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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

ittwoch, 5. Juni 1850. J\2 239« Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt gegeben. Die Morgen-Ansgabe wird von '/,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends lgt die Ausgabe nur Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckkardt'schen und illmantt'schen Buch-- und Kunsthandlung. Der Abonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür kurhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Petitzeile berechnet.

Deutschland.

* Kassel, 5. Juni. Gestern Mittag ist der schon seit lgerer Zeit am hiesigen Hofe erwartete Großherzog Ludwig n Hessen hier angekommen. Se. kön. Hoheit wurden vom nfürsten auf dem Bahnhöfe, wo sich auch die Garde fgcstellt hatte, empfangen und in das Palais Bellevue gelei- , woselbst große militärische Cour gehalten wurde. Nach der lfel warb von sämmtlichen hiesigen Militär-Musikchören r dem Palais Bellevue großer Zapfenstreich aufgeführt. Heute ih werden die hessischen Fürsten große Parade der hiesigen arnisvn abhalten, heute Abend der FestvorsteUung der Oper Martha im Hoftheater beiwohnen. Morgen wird der Groß- rzog dem Vernehmen nach wieder abreisen.

Berlin, 31. Mai. In Bezug auf den eigenhändigen rief unseres Königs an den russischen Kaiser noch die Be- erkung, daß er von dem Prinzen von Preußen, nicht von m Flügeladjutanten von Manteuffel, übergeben worden ist; r letztere hat eine Mission nach Wien erhalten. Die Ute leipziger Messe hat das erfreuliche Resultat gehabt, baß r deutsche Buchhandel sich wesentlich zu erholen beginnt und inem ehemaligen Flor wieder nähert. Die letzten zwei Jahre itten ihm allerdings tiefe Wunden geschlagen, aber die dcut- )en Buchhändler haben mit großer Ehrenhaftigkeit Alles da- n gesetzt, um ihren Verpflichtungen nachzukommcn; dagegen eben die österreichischen und russischen schlecht gezahlt.

Berlin, 3. Juni. Die D. Ref. meint, zwei Stratcgcme icn in den letzten Tagen von den Gegnern Preußens ange- kndet worden. Das eine bezwecke Mißtrauen unter den nionsgcnossen und bestehe in der Verdächtigung, als b Preußen irgend welche geheime Verhandlungen mit Oester- eich pflege; daher die vielen Notizen von angeblichen Noten nd Koncessionen Preußens an Oesterreich. Dergleichen werde urch die thatsächliche Lage der Dinge am besten widerlegt. Das andere Strategem bestehe in dem bundes- oibrigen Unterfangen von acht oder neun Staaten- evollmächtigten, sich als Plenum des aufgehobenen Bundes- ages zu geriren. Von dieser Seite werde behauptet, Oestcr- eich sei, wenn sonst keine Verständigung möglich, gezwungen, >chufs Beseitigung des PrincipienstreileS zur Restauration des ilten Bundes mit den Waffen in der Hand zu schreiten. Als )ie mögliche Verständigung wird nur die Anerkennung des . g. Plenums mit österreichischem Vorsitz und der Eintritt in dasselbe angesehen. Wir erkennen, sagt die D. Ref., in bei» >en Behauptungen nicht allein eine offene Verhöh­nung der höchsten Zwecke des Bundes, sondern auch eine Auflehnung gegen bestimmte, rechts­gültig gefaßte B u n d e s b e s ch l ü s s e. In dieser Sach- age habe die Union erstens die Pflicht, die Bundesbeschlüsse, durch welche bas frühere Bunbesorgan einstimmig aufgehoben worden, gegen den jetzigen bundeswidrigen Versuch von acht oder neun Bundesregierungen aufrecht zu erhalten, ferner dar­über zu wachen, daß die Souveränitâtsrechte der kleineren deutschen Staaten durch keinerlei Rechtsdeduktionen beeinträch­tigt werden. Hierbei wird des eigenthümlichen Einfalles der baierischen und württembergischen Kabinet.e gedacht, welche die Unionsfürstcn nicht als volle Souveräne anerkennen, dabei aber für sich selbst sogar eine europäischeSouveränetät in einem Umfange

beanspruchen, die ihnen niemals zugestanden. Baiern und Würt temberg, heißt es, haben so wenig wie die anderen ein selbststän­diges Kriegs- und Friedensrecht, und man darf nur an die Antwort erinnern, welche Fürst Wrede auf dem wiener Kon­gresse von Metternich erhielt, als er dasselbe beanspruchte, um auch noch an die ganz gleichen Verhältnisse selbst der Grün­dung des Bundes erinnert zu werden. Metternich beutete darauf hin, daß Baiern im Rheinbünde auf das Kriegs- und Friedensrecht zu Gunsten des französischen Protektors verzich­tet habe es würde doch mindestens ein Gleiches aus deutschem" Patriotismus für den deutschen Bund thun! Preußen und die Union werden, so schließt der Artikel, diese Gleichheit der souveränen Rechte aufrecht zu erhalten wissen. Sie werben keinen Zwang, keine Gewalt dulden, und nur den Weg des freien Vertrags zur Abänderung die­ser Verhältnisse betreten, lassen. Eine dritte Aufgabe für Preußen und die Union wird endlich darin liegen, bei der Gründung eines deutsch-österreichischen Bundes alle aus der älteren wie neueren deutschen Verfas­sungsentwickelung gewonnenen Resultate im nationalen Sinne zu sichern und zu wahren, so daß sie nicht unberechtigten Souveränctätsgelüsten zum Opfer fallen. Für die Durchführung dieser drei Aufgaben wird das eben ins Leben tretende Unionsprovisorium eine energische Thätigkeit neben den Verhandlun­gen in Frankfurt entwickeln und in den Gang jener entscheidend eingreifen können. Das Fürsten- kollegium wird die Majorität der deutschen Staaten vereini­gen und zu gemeinsamen raschen Maßnahmen dieser Majori­tät in den frankfurter Konferenzen die Mittel an die Hand geben. Während die Gegner in der Union nur in der Ver­neinung einig sinv, schreitet hier der begonnene bundesstaat­liche Ausbau organisch weiter und macht sich mit seinen Rech­ten und seinen Bedürfnissen geltend. Der wahre Patriotis­mus der deutschen Fürsten wird sich darin auf das glän­zendste bekunden, die entgegengesetzte Richtung aber auch in den frankfurter Konferenzen recht grell hervortreten müssen.

Berlin, 3. Juni. Die Deutsche Reform erklärt in Bezug auf einen Artikel der Spenerschen Zeitung über die vorgebliche Koalition Preußens und Rußlands zur bewaffneten Intervention in Frankreich, man möge sich nur beruhigen: die preußische Regierung denke nicht an einenEinfall" in Frankreich zur Wiederherstellung des Königthums, sie überlasse Frankreich ruhig seiner eigenen Entwickelung und wende nur alle Vorsicht an, daß nicht ein etwaiger plötzlicher Umschlag der dortigen Politik die eigenen Grenzen gefährde. Inwieweit aber die jetzigen Artillerierüstungen rc. überhaupt mit Rücksichten auf Frankreich zusainmenhängen, darüber scheine man nicht gut unterrichtet zu sein.

Berlin, 3. Juni. Ueber die Rüstungen gehen aus allen Theilen der Monarchie Nachrichten ein, die wir in Folgendem zusammenstellen: In Schlesien werden, wie es scheint, sämmt­liche Festungen armirt, am 28. trafen die hierauf bezüglichen Befehle auch in Glatz und Silberberg ein. Von Neisse, Ko­sel und Schweidnitz berichteten wir bereits Gleiches. Am 30. ging der Glatzer Kommandantur der Befehl zu, die gesammte Artillerie der 3. Abtheilung sofort mobil zu machen. Die