bezug auf innere Angelegenheiten, wenn auch noch nicht ein Einrückcn, wohl aber eine Bereitschaft dazu als wünschenswerth angedeutet worden zu sein. Unsere Kriegslust dürste schon durch die Stimmung in Ungarn etwas gezügelt werden. Der Demon­stration, welche in Pesth die Abreise der Kinder Kossuths her- vorrief der Lloyd erzählt, daß Die Mcnschenmasse zu dem geheimgehaltenen Abfahrtöort mit ungeheuerem Eljcngcschrei hingeeilt sei, daß die Fiacres umsonst 8 bis 10 Personen auf einem Wagen fuhren und daß Die Gendarmerie sich zurück- zichen mußte ist eine andere an Dem Jahrestage der Er­stürmung Ofens gefolgt. Während die militärische Parade Hcntzi's Todtengedächtniß feierte, strömte das Volk schaaren- "^rcmnrcrilichrr Herausgeber: gr. Oetfer. pietatuen: gr.

weise zum len. Die

Kirchhofe,

Friedhose, um für die gefallenen Honvets zu be- Bchörden verboten zwar den Aufenthalt auf dem

Dern.

konnten aber das Bekränzen der Gräber nicht Hin- Nur die Trikolorbänder hat die Polizei

nomincn.

später abge-

Belgien.

Brüffel, 1. Juni. Nachdem der Senat Finanzgesetze berathen, verlas der Minister des

noch einige Innern die

königliche Verordnung, welche die Sitzung von 1849 bis 1850 schließt. Die Versammlung trennte sich unter dem Rufe: Es lebe der König!"

Schweiz.

Bern, 1. Juni. Die erste Sitzung des neuen großen Rathes ist ohne die geringste Störung in größter Ruhe und Ordnung vorübergegangen. Es fanden drei Abstimmungen statt, in denen sich jedesmal 117 Konservative gegen 105 Radikale erhoben. Gegenstand dieser Abstimmungen war: die Wahl eines Präsidenten, wozu der konservative Oberst Straub bezeichnet wurde; ferner die Frage über Zulassung der Abge­ordneten von Druntrut, deren Wahl nach dem Anträge der Opposition kassirt wurde, endlich Niedersetzung einer Sicbener- kommission zur Prüfung der beanstandeten Wahlen, deren Bezeichnung auf Vorschlag der konservativen Majorität dem Präsidenten überlassen wurde. Dieser wählte dieselben aus beiden Parteien.

^ Fulda, Ende Mai. Was haben wir Ihnen denn in diesen Wochen von hier zu berichten? Eigentlich nichts. Daß irrsinnige Mädchen ihren Tod im Wasser finden, ist auch an­derwärts vorgekommen, demnach nichts Neues. Daß ferner Mädchen unbarmherzig werden, d. h. aus dem Orden der barmherzigen Schwestern wieder austreten oder eigentlich in denselben nicht aufgenommen werden, ist wieder nichts. Daß man in hier erscheinenden Lokalblättern, wenn man sie ihres Inhalts, der Wahrheit, vom Gegner Pasquill genannt, ent­kleidet, ebenfalls ein kolossales Nichts findet, ist mit Scharf­sinn gründlich nachgewiesen, aber ebenfalls nichts für Ihre Zeitung. Wir möchten Ihnen aber doch Etwas bieten und dieses ist, daß unser Premierliculenant Junk aus der kur­hessischen Armee ausgeschieden und in die schleswig-holsteinische als Hauptmann erster Klasse eingetreten ist. Dieses Etwas ist vielleicht für Schleswig-Holstein von solcher Bedeutung, als es später jenes Ereigniß für Preußen wurde, da v. R a - dowitz in Kurhesscn seinen Abschied nahm. Es gereicht uns zur ganz absonderlichen Befriedigung, den Verlust dieses kcnnt- nißreichen und charakterfesten Maunes für die kurhessische Ar­mee zu besprechen und unsere Hoffnung dahin zu äußern, daß im Falle von Konflikten der Schleswig-Holsteiner mit den Dänen die provisorische Regierung von dieser neuen Ak­quisition den glänzendsten Gebrauch machen wird, denn Ta­lente und Kriegserfahrenheit neben besonnener Ruhe und Um­sicht stehen dem Herrn Kapitän Junk in hohem Grade zu Gebote. ______________________

Anfragen, Rügen und Wünsche.

Heute Vormittag, wo das hier garnisonirende Militair zu Ehren des Großhcrzvgs von Hessen zu einer großen Parade ausrückte, waren die Wachen wieder, wie vor dem Jahre 1848 wohl geschah, von der Bürgergarde bezogen. Nach §. 7 des Bürgeraardengesetzes sind die Bürgergarden zum regelmä­ßigen Garnisondienste bloß in Kriegszeiten, und auch dann nur bei Verhinderung, in Abwesenheit oder in Ermangelung des MilitairS die nöthigsten Wachten zu besetzen verbunden. Ist vielleicht eine solche Parade als ein Kriegszug zu betrach­ten, bei welchem zur Aufrechthaltung der Ehre der kurhessischen Waffen selbst nicht der Theil des Heeres fehlen darf, welcher zur Besetzung der Stadlwachrn erforderlich ist?

** (460) 'DTT^n^hnTnTtt^Sërc^

Aufführung von Gesängen auf dem Lipsiussschen FelscnkeÜcr zum Besten der Abgebrannten zu Bingen wird nunmehr eingetretener Umstände halber erst am Sonnabend den 8. d. M., Nachmittags 5/2 Uhr, Statt finden.

Der V o r st a n d des Quartett-Vereins.