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dortige Festungskompagnie wird verstärkt. Aus Schweidnitz wird berichtet: „Die Artillerie hat Befehl erhalten, sich zur schnellsten Mobilmachung bereit zu halten und mit Vervollständigung ihrer Kriegscffekten auf das Schleunigste vorzu- gehen. — Ein Theil unserer Handwerker, wie Seiler, Korbmacher, Schmiede rc. sollen zu diesem Behufe eine Masse Arbeit zur sofortigen Anfertigung erhalten, und die Artillerie- mannschaften die Anfertigung von Patronen rc. vornehmen. — Ein allgemeines Gerücht spricht davon, daß über unsere Stadt, wie über sämmtliche Festungen an der österreichischen Grenze, als Glatz, Neisse rc. derrBelagerungszustand verhängt werden soll." In Ratibor ist der Befehl zur Einberufung der Gardereservisten und Lanvwehrartilleristen bereits eingegangen. Zn Posen ist nur Befehl zur Mobilmachung der 3. Abtheilung Artillerie, die in Schweidnitz (f. oben) steht, eingegangen. Außerdem hat der Regierungsbezirk Posen 434, und die Stadt Posen allein 27 Pferde und 9 Trainsoldaten zu stellen, wozu der Termin am 9. d. M. anstehen wird. Gleichzeitig heißt es, daß für das 5. Artillerieregiment Labo- ratorienkolonnen zwischen Posen, Glogau und Schweidnitz eingerichtet werden sollen. In Magdeburg ist der Befehl eingetroffen, sofort vier Batterien, einschließlich einer reitenden Batterie der ersten Abtheilung des dritten Artillerieregimcnts, mobil zu machen. Eine gleiche, wenn nicht eine größere Anzahl Batterien des 4. Artillerieregiments werden gleichfalls in aller Eile mobil gemacht. Bereits sind am 30. Mai eine Anzahl Officicre zur Empfangnahme der nöthigen Pferde von hier nach Kyritz, Jüterbogk und Beelitz abgegangen. Als denjenigen Punkt, wo sich vorläufig Alles koncentriren wird, bezeichnet man die sächsische Grenze. Die Köln. Z. berichtet: Wir erfahren über die befohlene Mobilmachung der Artillerie noch folgendes Genauere: Es werden von jedem Artillerie- regiment 4 Batterien und 1 Kolonne mobil, mithin in Summa 36 Batterien und 9 Kolonnen; vom 7. Regiment wird die erste Abtheilung und vom 8. die dritte Abtheilung mobil; hier in Köln wird die Kolonne 41 mobil gemacht. Am 30. wurde in Köln bei der Parole bekannt gemacht, daß auch das achte Armeekorps feine Reserven einziehen werde, daß das siebente Armeekorps an die böhmische, das achte an die französische Grenze rücken soll. — Das Korresp.-Büreau berichtigt die von ihm gegebene Notiz über die Stärke des K. Pr. Gardekorps durch folgende Angaben: Die Garde-Landwehrinfanterie, von uns bloß mit 8 Bataillonen in Ansatz gebracht, hat deren 12, nämlich 4 Regimenter â 3 Bataillone. Hierzu tritt noch das Gardeinfanterie-Landwehr-Reserve-Regiment â 2 Bataillone und das von uns übersehene Regiment Garde du Korps. Es kamen also noch 6 Bataillone â 1000 — 6000 Mann Infanterie und 1 Regiment Kavallerie â 750 Mann in Zurechnung, so daß der Kriegsstand des Gardekorps nicht 26,550, sondern 33,300 Mann betragen würde, mit den Mannschaften des Garde-Artillerie-Rcgimcnts muchmaßlich 36,000 Mann.
— Die Schl. Ztg. enthält Folgendes: „Breslau, 31. Mai. Nach einer uns heute zugekommenen Mittheilung aus Myslowitz ist der österreichische Ministerpräsident Fürst Schwarzenberg gestern Abend von Warschau dort angekommen und heute früh mit dem ersten Zuge üb.r Ratibor nach Wien abgereist. Personen, die den Fürsten in unmittelbarer Nähe zu beobachten Gelegenheit hatten, wollen eine große Verstimmung an ihm wahrgenommen haben und schließen daraus, daß derselbe bei dem Kaiser Nikolaus in Warschau keineswegs den Schutz gefunden habe, dessen Oesterreich bedarf, wenn cs gegen Preußen kriegerisch vorschreiten sollte." — Ein Korrespondent der Dr. Z. schreibt aus Ratibor: der Fürst scheine eben nicht große Eile gehabt zu haben, da er keinen Extrazug wünschte, vielmehr es vorzog, hier (in Ratibor) auszuruhen und erst mit dem Hamburg-Wiener Zuge weiter zu fahren.
— Die V. Ztg. berichtigt ihre eigenen Mittheilungen. Sie schreibt: „Es ist eine durchaus irrige und unbegründete Auffassung, wenn von mehreren Blättern die Entscheidung der deutschen Frage nach Warschau verlegt wird. Die Reise des Prinzen von Preußen ist zunächst als eine Begrüßung des
Kaisers von Rußland zu betrachten, und würde auch, bei der obwaltenden Freundschaft beider Fürsten, Statt gesunden haben, wenn solche Fragen nicht vorlägen. Demnächst aber handelt es sich darum, Einflüssen zu begegnen, welche von anderer Seite auf den Kaiser von Rußland ausgeübt werden könnten.
— Man theilt uns mit, schreibt das Korr. Bur., daß auch im Königreich Sachsen Maßregeln gegen die socialistischen und Arbeitervereine vorbereitet werden, die man mit der größten Energie burchzuführen Willens ist.
Berlin, 3. Juni. Nach den letzten Büllctins über das Befinden des Königs ist der Zustand der Wunde durchaus befriedigend. Dagegen bat eine vorgestern eingetretene gichtische Enlzünbungsgeschwulst am Ballen dcs rechten Fußes Sr. Maj. eine unruhige Nacht bereitet.
Oesterreich.
Wien, 1. Juni. Die telegraphischen Nachrichten des Herrn V. Schwarzenberg haben Se. Maj. veranlaßt, heute früh selbst nach Warschau abzureisen. (Schwarzenberg ist,' wie aus Ratibor gemeldet, nach Wien zurückgekchrt.)
Frankreich.
S^ariS , 1. Juni. Die gestern erfolgte Annahme des Wahlreformgesetzes durch die Nationalversammlung hat keinen sichtlichen Eindruck auf die Massen hervorgebracht. Die Erlassung eines Manifestes durch die Montagne könnte diese Lage freilich ändern. Einstweilen ermahnen die Oppositionsblätter, namentlich die Presse und die Republique, das Volk zur größten Ruhe. Die Urtheile der Oppositionsblätier über das Wahlreformgesetz lassen sich in zwei Worten zusammenfassen: Verletzung der Verfassung ihrem Geiste und ihrem Wortlaute nach; Verletzung eines über der Verfassung stehenden unveräußerlichen Rechtes oder der Volkssouveränetät. Die konservativen Blätter sind sammt und sonders darin einig, daß das gestrige Votum ein mehr moralischer als materieller Sieg sei, der durch andere Maßregeln von mehr unmittelbarer Wirk- samkcil vervollständigt werden müsse. Die konservative Partei kann mit einer Mehrheit von 192 Stimmen (433 gegen 241) Höchlichst zufrieden sein. Ihrer Stimmen enthielten sich einige, 20 Montagnards, die sich bei einem Votum, das ihrer AnZ sicht nach die Verfassung und die Rechte ihrer Auftraggeber vernichte, selbst nicht durch Abgabe ihrer Stimmzettel betheili- gen wollten. Für das Gesetz haben gestimmt: sämmtliche Mitglieder des Vereins der Rue Richelieu (Orleanisten), die meisten Legitimisten, von Berryer und de Vatimesnil mit fort- gerissen, und zwei der besonderen Freunde des Präsidenten der Republik, Edgar Ney und Vicillard, sowie drei seiner Vettern: Anton Bonaparte, Louis Lucian Bonaparte und Lucian Murat. Dagegen haben gestimmt: die Montagnards, einige Legitimisten (de Larochejaguclin, Leo de Laborde u. a.), sämmtliche Mitglieder der konstitutionellen Partei (u. a. Gustav de Beaumont, Bixio, Cavaignac, Coquerel, Lamoricière, Lanjuinais, Mauguin u. s. w.); ferner von bekannteren Namen : Lamartine, Victor Hugo, Desmousseaux de Givrë, von den besonderen Anhängern des Präsidenten der Republik Ga- vini und der General Montholon, sowie zwei seiner Vettern, Pierre Bonaparte und Napoleon Bonaparte. Anfangs der heutigen Sitzung legte Herr Leon Faucher, Ausschußberiebtcr- statter für das Wahlreformgesetz, Rechenschaft über die gegen dasselbe eingegangenen Petitionen ab. „Die Petitionen enthalten zum Theil die skandalösesten Dinge, die nicht ungestraft bleiben können. Was die Bittschriften um Annahme des Wahlreformgesetzks betrifft, so sind dieselben ganz regelmäßig zusammengebracht und abgefaßt worden. Sie rühren aus 15 Departements her und tragen 2518 Unterschriften. Die Petitionen gegen das Wahlreformgesetz sind anderer Art; durch die Journale hervorgerufen, in Wirthshäusern und an andern öffentlichen Orten zusammengetrieben, haben sie die Sprache jener nachgeahmt und tragen mannigfache Spuren ihres Ursprungs an sich. Die Gesammtzahl der Unterschriften beträgt 527,000. Allein hiervon müssen die falschen, abgezwungenen und abbeh ogenen Unterschriften, unter denen sich die von Kindern beider Geschlechter u. s. w. und sogar die des Ministers
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